Suche nach Titel, AutorIn, RezensentIn, Verlag, ISBN/EAN, Schlagwort
socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Momo Evers, Ellen-Verena Friedemann: Handbuch Adoption. Der Wegweiser zur glücklichen Familie

Rezensiert von Dr. Martin R. Textor, 30.11.2007

Cover Momo Evers, Ellen-Verena Friedemann: Handbuch Adoption. Der Wegweiser zur glücklichen Familie ISBN 978-3-517-08275-2

Momo Evers, Ellen-Verena Friedemann: Handbuch Adoption. Der Wegweiser zur glücklichen Familie. Südwest Verlag (München) 2007. 336 Seiten. ISBN 978-3-517-08275-2. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 43,70 sFr.

Weitere Informationen bei DNB KVK GVK.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-517-08928-7 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.

Kaufen beim socialnet Buchversand

Zum Geleit

"Leider ist nicht jedem Menschen, der sich ein Kind wünscht, diese Möglichkeit gegeben. Leider sieht sich nicht jeder, der ein Kind bekommt, in der Lage, es zu behalten. Und leider haben nicht alle Kinder eine Familie, in der sie vergleichsweise unbeschwert und glücklich aufwachsen können" (S. 8). Für einige dieser Kinder - und für einige kinderlose Paare - ist die Adoption (oder die Dauerpflege) die Lösung. Für sie ist das Buch von Momo Evers (Adoptivmutter) und Ellen-Verena Friedemann (Adoptionsvermittlerin) gedacht.

Kinderlose Paare

Ungewollte Kinderlosigkeit wird in unserer Gesellschaft selten diskutiert - und so fühlen sich viele Betroffene allein gelassen. Sie durchlaufen einen Verarbeitungsprozess, der die Phasen Schock, Verneinung, Ärger/Wut, Schuld/Scham, Isolierung, Depression, Trauer und Akzeptanz umfasst. Viele unterziehen sich dann einer "Kinderwunschbehandlung" (z.B. In-vitro-Fertilisation, tubarer Embryo- oder Zygotentransfer, Insemination), die aber häufig nicht zum gewünschten Erfolg führt. Zudem ist sie mit großen psychischen Belastungen verbunden. Viele Betroffene ziehen dann eine Adoption in Betracht.

Evers und Friedemann problematisieren die Entscheidung für ein Adoptivkind. Anhand von indirekten Fragekatalogen versuchen sie, den betroffenen Paaren bei der Analyse ihrer Motive und Erwartungen zu helfen. Auch diskutieren sie, ob die Paare bei einer Entscheidung pro Adoption Verwandte und Bekannte informieren sollen. Dann gehen sie auf Erwartungen und Ängste bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt ein. Schließlich streifen sie kurz die Situation der abgebenden Eltern, die zumeist "Schattenmutter" und "Schattenvater" bleiben und deren Kind für sie zum "Schattenkind" wird.

Adoption in Deutschland gestern und heute

In diesem Kapitel behandeln Evers und Friedemann zunächst die Geschichte der Adoption, wobei sie mit der vorchristlichen Zeit (z.B. Moses und Ödipus) beginnen. Sehr schnell sind sie dann bei der Gegenwart. Hier gehen sie z.B. auf das deutsche Adoptionsrecht, das Haager Übereinkommen und die Empfehlungen der Landesjugendämter ein. Dann skizzieren sie das Adoptionsviereck aus biologischen Eltern, Kind, sozialen Eltern und Adoptionsvermittlungsstelle.

Der Weg zum Kind

Kinderlose Paare müssen sich zunächst einem langen Bewerbungsprozess unterziehen, das u.a. ein Erstgespräch, Informationsveranstaltungen, das Ausfüllen von Fragebögen, das Erstellen eines Lebensberichts, die Abgabe einer Bewerbermappe, Gespräche, einen Hausbesuch und Vorbereitungsseminare umfassen kann. Seitens des Jugendamtes wird ihre Adoptionseignung anhand verschiedener Kriterien überprüft, die von Evers und Friedemann detailliert vorgestellt werden. Ferner beschreiben sie die Rolle und die Aufgaben der Adoptionsvermittler - auch bezogen auf die Beratung der leiblichen Eltern.

Wenn der Bewerbungsprozess erfolgreich durchlaufen wurde, erhält das Paar die Adoptionseignung. Insbesondere wenn sie sich im Ausland um ein Kind bewerben wollen, wird für sie ein detaillierter Sozialbericht erstellt. Dann beginnt die mehr oder minder lange Wartezeit…

Evers und Friedemann unterscheiden verschiedene Formen der Adoption: die Inkognito-, die halboffene und die offene Adoption. Sie gehen kurz auf die anonyme Geburt, Babyklappen und Findelkinder ein, skizzieren die rechtliche Seite einer Adoption, behandeln knapp die Stiefkind- und Erwachsenenadoption, beschreiben dann ausführlicher die Dauerpflege als eine "Alternative zur Adoption" (Geschichte des Pflegekinderwesens, Rechtsgrundlage, Langzeit- und Kurzzeitpflege, Hilfeplan, Anforderungen an Pflegeeltern, Umgang mit den leiblichen Eltern, finanzielle Seite) und behandeln schließlich die Auslandsadoption (Motive, Herkunft der Kinder, spezialisierte Adoptionsvermittlungsstellen, kriminelle Praktiken, Ablauf einer Auslandsadoption, gesundheitliche und psychische Situation der Kinder, Therapiemöglichkeiten, Kosten).

Adoptivkinder - Sorgenkinder?

In diesem Kapitel stellen Evers und Friedemann die besondere Situation älterer Kinder dar, die zur Adoption freigegeben wurden. Hier ist die Wahrscheinlichkeit psychischer Probleme größer, da diese Kinder oft unsicher, ambivalent oder desorganisiert gebunden sind bzw. Symptome einer Deprivation aufweisen. Mit besonderen Herausforderungen ist auch die Aufnahme von Geschwisterkindern, von "Inzestkindern", traumatisierten Kindern oder vom fetalen Alkohol-Syndrom betroffenen Kindern verbunden.

Warten auf den Tag X

Adoptionsbewerber wissen nicht, wann sie ein Kind bekommen werden. Evers und Friedemann geben Tipps, wie sie am besten die Wartezeit überstehen können. Wenn dann der Tag X eintritt, müssen sich die Bewerber innerhalb einer ganz kurzen Frist entscheiden, ob sie das ihnen angebotene Kind aufnehmen wollen. Die Autorinnen beschreiben das erste Treffen, die Anbahnungszeit, die ersten Wochen mit dem Kind, die Adoptivpflege und - nach circa einem Jahr - den Vollzug der Adoption.

Unsere Familie

Schon während der Adoptivpflege wachsen in der Regel Adoptiveltern und Adoptivkind zu einer Familie zusammen. Evers und Friedemann beschreiben, wie das Kind bestmöglich gefördert, wie mit Wut und ähnlichen Reaktionen umgegangen und wie die Pubertät durchgestanden werden kann. Auch gehen sie auf die gar nicht so seltene Situation ein, dass das "unfruchtbare" Paar doch noch ein leibliches Kind bekommt. Ferner behandeln sie den Umgang mit Dritten, die Haltung gegenüber den biologischen Eltern, die Aufklärung des Kindes über die Adoption, die Suche älterer Kinder nach ihren leiblichen Eltern (inkl. der Unterstützungsmöglichkeiten seitens des Jugendamtes), das Zusammentreffen mit diesen sowie eine eventuell nötige therapeutische Hilfe.

Adoption - der Weg zur glücklichen Familie?

Im Schlusskapitel gehen Evers und Friedemann auf die mit einer Adoption verbundenen Probleme ein, die manchmal zu einem Scheitern derselben führen. "Und doch kann sich am Ende von Adoption und Dauerpflege, diesen Notbehelfen aus Leid und schicksalhafter Fügung, der Weg zu einer glücklichen Familie öffnen. … Anders gesagt: Eine Adoption ist erst dann gelungen, wenn das Kind seine Adoptiveltern 'adoptiert'"(S. 317).

Fazit

Dieses umfassende und gut lesbare Buch, das viele Erfahrungsberichte von betroffenen Eltern und Kindern sowie Checklisten, Tipps, Kontaktadressen und hilfreiche Literaturverweise enthält, kann Adoptionsbewerbern und jungen Adoptiveltern wärmstens empfohlen werden. Auch die in diesem Bereich tätigen Sozialarbeiter/innen werden es interessant finden…

Rezension von
Dr. Martin R. Textor
Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF)
Mailformular

Es gibt 72 Rezensionen von Martin R. Textor.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Martin R. Textor. Rezension vom 30.11.2007 zu: Momo Evers, Ellen-Verena Friedemann: Handbuch Adoption. Der Wegweiser zur glücklichen Familie. Südwest Verlag (München) 2007. ISBN 978-3-517-08275-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5491.php, Datum des Zugriffs 29.11.2022.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht