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Harald Paulitz: Adoption. Positionen, Impulse, Perspektiven

Cover Harald Paulitz: Adoption. Positionen, Impulse, Perspektiven. Verlag C.H. Beck (München) 2006. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. 379 Seiten. ISBN 978-3-406-55218-2. 29,50 EUR.
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Autor

Der Sammelband wurde von einem Kenner der Szene herausgegeben, dem ehemaligen Leiter der Zentralen Adoptionsstelle des Landesjugendamtes Baden, Harald Paulitz. Seine langjährigen Erfahrungen und Kontakte ermöglichten es ihm, viele Fachleute, die sich auf dem Gebiet der Adoption einen Namen gemacht haben, als Autor/innen zu gewinnen.

Zur 2. Auflage

Die 2. Auflage wurde um rund 60 Seiten erweitert. Neu hinzu gekommen sind Unterkapitel zu den Themen "Babyklappe und anonyme Geburt" sowie "Adoption in der Lebenspartnerschaft". Viele Kapitel wurden aktualisiert, um z.B. die Regelungen des 2002 ratifizierten Haager Adoptionsübereinkommens zu berücksichtigen. Auch ihre Reihenfolge wurde gegenüber der 1. Auflage geändert.

Gesetzlicher Auftrag der Adoptionsvermittlung

Das Praxishandbuch beginnt mit einem Kapitel, in dem Harald Paulitz zusammen mit Ingrid Baer, ehemalige Direktorin des Internationalen Sozialdienstes, das Adoptionsvermittlungsgesetz und das Haager Adoptionsübereinkommen vorstellen und kommentieren. Ferner wird die Geschichte des Adoptionswesens skizziert.

Unfreiwillige Kinderlosigkeit

Christina Thöne, Ärztin in der Kindersprechstunde der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Cornelia von Hagens, Leiterin der Ambulanz für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, und Tewes Wischmann, Psychotherapeut an der Psychosomatischen Universitätsklinik Heidelberg, beschreiben die unfreiwillige Kinderlosigkeit aus medizinischer und psychosozialer Sicht, inklusive der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten und der damit verbundenen psychischen Probleme. Ferner wird auf die Beratung von ungewollt kinderlosen Paaren eingegangen.

Das Adoptionsviereck

René Hoksbergen, Professor an der Universität Utrecht, Harald Paulitz und Rolf P. Bach, Leiter der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, beschreiben detailliert das "Adoptionsviereck" mit den vier Seiten: biologische Eltern (z.B. Lebenssituation, Motive, Verarbeitung der Freigabe), Adoptivkinder (Identität, Probleme usw.), Adoptiveltern (z.B. Motive, Herkunft, Akzeptanz der Adoptivelternschaft) und Adoptionsvermittler (Aufgaben, Defizite in der sozialpädagogischen Praxis u.a.). Sie skizzieren Voraussetzungen für gelingende Adoptionen und plädieren für eine intensive professionelle Beratung, Begleitung und Nachbetreuung der genannten Personen.

Problematische Adoptionsformen

Helga Oberloskamp, Professorin an der Fachhochschule Köln, Wilfried Griebel, wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik, Wassilios E. Fthenakis, Professor an der Freien Universität Bozen, Alfred Wolf, Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin, die Diplom-Psychologin Regula Bott und Rolf Bach befassen sich mit der Stiefeltern- und Verwandtenadoption, der anonymen Entbindung (Babyklappe) und der Adoption in der Lebenspartnerschaft aus rechtlicher und psychologischer Sicht (z.B. Übergang von der Scheidungs- zur Stieffamilie, Entwicklungsaufgaben, Probleme).

Adoptionsverfahren und Verwaltungsrecht

Peter-Christian Kunkel, Professor an der Fachhochschule Kehl, Paulitz, Baer, Bach und Antje Krebs, Assessorin jur. und Diplom-Pädagogin, behandeln in diesem Kapitel Themen wie z.B. die Charakteristika von Verwaltungsverfahren, die Prüfung der Adoptionseignung, das Hilfeplanverfahren und den Datenschutz. Ausführlich wird die Frage diskutiert, ob Pflegekinder, bei denen eine Rückkehr in der Herkunftsfamilie nicht vorgesehen oder nicht (mehr) möglich ist, adoptiert werden sollten. Ferner wird auf die Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter und den Reformbedarf im Adoptionswesen eingegangen. Die Wahrscheinlichkeit von Gesetzesänderungen wird aber als sehr gering beurteilt.

Scheitern von Adoptiv- und Pflegeverhältnissen

Professor Hartmut Kasten, Staatsinstitut für Frühpädagogik, stellt zunächst die Ergebnisse einer Literaturanalyse zum vorgenannten Thema dar, wobei er insbesondere Schutz- und Risikofaktoren herausarbeitet. Er bewertet die vorliegenden empirischen Studien und geht dann auf Fragestellungen ein wie z.B. die Aufgaben der Jugendämter, die Erfahrungen von Adoptiv- und Pflegekindern in Heimen oder die Konsequenzen für die sozialpädagogische Arbeit.

Rechtslage und Verfahrensgang bei Auslandsadoptionen

Wolfgang Weitzel, Leiter der Bundeszentralstelle für Auslandsadoption, Ansgar Marx, Professor an der Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel, Jörg Reinhardt, Leiter der Zentralen Adoptionsstelle für Bayern, und Daniel Radke, Bundeszentralstelle für Auslandsadoption, stellen das Haager Adoptionsübereinkommen (Geschichte, Ziele, Inhalt) und die deutschen Begleitgesetze dar, erläutern den Verfahrensgang einer Auslandsadoption und benennen die beteiligten Institutionen und deren Aufgaben (z.B. Jugendämter, Landesjugendämter, anerkannte Auslandsvermittlungsstellen, ausländische Vermittlungsagenturen, Bundeszentralstelle für Auslandsadoption). Abschließend befassen sie sich mit der Anerkennung und den rechtlichen Wirkungen einer Auslandsadoption.

Vermittlungspraxis bei Auslandsadoptionen und Kinderhandel

Im Schlusskapitel behandeln Bernd Wacker, Terre des Hommes Deutschland e.V., Rolf Bach, Maria Holz, Diplom-Sozialpädagogin in Osnabrück, und Melanie Braun, Diplom-Sozialpädagogin in Hamburg, relativ kritisch die interstaatlichen Adoptionsvermittlungsstellen und deren Arbeit, fokussieren den Kinderhandel und berichten anschließend über die Situation und die Erfahrungen älterer bzw. erwachsener Adoptivkinder, die ihr Herkunftsland besuchen.

Im Anhang des Buches werden die Adressen relevanter Behörden, Verbände und Gruppen aufgelistet. Den Abschluss bildet ein Sachregister.

Fazit

Die zum Teil recht hohe Zahl von Autor/innen bei den einzelnen Kapiteln verdeutlicht, dass hier immer ganz unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt wurden (die Autor/innen zeichneten aber immer nur für Teile des jeweiligen Kapitels verantwortlich; die jeweiligen Namen werden auf jeder Seite in der Fußleiste genannt). Der Herausgeber hat es bei diesem Sammelband erreicht, dass es wirklich zu einer - ansonsten oft nur proklamierten - interdisziplinären Zusammenarbeit kam.

Dem Handbuchcharakter wird dadurch Genüge getan, dass die Kapitel sehr klar untergliedert sind und zusätzlich durch das Sachregister erschlossen werden. Ferner folgt auf jeden, unter einem bestimmten Thema stehenden Abschnitt ein Literaturverzeichnis.

Diesen Sammelband sollten alle Fachkräfte in Adoptionsvermittlungsstellen kennen. Aber auch Adoptionsbewerber, Adoptiveltern, Erziehungsberater und andere Fachleute werden in dem Praxishandbuch viel Wissenswertes finden.


Rezensent
Dr. Martin R. Textor
Institut für Pädagogik und Zukunftsforschung (IPZF)


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Zitiervorschlag
Martin R. Textor. Rezension vom 02.12.2007 zu: Harald Paulitz: Adoption. Positionen, Impulse, Perspektiven. Verlag C.H. Beck (München) 2006. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-406-55218-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5494.php, Datum des Zugriffs 17.11.2018.


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