socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Horst Schaub, Karl G. Zenke: Wörterbuch Pädagogik

Cover Horst Schaub, Karl G. Zenke: Wörterbuch Pädagogik. Deutscher Taschenbuch Verlag (München) 2006. Stark erweiterte und aktualisierte Neu- Auflage. 800 Seiten. ISBN 978-3-423-34346-6. D: 19,50 EUR, A: 20,10 EUR, CH: 33,00 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Einführung

Pädagogik setzt sich als wissenschaftliche Disziplin mit Erziehung und Bildung auseinander. Neben der allgemeinen Pädagogik weist die differenzielle Pädagogik weitere Teildisziplinen wie Erwachsenenpädagogik, Schulpädagogik, Sozialpädagogik und Heil- und Sonderpädagogik auf. In ihrer über 200 Jahre langen Geschichte als Universitätssystem hat die Pädagogik eigene Begrifflichkeiten hervorgebracht. Dabei ergeben sich interdisziplinäre Bezüge insbesondere zu Psychologie, Anthropologie und Soziologie. Auch diese generieren spezifische Begrifflichkeiten, die Relevanz für pädagogische Theorie und Praxis haben.

Entstehungshintergrund und Autoren

Das "Wörterbuch Pädagogik" liegt bereits in sechster Auflage vor. Als neu aufgenommene Inhalte zuvörderst zu nennen sind die in den entsprechenden Einträgen beschriebenen Veränderungen im Bildungswesen, die aktuelle Ergebnisse der Bildungsforschung dargestellten. So sind im Lexikon die Bildungssysteme aller sechzehn deutschen Bundesländer zu finden.

Verfasst wurde das Werk von Dr. Horst Schaub und Dr. Karl G. Zenke. Ersterer ist Professor für Schulpädagogik im Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Göttingen bis 1993 gewesen und war bis zu seiner Emeritierung im Oktober 1999 im Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim tätig. Letzterer war bis 2004 Professor für Pädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Zielgruppe

Neben dem offenkundigen Bezug für das Studium der Pädagogik und die Erzieherinnenausbildung, sind pädagogische Wissensinhalte und Begriffe für diverse weitere Berufsfelder relevant. Vor allem Lehrer, bei denen im Studium entsprechende Themen neben dem Fachlichen häufig zu kurz kommen, sind ebenfalls Zielgruppe für das vorliegende Werk.

Aufbau und Inhalt

Das Vorwort ist ausgesprochen knapp gehalten. Wie bei einem Wörterbuch abzusehen, macht der Stichwortteil den größten Teil des Lexikons aus. Neu für die vorliegende Auflage konzipiert wurde im Anschluss an das Stichwortverzeichnis eine Liste biografischer Artikel verstorbener Personen, die durch verschiedene Leistungen bedeutsame Beiträge für die Pädagogik geliefert haben. Abschließend findet sich eine Liste von Internetadressen Einrichtungen und Informationsdiensten sowie von für die Literatursuche wichtigen Datenbanken und Bibliotheken.

Die Sprache der Erklärungen ist durchweg verständlich, Fachtermini werden nicht durch unnötige andere komplexe Fachtermini erklärt. Grafiken ergänzen die Texte; die Bildungssysteme nicht nur der Bundesländer, sondern auch die vieler Nationen sind so anschaulich dargestellt. Mit Begriffen wie der "Lateinschule" sind auch historische Aspekte der Schulpädagogik abgedeckt. Zentrale Begriffe der allgemeinen Pädagogik wie der von Nohl etablierte Begriff des "pädagogischen Bezugs" sind ausreichend ausführlich erklärt. Wichtige Persönlichkeiten der Reformpädagogik wie Steiner und Montessori finden einen entsprechend ausgearbeiteten Eintrag im Biografie-Teil. Auch zentrale Inhalte der Sozialpädagogik (z.B. "Casework") sind dargestellt. Paul Moor findet sich als wichtiger Vertreter bei den biografischen Artikeln, allerdings erhalten "Geistigbehindertenpädagogik" und - spezieller - der von Wygotskij geprägte Begriff der "Zone der nächsten Entwicklung" keinen Eintrag, wohl aber der Begriff der "Lernbehinderung", der auch gut beschrieben wird. Zu ADS/HKS als in der Heil- und Sonderpädagogik relevante Bezeichnung findet sich kein Beitrag, allerdings wird der Begriff "Hyperaktivität" kurz erklärt. Zu "Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten" lässt sich allerdings wieder ein angemessen elaborierter Beitrag entdecken. Das aktuelle Konzept des "lebenslangen Lernens" aus der Erwachsenenbildung ist mit einem seiner Bedeutung angemessen ausführlichen Eintrag vorhanden. Ohne Eintrag ist der historische Begriff der "Volksbildung".

Interdisziplinäre Bezüge zeigen sich im Bereich der pädagogischen Psychologie durch Einträge bei den biografischen Artikeln bei "Piaget" und "Erikson", wobei bei ersterem auch Auszüge seiner Theorie dargestellt werden. Nicht ausführlich erfasst werden durch das Wörterbuch Bezüge zur Anthropologie (kein Eintrag für "Gehlen"), zur Soziologie (George Herbert Mead, der sicherlich für Sozialisationstheorien relevant ist, ist nicht verzeichnet) und zur Philosophie (Platon und sein Höhlengleichnis finden keine Beachtung). Foucault allerdings, als ausgesprochen bedeutsamer Soziologe und Philosoph, ist berechtigterweise verzeichnet. Ebenso finden sich rechtliche Begriffe wie "Inobhutnahme" und "Ordnungsmaßnahmen".

Insgesamt sind etwa 2000 Einträge verzeichnet.

Ausgewählter Artikel

Exemplarisch sei der Artikel zu "Pädagogik" in seinem Aufbau wiedergegeben:

Nach einer knappen etymologischen Einordnung findet sich der eigentliche Artikel in acht Abschnitte untergliedert. Der erste Abschnitt beschreibt den Aufgabenbereich der Pädagogik. Im zweiten Teil werden die historischen Anfänge der Pädagogik las selbständige Disziplin erläutert, wobei die Auseinandersetzung mit aufklärungsphilosophischen Tendenzen besonderen Raum einnimmt. Im dritten Abschnitt werden geisteswissenschaftliche, normative, phänomenologische und materialistische Pädagogik gegeneinander abgegrenzt. Abschnitt vier beschreibt die kritische Bezugnahme der emanzipatorischen Pädagogik auf die im vorigen Abschnitt beschriebenen Konzeptionen. Abschnitt fünf setzt sich mit dem Einfluss der Empirie auf die Pädagogik auseinander, für die nun die Bezeichnung "Erziehungswissenschaft" häufig präferiert wird. Teil sechs handelt die empirisch-analytische Erziehungswissenschaft ab. Teil sieben beschreibt die aktuelle Lage der Pädagogik in Bezug auf die Praxis, die auch geprägt ist von Widersprüchlichkeiten der diversen Ansätze, die jedoch zunehmend in ihren Grenzen und Möglichkeiten gefasst werden können. Der letzte Abschnitt geht auf die zunehmende Institutionalisierung ein, die mittlerweile alle Altersstufen und verschiedene Problembereiche umfasst.

Fazit

Das Wörterbuch ist sicherlich für Einsteiger geeignet, die eine erste Orientierung suchen, da wesentliche Begriffe erfasst wurden und diese klar verständlich beschrieben sind. Zwar müssen für interdisziplinäre Bezüge oder Fachbegriffe der Teildisziplinen unter Umständen weitere Informationsquellen herangezogen werden, jedoch kann hier eine vollständige Erfassung auch nicht unbedingt von einem Lexikon erwartet werden, das sich allgemein mit Pädagogik befasst. Der exemplarisch beschriebene Artikel zum Begriff "Pädagogik" zeigt somit auch durchaus das Bemühen der Autorem, dem umfangreichen Themenfeld gerecht zu werden

Die Vielschichtigkeit, Komplexität und lange Tradition mit entsprechenden Paradigmenwechseln in der Pädagogik bringt es mit sich, dass zunächst nur ein Überblick gegeben werden kann, der jedoch Möglichkeiten zur weiteren Recherche aufzeigt. Dies geschieht in dem vorliegenden Werk auch explizit durch die Angabe von hilfreichen Internetadressen. Deutlich wird dennoch eine vielleicht überproportional starke Gewichtung der Schulpädagogik, die sicherlich aus der Verortung des einen Autors in dieser Teildisziplin herrührt. Dies muss kein Nachteil sein, macht aber zumindest das Buch besonders für Lehramtsstudierende empfehlenswert.


Rezension von
Dr. Lena Becker
E-Mail Mailformular


Alle 43 Rezensionen von Lena Becker anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Lena Becker. Rezension vom 26.12.2007 zu: Horst Schaub, Karl G. Zenke: Wörterbuch Pädagogik. Deutscher Taschenbuch Verlag (München) 2006. Stark erweiterte und aktualisierte Neu- Auflage. ISBN 978-3-423-34346-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5508.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung