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Angelika Gregor: Was unser Baby sagen will

Cover Angelika Gregor: Was unser Baby sagen will. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. 189 Seiten. ISBN 978-3-497-01927-4. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 29,70 sFr.

Reihe: Kinder sind Kinder, Band 30. Mit einem Geleitwort von Manfred Cierpka.
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Thema

Viele werdende und junge Eltern haben Interesse daran, sich möglichst gut auf ihr Kind einzustellen, sich ihrem Kind gegenüber "richtig" zu verhalten, ihm auf diese Weise möglichst günstige Entwicklungsbedingungen zu schaffen. Ratschläge der eigenen Mütter, Schwiegermütter, Schwestern und Freundinnen werden nicht immer als hilfreich empfunden. Ein umfangreiches Sortiment von Ratgeberliteratur verspricht Hilfe und Orientierung. Allerdings lässt sich der richtige Umgang mit Neugeborenen und Säuglingen schlecht auf einen allgemeinen Nenner bringen, starre Regeln erweisen sich oft als unpassend. Individualität und Flexibilität scheinen aber nicht ohne weiteres in Buchform zu passen.

Der Diplompsychologin Dr. Angelika Gregor ist es in ihrem Buch "Was unser Baby sagen will" gelungen, Eltern das Verstehen der "Sprache" ihres Säuglings zu erleichtern um so mit entsprechender Feinfühligkeit auf seine Signale zu reagieren. Ihr beruflicher Hintergrund als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin sowie ihre Tätigkeit in der Eltern-, Säuglings-, und Kleinkindberatung bieten den entsprechenden Wissens- und Erfahrungshintergrund.

Aufbau

Das Buch besteht aus 2 Hauptteilen:

  1. Teil I. Wie sich ein Kind bis zum Ende des ersten Lebensjahres entwickelt und
  2. Teil II: Das Zusammensein zwischen Eltern und Kind.

Teil I Wie sich ein Kind bis zum Ende des ersten Lebensjahres entwickelt

Hier wird die kindliche Entwicklung von der Intrauterinzeit bis zum Ende des ersten Lebensjahres beschrieben. Bereits während der Schwangerschaft (Kapitel 1), die den Beginn der gemeinsamen Zeit mit dem Kind darstellt, spielen die Lebensbedingungen der Mutter, v.a. ihr psychisches Befinden eine wichtige Rolle für die kindliche vorgeburtliche Entwicklung. Sinnvoll wäre an dieser Stelle ein deutlicher Hinweis auf die Probleme, die Substanzen wie Alkohol, Tabak und Medikamenten auch in geringen Dosierungen für die kindliche Entwicklung bedeuten können.

Im 2. Kapitel stehen vor allem die Folgen der emotionalen Erfahrungen der Kinder und ihre Auswirkungen im weiteren Leben im Mittelpunkt.

Das ausführliche Kapitel 3 Was Neugeborene und Säuglinge bereits können bereitet ein Hauptanliegen der Autorin – die Bedeutung des elterlichen Verständnisses für die kindlichen Signale - vor. Die sich entwickelnde sinnliche Wahrnehmungsfähigkeit des Neugeborenen wird v.a. im Hinblick auf ihre Bedeutung für die im Aufbau befindlichen sozialen Fertigkeiten beschrieben. Die Autorin verfolgt das Ziel, Eltern zu sensibilisieren, die Signale ihres Säuglings richtig zu interpretieren und dabei Über- und Unterforderung zu vermeiden. Besonders gut gelungen sind an dieser Stelle Übungen, in denen das Befinden und die vermuteten Bedürfnisse eines Säuglings an Hand von Bildern eingeschätzt werden sollen. Diese Übungsteile ergänzen den Text äußerst sinnvoll und unterstützen die Zielsetzung, die Kommunikation zwischen Eltern und Säugling zu verbessern. Bedauerlicherweise wurden als Bildmaterial Standbilder von Videosequenzen verwendet, die auf Grund ihrer mangelnden Qualität eine genaue Einschätzung des kindlichen Ausdrucksverhaltens etwas schwer machen. Im Falle einer Neuauflage wäre besseres Bildmaterial dringend zu empfehlen.

Im Kapitel 4 Reifung und Entwicklung innerhalb des ersten Lebensjahres stehen die Fähigkeiten des Säuglings zur Selbstkontrolle und die Entwicklung in den Bereichen Wahrnehmung und Kommunikation im Mittelpunkt. Alle diese Fähigkeiten dienen letztlich dazu, soziale Bindungen zu ermöglichen.

Abschließend wird im Kapitel 5 Das Temperament des Kindes, der Einfluss der individuellen kindlichen Temperamentsausprägung auf die Gestaltung der Eltern-Kind-Beziehung beschrieben. Unterschiedliche Temperamentsausprägungen beanspruchen das elterliche Verhalten unterschiedlich. Sie können je nach Ausprägung das Entstehen einer positiven Eltern-Kind-Beziehung erleichtern oder erschweren.

Teil II: Das Zusammensein zwischen Eltern und Kind

Teil II greift das Thema Das Zusammensein von Eltern und Kind auf. Im Mittelpunkt steht die Frage nach Entstehung, Aufbau und Qualität der frühen Beziehungen. Hier geht es um die Entwicklung der Eltern-Kind-Bindung in Abhängigkeit der elterlichen Feinfühligkeit und dem intuitiven Elternverhalten. Die Qualität der Bindung wird durch die elterlichen Phantasien über das ungeborene Kind, erste gemeinsame vorgeburtliche Erfahrungen und die Erfahrungen der Eltern mit dem Säugling stark beeinflusst. Sie kann letztlich als Folge des gelingenden bzw. misslingenden Austausches von Signalen verstanden werden.

Ergänzend werden die Auswirkungen der Partnerschaftsqualität auf das Kind sowie der Einfluss, den das Kind auf die Qualität der elterlichen Partnerschaft hat, angeführt. Hilfreich und wichtig ist an dieser Stelle der Hinweis auf die nicht selten auftretenden Depressionen der Mütter, die ja ein bedeutendes Entwicklungsrisiko für den Säugling darstellen können.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an werdende und junge Eltern, die sich über Möglichkeiten mit ihrem Kind gut in Kontakt zu kommen informieren möchten. Es trifft den Ton, durch den sich Eltern gut ansprechen lassen, ist wissenschaftlich fundiert ohne durch eine abgehobene Fachsprache zu verschrecken.

Diskussion

Das Buch ist kompakt, knapp und verständlich geschrieben, die Übungsteile erhöhen die Nützlichkeit für die Zielgruppe. Lediglich die Gliederung erscheint nicht immer völlig nachvollziehbar.

Fazit

In dem Buch wird werdenden und jungen Eltern auf wissenschaftlich fundierter Basis gut lesbar die nötige Information an die Hand gegeben, um zu verstehen, wie sich die Beziehung zwischen ihnen und ihrem ungeborenen Kind, dem Neugeborenen und dem Säugling entwickelt, wo sie Einfluss nehmen können und wo sie beeinflusst werden. Das Buch bietet die Möglichkeit, mittels genauer Beschreibungen, Übungen und Bildmaterial Signale des Kindes verstehen zu lernen. Der klare, an die Eltern gewandte Stil sowie die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels erleichtern die Arbeit mit dem Buch.

Das Bildmaterial könnte besser sein und der Aufbau der beiden Teile ist nicht sehr stringent, aber dies schmälert die Nutzbarkeit für Eltern wohl nicht.


Rezension von
Prof. Dr. Klaudia Winkler
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, Fakultät für Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften, Lehrgebiete Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie
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Zitiervorschlag
Klaudia Winkler. Rezension vom 10.05.2008 zu: Angelika Gregor: Was unser Baby sagen will. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2007. ISBN 978-3-497-01927-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5558.php, Datum des Zugriffs 16.09.2021.


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