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Anke Rohde, Almut Dorn: Gynäkologische Psychosomatik und Gynäkopsychiatrie

Rezensiert von Dr. phil. Petra Thorn, 11.05.2008

Cover Anke Rohde, Almut Dorn: Gynäkologische Psychosomatik und Gynäkopsychiatrie ISBN 978-3-7945-2460-0

Anke Rohde, Almut Dorn: Gynäkologische Psychosomatik und Gynäkopsychiatrie. Das Lehrbuch. Schattauer (Stuttgart) 2007. 391 Seiten. ISBN 978-3-7945-2460-0. 69,00 EUR.

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Thema

1997 wurde an der Universitätsfrauenklinik Bonn der Bereich "Gynäkologische Psychosomatik" von Prof. Anke Rohde etabliert. Das Lehrbuch beinhaltet die Erfahrungen und Erkenntnisse, die Prof. Rohde und deren langjährige Mitarbeiterin Dr. Almut Dorn seitdem in den Schnittstellen zwischen Psychosomatik, Gynäkologie, Geburtshilfe, Onkologie, Pränatalmedizin, Endokrinologie, Reproduktionsmedizin und Neonatologie sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich sammeln konnten. Die von den Autorinnen bewusst als pragmatisch, bzw. sogar "kochbuchartige" dargestellte Schreibweise soll dazu beitragen, das Nachschlagen im Einzelfall zu erreichen. Trotz dieser relativ unkomplizierten Darstellung ist das Buch fachlich fundiert und wissenschaftlich anspruchsvoll geschrieben. Damit wird es der Komplexität der einzelnen Themen mehr als gerecht.

Die Autorinnen

Prof. Dr. med. Rohde ist Psychiaterin und Psychotherapeutin. Sie leitet seit 1997 den Funktionsbereich "Gynäkologische Psychosomatik" am Universitätsklinikum Bonn. Dr. phil. Dorn arbeitet als psychologische Psychotherapeutin. Sie war von Anbeginn Mitarbeiterin des o.a. Funktionsbereichs und arbeitet seit 2007 im medizinischen Versorgungszentrum Endokrinologikum in Hamburg, um dort den Bereich der Gynäkologischen Psychosomatik aufzubauen.

Überblick und Aufbau

Das Lehrbuch gibt einen aktuellen und umfassenden Überblick über die spezifischen Fragestellungen zwischen Gynäkologie einerseits und Psychiatrie und Psychosomatik andererseits. In sechs Abschnitte werden Hintergründe, Interventionsmöglichkeiten, Problembereiche, psychiatrische Störungsbilder, arztzentrierte und juristische Aspekte ausführlich beschrieben. Viele Abschnitte und Kapitel verfügen über hilfreiche Zusammenfassungen, Tabellen und grafische Darstellungen, die den Text unterstützen. Die Abschnitte 2 – 6 beginnen darüber hinaus mit einer Übersicht und enden mit weiterführenden Literaturangaben und Internetlinks. Ein Glossar erläutert sämtliche Fachbegriffe.

Inhalt

  1. Im ersten Abschnitt werden das Ziel des Buches vorgestellt, eine Begriffsbestimmung vorgenommen und geschichtliche Hintergründe beleuchtet. Unterschiedliche Arbeitsmodelle von Frauenkliniken mit einer ausführlichen Darstellung der Bonner Vorgehensweise werden erläutert und es werden die Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Stellen beschrieben. Im Abschluss werden Ausbildungswege aufgezeichnet und die Unterschiede zwischen Psychologen, Psychosomatiker, Psychiater und Psychotherapeuten erklärt.
  2. Der zweite Abschnitt beschreibt die Vorgehensweise bei Befunderhebung. Umfassend und übersichtlich wird die Vorgehensweise bei der Erhebung eines psychopathologischen Befund, einer psychiatrischen Anamnese, der Erfassung des psychosozialen Hintergrunds und einer Sexualanamnese geschildert und mit Beispielen belegt. Darauf aufbauend werden Techniken und Inhalte der Gesprächsführung vorgestellt. Besonders hilfreich sind hier die zahlreichen Beispiele, die direkt für Gesprächstechniken mit Klienten übernommen werden können. Auf die Gesprächsführung bei der Mitteilung schwieriger Befunde und in außergewöhnlichen Situationen wird besonders eingegangen. Für ersteres wird von den Autorinnen an mehreren Stellen im Buch das sog. "SPIKES" Modell vorgeschlagen, welches Schritt für Schritt die konkrete Vorgehensweise in solchen Gespräche erläutert. Die besonderen Gesprächssituationen sind sehr weit gefasst. Sie beschreiben verbale Interventionen und weitere Vorgehensweisen wie beispielsweise Vermittlungsmöglichkeiten an spezialisierte Beratungsstellen für suizidale über vergewaltigte Patientinnen bis hin zu Patientinnen in einer Palliativsituation. Die einzelnen Psychotherapieverfahren werden unter den Überbegriffen Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Psychotherapie, analytische und interpersonelle Therapie, Trauma- und Gesprächspsychotherapie, systemische Therapie, Sexualtherapie, Hypnotherapie, Entspannungsverfahren und Schmerztherapie vorgestellt, hier wird auch auf Abrechnungsmöglichkeiten eingegangen. Dem Einsatz von Psychopharmaka ist das nächste Kapitel gewidmet. Die Wirkprofile von Tranquelizern, Antidepressiva, Neuroleptika und Affektstabilisatoren werden erklärt und in einem separaten Abschnitt wird erläutert, worauf beim Einsatz im gynäkologischen Bereich besonders geachtet werden muss.
  3. Gynäkologische Problembereiche mit ihren wichtigsten psychosomatischen Bezügen, ihrer Häufigkeit und klinische Relevanz werden im dritten Abschnitt dargestellt. Hierzu gehören u.a. psychische Aspekte des Menstruationszyklus, Kontrazeption, Sterilität und Kinderwunsch, Pränataldiagnostik, Geschlechtsidentität, Onkologie und plastische Chirurgie. Alle Bereiche werden theoretisch beleuchtet, das Problemfeld wird anhand typischer Fallbeispiele verständlich gemacht und es werden die medizinisch-medikamentöse und psychotherapeutische Versorgungsmöglichkeiten dargestellt. Auch heikle Themen wie die Reduktion von Mehrlingen nach reproduktionsmedizinischen Eingriffen werden nicht ausgespart, sondern differenziert mit allen Dilemmata analysiert. Vor allem dieser Teil ist durch die vielen Fallbeispiele und die rosa unterlegten Zusammenfassungen, bzw. Hinweise trotz fundierter Hintergrundinformationen und Fachterminologie anschaulich und zugänglich geschrieben.
  4. Die psychischen Störungsbilder werden im Anschluss übersichtlich und in der Reihenfolge ihrer Relevanz für die Gynäkologie und Geburtshilfe mit entsprechenden ICD-10 Diagnosekriterien dargestellt. Hierzu gehören Anpassungsstörungen wie akute Belastungsreaktionen und depressive Reaktionen, Angsterkrankungen wie Phobien und Panikstörungen, Zwangsstörungen, psychotische Störungen, Störungen im sexuellen Bereich, Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen wie Paranoia und Schizophrenie, hirnorganische Störungen wie Demenzerkrankungen sowie Intelligenzminderungen. Im zweiten Teil dieses Abschnitts werden in alphabetischer Reiheinfolge Symptome beschrieben und Hinweise gegeben, auf welche Störungsbilder diese hinweisen können.
  5. Im vorletzten Abschnitt werden unter dem Titel "Arztzentrierte Aspekte" vor allem Hinweise für die Psychohygiene im medizinischen Kontext gegeben. Es werden Zahlen und Fakten zum Burn-out-Syndrom und zu Depression, Sucht, Suizidalität vorgestellt und die Vorgehensweise von Balint-Gruppen, Supervision und Zeitmanagementstrategien erläutert. Für helfende Berufe typische Herausforderungen wie die Wahrung von Nähe und Distanz, der Umgang mit Kritik und Fehlern und Teamkommunikation gibt das Lehrbuch konstruktive Hinweise.
  6. Der letzte Abschnitt fasst Gesetze zusammen, die im gynäkologischen, psychosomatischen, psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich relevant sind. Diese umfassen u.a. das Schwangerschaftskonfliktgesetz, das Unterbringung- und Betreuungssrecht und Patientenverfügungen. Darüber hinaus werden Grenzüberschreitungen im Artz-Patientinnen-Kontakt thematisiert und es wird das das Thema "Liebeswahn/Stalking" eingegangen.

Zielgruppen

Das Lehrbuch ist für medizinische und psychotherapeutische sowie psychiatrische Fachkräfte gleichermaßen relevant. Darüber hinaus ist es m. E. auch für psychosoziale Fachkräfte hilfreich, die im weitesten Sinne mit gynäkologischen Themenstellungen arbeiten.

Fazit

Das Lehrbuch bietet eine hervorragende Darstellung aller relevanten Themen im Bereich der gynäkologischen Psychosomatik und Gynäkopsychiatrie. Es ist fachlich fundiert, dennoch sehr verständlich geschrieben. Auch wenn es explizit als Lehrbuch veröffentlich wurde, ist es im therapeutischen Alltag gut als Nachschlagwerk einsetzbar.

Rezension von
Dr. phil. Petra Thorn
Dipl. Sozialarbeiterin,Dipl. Sozialtherapeutin.
Tätig in eigener Praxis für Paar- und Familientherapie; Arbeitsschwerpunkte: Beratung bei unerfülltem Kinderwunsch, Familienbildung mit Spendersamen
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Es gibt 12 Rezensionen von Petra Thorn.

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Zitiervorschlag
Petra Thorn. Rezension vom 11.05.2008 zu: Anke Rohde, Almut Dorn: Gynäkologische Psychosomatik und Gynäkopsychiatrie. Das Lehrbuch. Schattauer (Stuttgart) 2007. ISBN 978-3-7945-2460-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5595.php, Datum des Zugriffs 14.04.2024.


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