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Michael Schemmann: Internationale Weiterbildungspolitik und Globalisierung

Cover Michael Schemmann: Internationale Weiterbildungspolitik und Globalisierung. Orientierungen und Aktivitäten von OECD, EU, UNESCO und Weltbank. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2007. 264 Seiten. ISBN 978-3-7639-1941-3. 26,90 EUR, CH: 45,50 sFr.

Reihe: Theorie und Praxis der Erwachsenenbildung.
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Thema

Das Konzept des lebenslangen Lernens ist in dem pädagogischen Bereich der Erwachsenenbildung in aller Munde. Ebenso ist die Annahme von für die Moderne prägenden Globalisierungsprozessen weithin populär. Obwohl Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen aktuellen Konzepten zur Weiterbildung und Globalisierungsprozessen daher als Untersuchungsgegenstand für Forschungen im pädagogischen Bereich in den Blickpunkt rücken müssten, liegen hier jedoch kaum Publikationen vor. Somit wird im vorliegendem Buch ein Feld bearbeitet, welches trotz seiner Relevanz bisher kaum systematisch betrachtet wurde und daher von besonderem Interesse ist.

Autor

Michael Schemmann wurde 1970 geboren und vertritt seit dem WS 2006/2007 die Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Weiterbildung an der Justus-Liebig-Universität Giessen. Seine Forschungsinteressen liegen insbesondere bei Institutionen, Struktur- und Organisationsentwicklung in der Weiterbildung, bei internationaler und vergleichender Weiterbildungsforschung sowie bei aktiver Staatsbürgerschaft und Weiterbildung.

Aufbau und Inhalt

Das Buch beinhaltet acht Kapitel, denen Vorbemerkungen von Rudolf Tippelt vorausgehen. Im Anschluss an die Kapitel finden sich neben den Literaturangaben zudem ein Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen, der Übersichten und Tabellen und eine kurze Information zum Autor.

  1. Kapitel 1 stellt die Einleitung dar. Hier wird zunächst konstatiert, dass die erziehungswissenschaftliche Befassung mit Globalisierung eher bescheiden ausfällt, die Debatte in der Erwachsenenpädagogik jedoch als noch dürftiger zu kennzeichnen ist. Um an dieser Stelle eine Lücke zu schließen, sollen, wie im folgenden dargelegt, zunächst Globalisierungstheorien erörtert werden, um im Anschluss inter- und supranationale als Akteure hinsichtlich ihrer sich in Dokumenten widerspiegelnden politischen Positionen und ihrer Aktivitäten vor allem zur Bildung und speziell zur Erwachsenenbildung in den Blick zu nehmen.
  2. Kapitel 2 befasst sich mit Globalisierung als Kontext zeitgenössischer Bildungsforschung. Zunächst werden wesentliche Aspekte der als richtungsweisend betrachteten Theorie von Anthony Giddens und die Anknüpfung durch Malcolm Waters in den Blick genommen. Als weitere Theorien werden Auffassungen von Kenichi Ohmae, Robert B. Reich und Zygmunt Baumann vorgestellt. Die weiterhin dargelegten Theorien von David Held und James N.Rosenau verweisen auf die Bedeutung inter- und supranationaler Organisationen für Globalisierungsprozesse und legitimieren somit das weitere Vorgehen des Autors. Es folgt die Darstellung der Klassifizierung der Theorieansätze der international vergleichenden Bildungsforschung in die neo-marxistische, die neo-institutionalistische Sicht und den Ansatz der Pfadabhägigkeit.
  3. Kapitel 3 beschäftigt sich mit der Organisation for Economic Co-operation and development (OECD). Nach einer Darstellung der Entwicklung, der strukturellen Bedingungen und Konstellation der einzelnen Organe sowie der allgemeinen Aufgaben werden die strukturellen Bedingungen des Bildungsbereiches gesondert in den Blick genommen. Anhand von Dokumenten werden die weiterbildungspolitischen Orientierungen und Positionen in den 1990er Jahren analysiert und schließlich entsprechende Aktivitäten und Handlungsstrategien in den Blick genommen. Die zusammenfassende Betrachtung fragt insbesondere nach möglichen Auswirkungen der Arbeit der OECD.
  4. Kapitel 4, welches sich mit der Europäischen Union (EU) auseinandersetzt, ist ganz analog aufgebaut. Auch hier ist es Zweck einer Analyse der (weiter-) bildungspolitischen Position und der entsprechenden Aktivitäten und Handlungsstrategien, Folgen des Wirkens der Organisation auszumachen.
  5. Kapitel 5 beschäftigt sich mit der Weltbankgruppe. Auch hier werden die bildungspolitischen Orientierungen und Positionen ausgemacht, indem die Kreditvergabe sowie Politikdokumente der Organisation analysiert werden. Für die Betrachtung von Aktivitäten und Handlungsstrategien ist die Kreditvergabe wesentlicher Bezugspunkt. Als interne Einrichtungen werden das Education Knowledge Management und das angegliederte World Bank Institute beschrieben und ihre Möglichkeiten der Einflussnahme herausgearbeitet. Zusammenfassend wird die Kreditvergabe als folgenreiches und mächtiges Instrument der Organisation hervorgehoben, wohingegen die Folgen der Aktivitäten des Education Knowlegde Management und World Bank Institute als schwieriger abzuschätzen gesehen werden.
  6. Kapitel 6 schließlich stellt die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation (UNESCO) in ebenfalls weitestgehend analoger Gliederung dar. Neben der Fokussierung des Konzeptes des lebenslangen Lernens ist hier die Rolle der Verpflichtungen gegenüber den Grundprinzipien der UNESCO und den Vereinten Nationen nicht außer Acht zu lassen.
  7. Kapitel 7 schließlich liefert eine vergleichende Analyse der Befunde. Als zentrale Konvergenz wird die Zentrierung der Positionen der Organisationen auf das Konzept des lebenslangen Lernens sowie das utilitaristische Verständnis von Bildung herausgestellt. Dabei kommt der Humankaptial-Ansatz in der bildungspolitischen Orientierung der Weltbank besonders deutlich zum Ausdruck, während hingegen die UNESCO sich durch ausdrückliche Betonung der Friedensdimension, die die Organisation als "Filter" den weltweiten Diskurs in spezieller Weise wahrnehmen lässt, hier am ehesten in idiosynkratischer Weise von sonstigen Konvergenzen abhebt. Gemeinsamkeiten aller dargestellten Organisationen untereinander überwiegen jedoch. Im Bereich der Aktivitäten sind hier eine Stärkung der Bedeutung von Erwachsenenbildung und die Zunahme von indikatorisierten Bildungsberichterstattungen zu nennen. Finanzielle Mittel, Formen von peer-pressure, Beratung und Symbolik sind die wesentlichen Möglichkeiten der Einflussnahme der  inter- und supranationalen Organisationen auch auf den im Zentrum stehenden Bereich der Weiterbildung.
  8. Kapitel 8 liefert die Schlussbemerkungen des Autors. Neben der erneuten Herausstellung einiger Ergebnisse der Arbeit und einer Bezugnahme auf die anfangs dargestellten Globalisierungstheorien werden hier vor allem Forschungsdesiderata formuliert.

Fazit

Das vorliegende Werk nimmt zwar in erster Linie Bezug auf die Relevanz von Globalisierungsprozessen in Hinblick auf Auswirkungen auf den Bereich der Weiterbildung, aufgrund der gewählten Methode einer Analyse von bildungspolitisch aktiven Organisationen ist es hier jedoch auch von allgemeinerem Interesse. Zudem ist das Konzept des lebenslangen Lernens so stark präsent, dass ein Blick aus der Makroebene gleichfalls nicht schaden kann. Die Schreibweise des Autors ist verständlich und vermittelt neben speziellen Erkenntnissen auch Grundlegenderes. Übersichten und Tabellen erleichtern zudem den Zugang beispielsweise zum Verständnis der Anwendung von Benchmarks durch die EU. Alles in allem liegt hier ein fundiertes Werk vor, dass es vermag, sich in adäquater Weise an einen bisher vernachlässigten Forschungsgegenstand heranzutasten.


Rezension von
Dr. Lena Becker
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Zitiervorschlag
Lena Becker. Rezension vom 11.01.2008 zu: Michael Schemmann: Internationale Weiterbildungspolitik und Globalisierung. Orientierungen und Aktivitäten von OECD, EU, UNESCO und Weltbank. W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG (Bielefeld) 2007. ISBN 978-3-7639-1941-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5602.php, Datum des Zugriffs 12.07.2020.


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