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Waltraud Kokot, Martin Gruber: Betroffene von Räumungsklagen und [...]

Cover Waltraud Kokot, Martin Gruber: Betroffene von Räumungsklagen und Verbleib von Zwangsgeräumten. Eine ethnologische Untersuchung zu Lebenssituation und Verbleibsalternativen. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2007. 55 Seiten. ISBN 978-3-8258-0298-1.

Reihe: Lines - Band 3.
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Thema

Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit der Frage, welche Gründe dazu führen, dass bei Betroffenen von Räumungsklagen eine Zwangsräumung nicht vermieden werden kann. Es befasst sich aus ethnologischer Sicht mit der Lebenssituation dieser Betroffenen und ihrem Verbleib nach der Zwangsräumung.

Entstehungshintergrund

Im Jahr 2005 wurde von einem Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft eine ethnographische Untersuchung in Auftrag gegeben, um zu klären, durch welche Umstände Personen mit einer Räumungsklage und in der Folge eventuell mit einer Zwangsräumung konfrontiert werden, wie sie sich in dieser Situation verhalten und vor allem warum die sozialen Hilfsangebote eine Zwangsräumung nicht verhindern. Ziel war es auch, zur Vermeidung von Wohnungsverlusten und Obdachlosigkeit Empfehlungen für die Sozialarbeit und Politik zu erarbeiten.

Diese Untersuchung wurde von Dezember 2005 bis Juli 2006 in Hamburg durchgeführt und ihre Ergebnisse werden im vorliegenden Buch dargestellt. Es wurden 25 Interviews bzw. Gespräche mit Betroffenen und weitere Gespräche mit Experten geführt und einige Räumungen beobachtet.

Aufbau und Inhalt

Nach einer kurzen Einleitung, welche Vorgeschichte, Fragestellung, Forschungsmethode und Aufbau des Buches erklärt, wird das Protokoll einer Räumung, die beobachtet wurde, vorgestellt und im Anschluss werden einige Zahlen zu Räumungsklagen und Zwangsräumungen, sowie auch zu Obdachlosigkeit in Hamburg präsentiert.

Das folgende Kapitel beschäftigt sich sowohl mit strukturellen und administrativen als auch mit persönlichen Faktoren, die Ursachen für Räumungsklagen und Zwangsräumungen darstellen können. Unter erstere fallen Probleme mit Behörden und Vermietern, sowie Probleme im Zusammenhang mit den Hartz-IV-Gesetzen. Als persönliche Faktoren werden der soziale Hintergrund, psychische Probleme, Suchterkrankungen und Schulden thematisiert.

Anschließend wird die juristische Perspektive, vor allem der rechtliche Rahmen und der Mieterschutz erklärt und das soziale Hilfesystem in Hamburg, welches seit Juli 2005 grundlegend umgestaltet wurde und dessen Umstellungsphase zum Untersuchungszeitpunkt noch nicht zur Gänze abgeschlossen war, vorgestellt.

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wann das Hilfesystem nicht greift. Hier wird vor allem zwischen zwei Gruppen unterschieden, nämlich einer bei der eine Kontaktaufnahme gelingt, aber keine ausreichende Hilfe möglich wird und einer zu welcher der Kontakt gar nicht oder erst zu spät gelingt.

Als Nächstes kommt der tiefe Einschnitt zur Sprache, den die Zwangsräumung für die Betroffenen bedeutet. Es wird aufgezeigt, wo betroffene Personen danach eine Unterkunft finden. Auch einige Fälle werden mit ihren individuellen Problemen exemplarisch geschildert.

In einem abschließenden Fazit werden Lösungsansätze bzw. Empfehlungen für die Politik vorgestellt, die helfen könnten, Wohnungsverlust und Obdachlosigkeit zu verringern.

Diskussion

Das Buch bietet einen guten Einblick in das Thema Räumungsklagen und Zwangsräumungen. Sowohl die Situation der Betroffenen als auch der juristische Hintergrund und der Aufbau des sozialen Hilfesystems werden kurz und verständlich dargestellt.

Interessant ist der Blick sowohl auf die persönlichen als auch auf die strukturell bedingten Faktoren, welche Ursachen für die Räumungsklagen bzw. Zwangsräumungen sein können und die sich daraus ergebenden Empfehlungen.

Für einen Leser, der mit der Hamburger Situation nicht vertraut ist, wäre eine Liste der verwendeten Abkürzungen hilfreich.

Einige Inhalte wären für den Leser noch besser verständlich, wenn eine kurze Erklärung über die genauen Voraussetzungen der deutschen Sozialleistungen (SGB-Leistungen, ALG-Leistungen, Hartz-IV) geboten würde.

Fazit

Das vorliegende Buch gibt einen guten, kurz und verständlich formulierten Einblick in das Thema und in die Hamburger Situation. Die Autoren stellen einerseits gut dar, was Räumungsklagen und Zwangsräumungen für die Betroffenen bedeuten und welche individuellen und strukturellen Faktoren diese auslösen können. Da sie andererseits auch Ansatzmöglichkeiten aufzeigen, wie die Zahl der Wohnungsverluste reduziert werden könnte, gelingt es gut den informativen Einblick abzurunden.


Rezensentin
Mag.a(FH) Barbara Rader
Sozialarbeiterin in einem Übergangswohnhaus für wohnungslose Männer in Wien und nebenberufliche Lehrbeauftragte am Fachhochschulstudiengang Sozialarbeit der FH St. Pölten (Handlungsfeld Wohnungslosenhilfe)


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Zitiervorschlag
Barbara Rader. Rezension vom 04.02.2009 zu: Waltraud Kokot, Martin Gruber: Betroffene von Räumungsklagen und Verbleib von Zwangsgeräumten. Eine ethnologische Untersuchung zu Lebenssituation und Verbleibsalternativen. Lit Verlag (Berlin, Münster, Wien, Zürich, London) 2007. ISBN 978-3-8258-0298-1. Reihe: Lines - Band 3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5613.php, Datum des Zugriffs 22.10.2017.


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