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Hanne Schaffer: Empirische Sozialforschung für die Soziale Arbeit

Cover Hanne Schaffer: Empirische Sozialforschung für die Soziale Arbeit. Eine Einführung. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2009. 2., Auflage. 176 Seiten. ISBN 978-3-7841-1877-2. 14,00 EUR, CH: 25,90 sFr.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-7841-2417-9 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thema

In der Praxis der Sozialen Arbeit ist der Einsatz von empirischen Methoden und Techniken der Erhebung, Darstellung und Interpretation von Daten notwendig und in vielen Feldern bereits selbstverständlich geworden. PraktikerInnen der Sozialen Arbeit beschäftigen sich dabei mit spezifischen Forschungsfragen und bestimmten erkenntnistheoretischen Perspektiven. Hanne Schaffers Buch vermittelt Kenntnisse methodischer Zugangsweisen, Forschungsinstrumente und -designs, die Voraussetzung für den Nachvollzug forschungslogischer Abläufe sind. Dabei lautet das Leitmotiv der Autorin: „How to do it“ (S. 7).

Autorin

Hanne Schaffer ist Professorin für Soziologie an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München im Fachbereich „Soziale Arbeit“ mit den Themenschwerpunkten „Genderperspektiven und Soziale Arbeit“ und „Empirische Methoden der Sozialforschung“.

Entstehungshintergrund

Empirische Sozialforschung für die Soziale Arbeit. Eine Einführung ist 2002 erstmals erschienen und wurde in der der Besprechung zu Grunde liegenden zweiten Auflage aktualisiert und ergänzt. Wie in der ersten Auflage verfolgt Hanne Schaffer die Absicht, eine leicht verständliche Einführung in die Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung zu geben. Dabei bietet Schaffer einen Überblick über die Einsatzbreite von Sozialforschung im Allgemeinen und im Kontext Sozialer Arbeit im Besonderen.

Aufbau …

Einführend werden der aktuelle Stellenwert von Sozialforschung und die soziologische Perspektive auf empirische Forschung erläutert. Darauf folgt eine exemplarische Darstellung der Anfänge der Sozialforschung sowie deren Reflexion in Bezug auf den heutigen Anspruch. Daran schließen Überlegungen zur Wahl von Untersuchungsdesigns an, gefolgt von einem ausführlichen Überblick über verschiedene Untersuchungsmethoden. Den Abschluss bildet ein Kapitel zur Durchführung einer empirischen Untersuchung, das die einzelnen Schritte von der Stichprobenwahl über die Feldphase bis zur Auswertungsphase beschreibt.

… und Inhalte

Die Einleitung grenzt Alltagswissen gegenüber wissenschaftlichem Wissen ab und benennt wichtige Grundbegriffe und -gedanken sowie Probleme der Sozialforschung. Die darauf folgende Darstellung einiger Pionierarbeiten – darunter Max Webers Metallarbeiterstudie und Paul Lazarsfelds Marienthalstudie – reflektiert kritisch die Methodenvielfalt empirischer Sozialforschung. Daraufhin werden aktuelle Forschungszusammenhänge (Anwendungs-/Grundlagenforschung) benannt und in Verbindung mit qualitativen und quantitativen Vorgehensweisen gebracht.

Der daran anschließende Abschnitt zur Wahl des Untersuchungsdesigns umfasst unter anderem Ausführungen zu Quer- und Längsschnittstudien, Experimenten, explorativen Studien, Feldforschung, Aktionsforschung, Frauenforschung und Evaluationsstudien.

Die Wahl der Untersuchungsmethoden wird im folgenden, umfangreichsten Kapitel des Buches erklärt. Es untergliedert sich in direkte und indirekte Beobachtungsmethoden. Bei der indirekten Beobachtung liegt ein Schwerpunkt auf der quantitativen Orientierung, die bei voll- bzw. teilstandardisierten Befragungen gegeben ist und anhand konkreter Hinweise zur Fragebogenkonstruktion differenziert betrachtet wird. Einen zweiten Schwerpunkt stellt die qualitative Orientierung dar, die am Beispiel qualitativer Interviews ausgeführt wird. Den Abschluss des Kapitels bildet eine Anleitung zu verschiedenen Analysemethoden, sowohl für quantitativ als auch qualitativ erhobenes Material – von der Entwicklung eines Kategoriensystems über den Codiervorgang bis zur Inhaltsanalyse.

Das letzte Kapitel widmet sich der Durchführung einer empirischen Untersuchung, ausgehend von der Formulierung der Forschungsfrage, der darauf bezogenen Abstimmung von Untersuchungsdesign und -methode, sowie den Bedingungen der Stichprobenziehung, der anschließenden Feldphase und der Auswertungsphase. Letztere wird detailliert beschrieben, indem statistische Grundbegriffe eingeführt und an Beispielen illustriert werden (z.B. bezüglich Skalenniveaus, deskriptiver Statistik, Standardabweichung, Korrelation, etc.).

Diskussion

Die Professionalisierung Sozialer Arbeit entwickelt sich ständig fort, und empirische Daten gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Statistiken über die Effektivität oder die Wirksamkeit der Sozialen Arbeit fließen nicht zuletzt in politische Entscheidungsprozesse ein, die über die gesellschaftliche Positionierung der Sozialen Arbeit entscheiden. Daher besteht die Notwendigkeit, dass Studierende und PraktikerInnen der Sozialen Arbeit in der Lage sind, selbstständig empirische Datenerhebungen zu leisten. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, bietet Hanne Schaffers Buch einen verständlichen, anwendungsorientierten Einstieg in die Thematik. Besonders durch die anschauliche, oft originelle Wahl der Beispiele gelingt Schaffer eine leicht zugängliche Einführung in die Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung. Gegenüber der ersten Auflage wurden in der aktuellen Version zusätzlich graphisch hervorgehobene Begriffsdefinitionen hinzugefügt, die das Wesentliche zusammenfassen.

Kritisch anzumerken bleibt, dass das Literaturverzeichnis von 2002 weitgehend unverändert übernommen wurde, ergänzt um nur zwei neuere Titel. Wünschenswert wäre auch, das Buch nicht mit der Beschreibung der Auswertungsphase enden zu lassen. M. E. wäre ein zusätzliches Kapitel zur Darstellung, weiterführenden Interpretation und Theoriebildung auf der Grundlage von Forschungsergebnissen angebracht, das z.B. das Verfassen von Berichten, Stellungnahmen o.ä. aufgreift, um Schaffers Leitmotiv „How to do it“ konsequent zu Ende zu verfolgen.

Fazit

Hanne Schaffers Buch hilft PraktikerInnen und Studierenden der Sozialen Arbeit bei der Planung und Umsetzung einer eigenständigen empirischen Untersuchung. Es empfiehlt sich auch als Lehrbuch/Basisliteratur in Veranstaltungen zu empirischen Methoden oder Forschungsprojekten.


Rezensentin
Prof. Dr. Karin E. Sauer
Leiterin des Studiengangs Soziale Arbeit - Menschen mit Behinderung DHBW VS, Wissenschaftliche Leiterin des Masterstudiengangs Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft CAS DHBW
Homepage www.dhbw-vs.de
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Zitiervorschlag
Karin E. Sauer. Rezension vom 25.09.2009 zu: Hanne Schaffer: Empirische Sozialforschung für die Soziale Arbeit. Eine Einführung. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2009. 2., Auflage. ISBN 978-3-7841-1877-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/564.php, Datum des Zugriffs 19.11.2019.


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