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Rüdiger Retzlaff: Spiel-Räume (Kinderpsychotherapie)

Cover Rüdiger Retzlaff: Spiel-Räume. Lehrbuch der systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. 431 Seiten. ISBN 978-3-608-94158-6. 34,00 EUR, CH: 57,00 sFr.
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Thema

Das Buch vermittelt gleichermaßen einen theorie- wie auch praxisbezogenen Leitfaden für die Konzeptionierung und Durchführung systemischer Therapien.

Autor

Dr. sc. hum. Dipl.-Psychologe Rüdiger Retzlaff ist Leiter der Ambulanz für Paar- und Familientherapie der Universitätsklinik Heidelberg und Lehrtherapeut am Helm-Stierlin-Institut in Heidelberg.

Aufbau und Inhalt

Das Lehrbuch gliedert sich in fünf Teile:

  1. Einleitung
  2. Der Aufbau einer systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen
  3. Sprach- und handlungsorientierte Interventionen
  4. Analoge Interventionen
  5. Weitere Interventionen.

Jedem dieser Teile ist eine kurze Einführung voran gestellt. Der Aufbau des Lehrbuchs ist sehr gut strukturiert und führt den Leser wie von A bis Z durch eine systemische Therapie mit Kindern und Jugendlichen. Bereits in der Einleitung zeigt Retzlaff auf, dass er von einem weit gefassten systemischen Verständnis ausgeht, welches nicht durch schulen- oder ideolologiebegründete Einschränkungen verkürzt ist. Von daher ist es ihm möglich, aus der großen Fülle systemischer Erfahrungen all das aufzugreifen, was Kinder, Jugendliche und Eltern unterstützen kann, ihre Probleme erfolgreich anzugehen.

Der zweite Teil – Der Aufbau eines therapeutischen Systems – fokussiert auf das Erstgespräch, die Besonderheit in der Arbeit mit Jugendlichen sowie auf das Verhältnis von Diagnostik und systemischer Therapie.

Im dritten Teil – Sprach- und Handlungsorientierte Interventionen – stellt Retzlaff einen ersten Teil eines systemischen Werkzeugkoffers vor. Dies beginnt mit hilfreichen Hinweisen zum Informations- und Abklärungsgespräch, geht über zu grundlegenden Fragen von Erziehungsberatung (die der Autor "Organisationsberatung" nennt; S. 140 ff.), umfasst paradoxe ebenso wie lösungsorientierte Interventionen sowie narrative Techniken.

In einem vierten Teil – Analoge Interventionen – zeigt Retzlaff gekonnt auf, dass es in einer Begegnung in Beratung und Therapie mehr gibt als nur das Gespräch. Gestaltungstechniken, Arbeit mit Handpuppen, Rollenspieltechniken und Skulpturarbeit werden kurz und verständlich dargestellt und bieten vielfache Anregungen.

Im fünften und letzten Teil – Weitere Interventionen – orientiert der Autor auf Bewegungs- und körperorientierte Interventionen, auf neuere Methoden wie der Videoberatung nach der Marte Meo-Methode sowie modernen Formen des Elterncoachings.

Diskussion

Erfreulich an diesem Buch ist, dass hier ein ausgewiesener Praktiker vor dem Hintergrund eines profunden theoretischen Wissens seinen "Schatzkasten" öffnet, um andere Menschen daran teilhaben zu lassen. Die einzelnen Etappen einer Therapie mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern – beispielsweise das wichtige Erstgespräch – werden sehr detailliert dargestellt, mit kurzen Fallbeispielen veranschaulicht und durch konkrete Handreichungen wie Empfehlungen zu Haltung, zum Ablauf oder Sets konkreter Fragen ergänzt. Retzlaff bezieht sich im Titel seines Buchs nur auf Kinder und Jugendliche. Da seine systemische Position aber konsequenterweise die jeweiligen Eltern für die Therapie mit einschließt, kann dieses Lehrbuch auch allen Personen nutzen, die sich für eine praxisbezogene Information hinsichtlich einer systemischen Familientherapie interessieren. Es kann gleichermaßen auch als grundlegende Einführung oder aber auch als systemisches Nachschlagewerk genutzt werden. Nahezu alle systemischen Interventionsmöglichkeiten werden verständlich dargestellt, dann auf konkrete Sitzungen bezogen, so dass sie wie eine konkrete Handlungsanregung gelesen werden können. Eine umfassende Literaturliste sowie ein Personen- und Sachregister erleichtern die Navigation im Buch.

Es ist ein hervorragendes Buch, welches im Bücherregal von Menschen, die systemisch mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern arbeiten, auf keinen Fall fehlen sollte. Darüber hinaus wäre zu wünschen, dass es in allen Hochschulbibliotheken präsent ist.

Zielgruppen

Fachkräfte, die mit Kinder und Jugendlichen arbeiten oder sich diesbezüglich qualifizieren möchten. Studierende der Studiengänge Soziale Arbeit, Pädagogik und Psychologie.

Fazit

Es ist ein hervorragendes Buch, welches im Bücherregal von Menschen, die systemisch mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern arbeiten, auf keinen Fall fehlen sollte. Darüber hinaus wäre zu wünschen, dass es in allen Hochschulbibliotheken präsent ist.


Rezension von
Prof. i.R. Dr. Peter Bünder
Vormals Hochschule - University of Applied Sciences - Düsseldorf, Lehrgebiet Erziehungswissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage www.systemische-praxis-bruehl.de
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Zitiervorschlag
Peter Bünder. Rezension vom 06.10.2008 zu: Rüdiger Retzlaff: Spiel-Räume. Lehrbuch der systemischen Therapie mit Kindern und Jugendlichen. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. ISBN 978-3-608-94158-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5651.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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