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Alexander Redlich: Konfliktmoderation in Gruppen (Lernprogramm)

Rezensiert von Dipl. Päd. Martin Zauner, 26.08.2008

Alexander Redlich: Konfliktmoderation in Gruppen. Ein computergestütztes Lernprogramm zur Vermittlung grundlegender Kompetenzen in der Konfliktmoderation. Hamburg University Press Verlag der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Hamburg) 2007. 77 Seiten. ISBN 978-3-939945-06-2. 120,00 EUR.
CD-ROM + Buch. Praxisreihe Moderation und Beratung. Systemvoraussetzungen: Pentium IV Prozessor mit 1,5 GHz; 512 MB RAM Arbeitsspeicher, mind. 1 GB freier Festplattenspeicher; Monitorauflösung: 1024 x 768 Pixel, 32768 Farben, Soundkarte und Lautsprecher/Kopfhörer Windows ME, Windows 2000/XP, DirectX 9.0 oder höher. Hamburg : Beratung und Training, Universität Hamburg
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Thema

In der fiktiven Firma ADJUVAT knistert es, genauer gesagt in einem Projektteam, das angetreten ist, den Kundenkreis um kleinere Pflegeanbieter zu erweitern. Am Rande: ADJUVAT handelt mit Pflegebedarf. Jetzt sitzen also fünf Herren und eine Dame mit den Namen Krause, Hansen, von Grünen, Papenfeld, Schulz und Schünemann in ihrer Arbeitsgruppe und kommen auf Grund der sichtbaren und noch mehr spürbaren Spannungen nicht so recht in Fahrt. Das gruppenimmanente Konfliktpotential hemmt wesentliche Energieressourcen. Und so begeben sie sich in die Obhut einer erfahrenen Konfliktmoderatorin namens Mozart … .

Es geht um Konflikte in Arbeitsgruppen, wie sie nur allzu leicht entstehen, wenn unterschiedliche Professionen, Charaktere und Wertvorstellungen sich auf dem selben Feld tummeln und ihre "Andersartigkeit" nicht als nutz- und gewinnbringend ansehen, sondern eher als Affront gegen jeweils eigene Werthaltungen und Überzeugungen. Und es geht selbstverständlich darum, mit diesen Konfliktsituationen kompetent und konstruktiv umgehen zu lernen, diese zu deeskalieren und dadurch gebundene Energien wieder zurück zu gewinnen. Schließlich möchte man ja Ziele erreichen.

Aufbau und Inhalt

Das vorliegende computerbasierte Training orientiert sich am mediationsanalogen "Konzept der Konfliktmoderation" von Alexander Redlich, es weist somit eine sechsphasige Gliederung mit folgenden Stationen auf:

  • Eröffnung,
  • Kontakt stiften,
  • Themen finden,
  • Sichtweisen klären,
  • Lösungen entwickeln und
  • Umsetzung sichern
Mit jeder dieser aufeinander aufbauenden Phasen befasst sich das Training vertiefend, wobei das konkret bedeutet, dass insbesondere auch der Programmnutzer als Lernender kontinuierlich aufgefordert wird, Entscheidungen zu treffen, Stellung zu beziehen und Antworten zu vergleichen. Im Umfang enthalten sind

  • ein Begleitbüchlein, das genau diesen Anspruch erfüllt, nämlich ein kleines 'Nachschlagewerk' zu sein, ein paar Hintergrundinformationen zu bieten, und
  • eine interaktive Lern-CD-ROM, die sozusagen federführend tätig ist. Diese vermittelt Möglichkeiten konstruktiver Konfliktarbeit in didaktisch aufbereiteten Sequenzen anhand der Rahmenhandlung im Projektteam von ADJUVAT. Im Detail finden sich auf der CD 90 Minuten Filmmaterial, das Frau Mozart in Aktion zeigt, flankiert von 50 interaktiven Übungen zum konkreten Konfliktgeschehen. Meist geht es darum, situativ eigene Reaktionsideen zu entwickeln und vorgegebene Reaktionsmuster zu vergleichen und zu bewerten. Darüber hinaus fordert das Programm immer wieder dazu auf, Reaktionen noch einmal zu optimieren.
    Rein "programmatisch" ist viel Sinnvolles an Bord: dem Lernenden bietet sich zu jeder Zeit und an jeder Stelle die Möglichkeit, Notizen zu schreiben und Lesezeichen zu setzen, darüber hinaus weist ein Klick auf das '?' den rechten Weg. Verschiedenfarbige Punkte informieren über den jeweiligen Status der Aufgabenbewältigung, deren Ergebnisse über eine Druckfunktion zu Papier gebracht werden können, und anderes mehr.

Diskussion

Das Wesentliche voraus: das Lernprogramm gefällt – was würde man auch anderes aus der Schmiede der 'Arbeitsgruppe Beratung' um Redlich und Schulz v. Thun erwarten.

Mit welchem Ziel tritt man an? Das Programm möchte Kompetenzen im Umgang mit Konflikten in Teams und Arbeitsgruppen vermitteln, und das 'praxisnah' und anschaulich. Das gelingt! Die 'Anschaulichkeit' ist kein Thema: mit kreativen Bildern wird man durch eine Konfliktlandschaft mit ihren potentiellen Widrigkeiten geführt, man durchdringt den 'Nebel der falschen Vorstellungen', passiert den 'Sumpf der Ziellosigkeit' und so geht es fort - Metaphern, die sich einprägen und schön umschreiben, worum es geht. Man ist sozusagen 'hautnah' dabei, wenn Frau Mozart zusammen mit dem Team von ADJUVAT diese Reise unternimmt, Szene für Szene, konkret und detailliert. Es macht Spaß, sich auf das Programm einzulassen, definitiv. Und genau darum geht es aber: man muss sich einlassen, und das beansprucht laut Entwickler einen Aufwand von mindestens 20 Stunden, und das wiederum laut Rezensenten ein hohes Maß an Lernwillen und Selbstdisziplin. Seinen Nutzen entfaltet das Programm dadurch, dass man selbst reflektiert, selbst nachdenkt, selbst löst im ausdauernden und vertiefenden Sich-Befassen. Und allzu groß winkt die Versuchung, doch mal schnell 'weiter zu klicken' und zu schauen, was denn das Programm so als 'Ideallösung' anbieten würde. Dieser Versuchung gilt es zu widerstehen, sonst bringt's wenig. Es geht hier schlichtweg nicht um interessante Inputs, da müsste man sich anderer Quellen bedienen, es geht um Lernen am Modell 'Mozart' und durch eigenes Tun. Gut gefällt dabei die Grundhaltung, mit der einem das Programm gegenüber tritt, als Lehrer, der aber nicht unfehlbar ist. Vielmehr stellt er selbst als 'ideal' empfundene Alternativen vor, denen aber jederzeit 'noch idealere' an die Seite gestellt werden können. Das ist sympathisch. Konkreter bieten sich in schöner Regelmäßigkeit verschiedene Reaktionsoptionen, aus denen ausgewählt werden soll. Diese sind meist sehr differenziert, das ist nicht 'schwarz/weiß', nicht platt. Auf diese Weise erschließen sich wichtige Kommunikationsdetails, was für ein latentes Kommunikationstraining hinter dem Konflikttraining steht.  

Die Technik ist bei alledem Freund und nicht Feind, das Programm ist übersichtlich und selbstinstruierend, wirkt durchdacht und 'hochwertig'.

Zielgruppe

Jetzt wird's schwierig. Laut Umschlagstext möchte das Training Moderatoren, Mediatoren, Teamentwickler, Berater, Führungskräfte in Wirtschaftsunternehmen und Non-Profit-Organisationen und Trainer ansprechen. Was heißt das jetzt aber? Spricht es jetzt eher Profis der Konfliktberatung an oder Autodidakten, die sich aus anderer Profession heraus mal eben 'konflikt-fitt' machen wollen? Dieses Spektrum verbirgt sich doch hinter oben genannter Zielgruppe.

Eines kann wohl schon behauptet werden: ganz blauäugig sollte man sich dem Training nicht nähern, d.h. was auch immer im Einzelfall mitgebracht wird, ein gewisses Wissen und Vorkenntnisse im psychosozialen Feld sollten vorhanden sein. Konkret meint das mindestens Skills auf dem Gebiet der (zwischenmenschlichen) Kommunikation, desweiteren wären Kenntnisse aus 'der' Konflikttheorie sinnvoll. Ganz deutlich: ein kompletter Anfänger sollte man also nicht sein.

Andererseits, wie schaut es mit der Zielgruppe der 'Konfliktprofis' aus, den Konfliktmoderatoren, den Mediatoren? Das hängt sehr stark davon ab, was diese konkret an Kenntnissen und vor allem an Erfahrung mitbringen, ist es ausbaufähig, verspricht das Training entsprechend großen Nutzen, ist es schon sehr viel, kommt nichts wirklich 'Neues', aber man bekommt zumindest unterhaltsames (nicht ganz billiges, aber unter dem Strich den Preis wohl wertes) Anschauungsmaterial an die Hand.

Fazit

Es handelt sich hier um ein praxisnahes, interessantes und unterhaltsames Training für Menschen, die mit Konflikten in Arbeitsgruppen und Teams potentiell konfrontiert sind und die sozusagen im Mittelfeld zwischen Leuten ohne Vorkenntnissen und solchen mit sehr viel Kenntnissen zu suchen sind – gute und lernbegierige 'Amateure'. Für diese bietet sich die Möglichkeit eines beachtlichen Kompetenzgewinns auf beschriebenem Feld. Definitiv wenig brauchbar ist das Programm für Konflikte in anderen, d.h. psychosozialen oder informellen Gruppensettings, dafür ist es nicht ausgelegt (diesen Anspruch erhebt es auch nicht!). Ein entsprechender Transfer erscheint zwar möglich, gelingt aber wohl nur denen, die (s.o.) sowieso schon 'Füchse' im Feld sind.

Rezension von
Dipl. Päd. Martin Zauner
Dipl.Päd.(univ), Dipl.Sozialpäd.(FH), Mediator (BM), AkadOR an der Fakultät Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (Lehrgebiete: Gruppenarbeit, Teamführung /-entwicklung, Mediation, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Schulsozialarbeit)
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Zitiervorschlag
Martin Zauner. Rezension vom 26.08.2008 zu: Alexander Redlich: Konfliktmoderation in Gruppen. Ein computergestütztes Lernprogramm zur Vermittlung grundlegender Kompetenzen in der Konfliktmoderation. Hamburg University Press Verlag der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg (Hamburg) 2007. ISBN 978-3-939945-06-2. CD-ROM + Buch. Praxisreihe Moderation und Beratung. Systemvoraussetzungen: Pentium IV Prozessor mit 1,5 GHz; 512 MB RAM Arbeitsspeicher, mind. 1 GB freier Festplattenspeicher; Monitorauflösung: 1024 x 768 Pixel, 32768 Farben, Soundkarte und Lautsprecher/Kopfhörer Windows ME, Windows 2000/XP, DirectX 9.0 oder höher. Hamburg : Beratung und Training, Universität Hamburg. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5788.php, Datum des Zugriffs 12.08.2022.


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