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Dirk Richter: Patientenübergriffe - psychische Folgen für Mitarbeiter

Cover Dirk Richter: Patientenübergriffe - psychische Folgen für Mitarbeiter. Theorie, Empirie, Prävention. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2007. 152 Seiten. ISBN 978-3-88414-446-6. 19,90 EUR, CH: 49,90 sFr.

Reihe: Forschung für die Praxis - Hochschulschriften.
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Thema

Gewalttätige Übergriffe von Patienten/Klienten in Kliniken, Einrichtungen der Behindertenhilfe und Altenheimen sind keine Seltenheit (mehr). Sie tragen sicher zur beruflichen Unzufriedenheit bei und führen nicht selten auch zur Aufgabe der beruflichen Tätigkeit. Im Gegensatz zu physischen Schäden, die gut dokumentiert sind, werden psychische Folgen (posttraumatische Belastungsstörungen) als Themengebiet eher vernachlässigt. Der Autor stellt zwar in seinem Vorwort eine Studie in Gesundheitseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen in den Mittelpunkt, das Buch ist aber, aufgrund seiner Theorieausführungen und der aufgezeigten Präventionsmöglichkeiten, auch eine Hilfe für Betroffene und interessierte (Sozial-)Wissenschaftler.

Entstehungshintergrund

Der Autor legt das Buch als das Ergebnis einer langjährigen Arbeit mit Personen und in Institutionen vor. Dabei kann er auf Kooperationen mit FachkollegenInnen und Einrichtungen verweisen sowie Betroffene einbeziehen. Von daher sind theoretische Aspekte auch mit Praxiserfahrungen "gefüllt".

Aufbau und Inhalt

In der Schrift wird der Leser ausgehend von Grundlegungen posttraumatischer Belastungsstörungen über eine Studie zu handlungsrelevanten Präventionsmöglichkeiten geführt.

  • Im ersten Kapitel "Posttraumatische Belastungsstörungen und Gewalt gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeit im Gesundheitswesen: Eine Literaturübersicht" wird mehr als nur eine Literaturübersicht geboten. Der Leser wird präzise, umfassend und (doch) kurz sowie ohne Abschweifungen über das Phänomen informiert. Dabei werden die Geschichte und Konzepte sowie die Symptome, die Epidemiologie und der Verlauf von posttraumatischer Belastungsstörungen nicht nur beschrieben, sondern verständliche und "merkfähig" dargestellt – alleine diese ersten vierzig Seiten bieten Erkenntnisgewinne für interessierte Leser an. Es verwundert nicht, dass hier auch Ausführungen zu den Bereichen psychische Belastungen (vorliegende Studienergebnisse), Ansätze der Prävention und Möglichkeiten der Behandlung abrundend vorgestellt werden.
  • Anschließend wird eine Studie aus Nordrhein-Westfalen (psychiatrische Einrichtungen der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland sowie Wohnverbünde und Heilpädagogische Heime) mit ihrem Studiendesign, ihrer(n) Untersuchungsmethode(n) sowie ihren Ergebnisse vorgestellt. In der Untersuchung konnten in zwei Phasen insgesamt 134 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Pflege-, Erziehungs- und Sozialbereich sowie aus dem ärztlichen Dienst, erfasst werden. Insgesamt bestätigt die sorgfältig angelegte, bearbeitet und ausgewertete sowie wissenschaftlichen Kriterien entsprechende Studie die bereits in der Literaturübersicht gemachten theoretischen und praktischen Ausführungen. Da sie (im Wesentlichen) bekannte Erkenntnisse bestätigt und sich auf einen begrenzten (regionalen) Raum bezieht, dürfte sie besonders für die Mitarbeiter aus den beteiligten Institutionen von Interesse sein – der allgemeininteressierte Leser wird sie daher eher "schräg lesend" zur Kenntnis nehmen.
  • Vertieft wird er sich anschließend wieder mit dem Kapitel "Prävention und Nachsorge nach Patientenübergriffen" beschäftigen. In diesem Abschnitt des Buches werden ganz konkrete und handlungsrelevante Ausführungen zur Sekundärprävention und zur psychologischen Erste Hilfe gemacht. Selbsthilfetipps für Betroffene und Hinweise auf Inhalte für die Ausbildung von Ersthelfern und Nachsorgeteams runden die Ausführungen kurz aber gelungen ab.

Diskussion

Die Schrift setzt sich differenziert mit Patientenübergriffen und posttraumatischen Belastungsstörungen auseinander, erläutert vorhandenes Wissen, ergänzt es mit aktuellen, regionalen Forschungsdaten und gibt sehr gute Hinweise für die Prävention und die Hilfe bei posttraumatischen Belastungsstörungen. Da sich diese Hinweise nicht nur auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen anwenden lassen, wird das Buch zusätzlich lesenswert.

Zielgruppe

Die Schrift richtet sich an alle Menschen, die sich im Gesundheitswesen von Patientenübergriffen betroffen fühlen und die daher Rat und Hilfe nach Übergriffen suchen. Auch sind die MitarbeiterInnen angesprochen, die präventive Möglichkeiten kennen lernen wollen. Daneben sollte es in keinem Bücherbestand derer fehlen, die sich mit posttraumatischen Belastungsstörungen beschäftigen. Notfallseelsorger, Mitglieder von Kriseninterventionsteams sowie Helfer in der Psycho-Sozialen-Notfallversorgung und anderen, ähnlichen Organisationen sollten das Buch kennen.

Fazit

In der Schrift werden knapp – aber ohne Lücken – Erkenntnisse zu posttraumatischen Belastungsstörungen vorgestellt, durch eine eigene, sorgfältige Untersuchung im Wesentlichen, wenn auch für einen (regional) begrenzten Bereich, bestätigt und sehr gute Hinweise zur Prävention und zur psychischen Erste Hilfe referiert. Das Buch ist leicht verständlich geschrieben, verzichtet auf "fachchinesische Höhenflüge" und sollte von den angesprochenen Zielgruppen gelesen werden.


Rezension von
Prof. Dr. Werner Reiners-Kröncke
Dipl.-Päd./Soz.Arb. Vizepräsident a. D. der Fachhochschule Coburg. Lehrte Pädagogik und Methoden der Sozialarbeit, insbesondere Suchterkrankungen, Kriminalität und Sozialmanagement


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Zitiervorschlag
Werner Reiners-Kröncke. Rezension vom 23.04.2008 zu: Dirk Richter: Patientenübergriffe - psychische Folgen für Mitarbeiter. Theorie, Empirie, Prävention. Psychiatrie Verlag GmbH (Bonn) 2007. ISBN 978-3-88414-446-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5799.php, Datum des Zugriffs 19.09.2020.


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