socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Silke Schönrade: LebensOrt Kindergarten. Innenraumgestaltung [...]

Cover Silke Schönrade: LebensOrt Kindergarten. Innenraumgestaltung für Kinder von 0-6 Jahren. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2008. 180 Seiten. ISBN 978-3-938187-42-5. 21,80 EUR, CH: 35,30 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

über Shop des Verlags


Thema

Der Raum sei „der dritte Erzieher“, hört man zunehmend und liest es in der vorliegenden Publikation. Das meint natürlich der Sprechende nicht ganz ernst; denn er weiß, dass der Raum überhaupt kein Erzieher ist. Räume sind in der Erziehung und Bildung nun aber selbstverständlich nicht bedeutungslos. Im Vergleich zur Bedeutung der verantwortlichen pädagogischen Person und dem pädagogischen Bezug, dem die bewährte klassische Pädagogik als einen unverzichtbaren Topos sieht, erhalten Räume hier und da zu viel Gewicht, indem sie als wichtiger betrachtet werden, denn die Erziehungspersonen. Diesem Fehler verfällt das Buch „Lebensort Kindergarten“ nicht explizit, wenngleich auf den Fotos nirgendwo zuständige Personen zu sehen sind.

Inhalt

Inhaltlich versucht die Autorin zu mehreren Bereichen Anregungen zu geben. U.a. in dem Kapitel mit der Überschrift „Der Kindergarten und ich“. Hier geht es thematisch um die Beziehung der Erzieherin zu den pädagogisch zu gestaltenden Räumen bzw. zu den Räumen überhaupt. Unter der Frage „Was bedeuten Ihnen Innenräume im Kindergarten?“ sollen folgende Impulsfragen anregend sein:

  • „Was bedeutet mir die Innenraumgestaltung im Kindergarten?
  • Habe ich mich schon einmal alleine damit auseinandergesetzt? (Literatur, Fachzeitschriften)?
  • Welches Verständnis habe ich von Ordnung und Struktur?
  • Habe ich mich bereits mit den Themen befasst: Was brauchen Kinder heute im Kindergarten? Welche Bedürfnisse müssen erfüllt werden?
  • Wo liegen meine inhaltlichen Schwerpunkte? Gibt es in meiner Einrichtung, Räume, in denen ich diese verwirklicht sehe?“

Ob Fragen in dieser Form tatsächlich hilfreich sind oder ob man sie eher als Titel für fachpädagogische Besinnungsaufsätze abtun müsste, mag die Leserin entscheiden.

Auch für die Veränderungswünsche – an Veränderung ist der Autorin besonders gelegen , wie und wozu auch immer – wird eine Checkliste geboten (S. 26): „Checkliste Welche Veränderungen möchten Sie in Ihrer Einrichtung vornehmen? Raum / Nebenraum / Flur / Bewegungsraum

  • Wie ist die Raumgestaltung? Harmonisch, strukturiert – ungeordnet, überfüllt?
  • Wie ist die Beleuchtung? Warmtonig, zielgerichtet – zu hell, diffus
  • Wie ist die Farbgestaltung? Harmonisch, gepflegter Anstrich – bunt, veralteter Anstrich
  • Wie ist das Angebot der Spiel- und Lernmaterialien? Angemessen der Altersstruktur, übersichtlich – nicht altersgemäß, Überangebot
  • Ist ausreichend Bewegungsraum vorhanden?
  • Werden die Bedürfnisse der Kinder überwiegend erfüllt?“

Hier wird der Leser ebenfalls entscheiden, ob er solche Fragen als hilfreich empfindet.

In einem anderen Kapitel mit dem Titel „Mehr Platz im Raum“ möchte die Autorin der allseits bekannten Raumnot Abhilfe schaffen Dabei wird auf variable Podeste hingewiesen, auf die bessere Nutzung der Fensterbänke usw.

Man lernt des Weiteren etwas über Farbenlehre und deren pädagogische Bedeutung, über Sprachförderung, z.B. mit Hilfe des Bilderbuches, und vieles andere mehr. Innenräume des Kindergartens werden mit gut gelungenen Fotos illustriert und durchleuchtet. Alles für denjenigen, der es gebrauchen kann und noch nicht weiß, gute Anregungen.

Diskussion

Es ergeben sich bei der Lektüre zahlreiche Fragen, z.B.:

  • Was ist denn draußen? Das ist doch auch Raum.
  • Was ist z.B. das Bauen auf der Bewegungsbaustelle für Erziehung und Bildung der Kinder wert?

Bücher sollte man am Anspruch des Autors messen. Es geht um Beispiele auf Fotos, „die… in die Praxis übernommen werden können“ (S. 7). Von diesem Anspruch der Autorin kann das Buch durchaus vieles erfüllen. Die Defizite liegen in der erziehungswissenschaftlichen theoretischen Basis. U.a. wird dies exemplarisch deutlich beim Rollenspiel, wo keinerlei theoretische Fundierung zu sehen ist, außer ein paar Assoziationen z.B. „Freude am Spiel“… Z.B. kein Hinweis auf das didaktisch begleitete soziale Rollenspiel o. ä. m. Oder auf Seite 108 , wo es um den Ruheraum geht, kein Hinweis auf die Theorie des Snoeselraumes. Vor allem hätte vertiefter eingegangen werden müssen auf die Theorie der kindlichen Bedürfnisse nach Raum und Zeit usw. Stattdessen ist der Autorin das Wichtigste: Verändern… aber sofort! (S. 114): „Wählen Sie einen Raum, mit dem Sie beginnen wollen.“ Auf manchen Seiten weiß man auch nicht so recht, was es soll, und wem es dienen will, z.B. die „Ungewöhnliche Bepflanzung – entdeckt in Paris“ (S. 131); die Formen und Farben aus dem Centre Pompidou (S. 152).

Fazit

Der Fotoband zur Innenraumgestaltung sei aber nicht verrissen. Er enthält viele gute Tipps und ist auch schön anzuschauen – Tipps für wen? Das muss der Betrachter selber sehen.


Rezension von
Prof. Dr. Norbert Huppertz
Homepage www.wibeor-baden.de/huppertz/
E-Mail Mailformular


Alle 14 Rezensionen von Norbert Huppertz anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Norbert Huppertz. Rezension vom 17.09.2009 zu: Silke Schönrade: LebensOrt Kindergarten. Innenraumgestaltung für Kinder von 0-6 Jahren. verlag modernes lernen Borgmann (Dortmund) 2008. ISBN 978-3-938187-42-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5817.php, Datum des Zugriffs 23.01.2021.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht