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Felicitas Römer: Allein erziehen und Berufstätigkeit

Cover Felicitas Römer: Allein erziehen und Berufstätigkeit. Wie der tägliche Spagat gelingen kann. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2006. 34 Seiten. ISBN 978-3-938553-36-7. 27,80 EUR.

Als PDF 978-3-938553-35-0, € 19,80.
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Einführung und Überblick

Auch wenn der Titel suggeriert, es ginge in dieser Broschüre lediglich um allein Erziehende und deren "Spagat" zwischen Familie und Beruf, so kann die Autorin gleich zu Beginn die Tragweite dieser Thematik sehr deutlich machen. Zwar sind allein Erziehende durch die Alleinverantwortung für die Versorgung der Familie ganz besonders auf familienfreundliche Arbeitsstrukturen angewiesen, sie benötigen aber letztlich "nichts anderes als verheiratete Mütter, aber sie brauchen es in verstärktem Maße" (ebd., S. 2). Die Autorin geht sogar noch darüber hinaus, wenn sie auch Väter sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Kinder in ihre Überlegungen einbezieht: Denn letztendlich geht es darum, wie durch eine angemessene Personalpolitik für alle Beteiligten ein Optimum an Leistung und Lebenszufriedenheit erreicht werden kann. Dazu gibt die Broschüre vielfältige Hinweise.

Aufbau und Inhalt

  1. Mit dem Problemaufriss unter der Überschrift "Engagiert und verantwortungsbewusst: Allein erziehende Mütter im Beruf" führt die Autorin in die Thematik ein. Zunächst skizziert sie die Situation in der Bundesrepublik Deutschland: Es geht um die Berufsorientierung und das berufliche Engagement allein Erziehender sowie um Strukturen der Arbeitswelt.
  2. Das Kapitel 2, "Warum sich Familienfreundlichkeit im Betrieb rentiert", wägt sehr sensibel die verschiedenen Sichtweisen auf das Thema Vereinbarkeit ab. So wird deutlich, dass Vereinbarkeit nicht ein Problem von Frauen – auch nicht nur allein erziehender – ist. Und auch die Effekte einer gelingenden Vereinbarkeit sind letztlich auf allen Ebenen spürbar. Ausführlich stellt die Autorin diese Effekte auf betrieblicher Ebene dar; wichtige Schlagworte sind hier Außenwirkung, Geschlechtergerechtigkeit, familienorientierte Personalpolitik als Standortfaktor.
  3. Unter der Überschrift "Elternzeit und Berufsrückkehr: Hilfen für den erfolgreichen Wiedereinstieg" erläutert die Autorin im Kapitel 3 die Rechte und Pflichten aller Beteiligten bei Elternzeit und Berufsrückkehr. Anhand von Praxisbeispielen wird deutlich, dass Kontakthalteprogramme bei den Müttern sehr erwünscht sind und für die Betriebe gute Ergebnisse erzielen. Sehr ausführlich werden Elternzeitmodelle vorgestellt, um Anregungen zu geben.
  4. Im vierten Kapitel, "Teilzeitmodelle und familienfreundliche Arbeitszeiten: Mehr als gute Kompromisse" werden zunächst rechtliche Regelungen bzw. Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern dargestellt. Anschließend werden die verschiedenen Teilzeitmodelle als wichtiges Instrument der Vereinbarkeit von Familie und Beruf umfassend erläutert und mit Praxisbeispielen und Erfahrungsberichten unterlegt. Eine Checkliste für Arbeitnehmerinnen (und Arbeitnehmer), die ihre Arbeitszeit verändern möchten, gibt wichtige Hinweise auf notwendige Schritte und Maßnahmen.
  5. Das Kapitel 5, "Tele- und Heimarbeit: Günstige Arbeitszeitmodelle für allein Erziehende?", gibt einen Überblick über Argumente für und wider diese Modelle. Es wird deutlich, dass die verschiedenen Arbeitszeitmodelle nicht die Patentlösungen für Vereinbarkeitsprobleme darstellen, sondern im Einzelfall zu prüfen ist, welches Modell geeignet ist. Dazu hält das Kapitel Erfahrungsberichte und Checklisten bereit. Auch hier wird die Problematik wieder für beide Perspektiven, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, transparent gemacht.
  6. Unter der Überschrift "Betriebliche Unterstützung bei der Kinderbetreuung" verweist die Autorin im Kapitel 6 auf die zentrale Bedeutung professioneller Kinderbetreuung bei der Lösung der Vereinbarkeitsproblematik. Ausführlich erläutert sie eine Reihe von betrieblichen Maßnahmen; diese reichen von der Schaffung eines Betriebskindergartens bis hin zu einzelnen unterstützenden Angeboten.
  7. Das siebte Kapitel ist überschrieben mit "Was sonst hoch helfen könnte" und zeigt Unternehmen insbesondere Möglichkeiten auf, das Thema Akzeptanz berufstätiger Eltern anzugehen sowie praktische Hilfen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu geben.
  8. Abschließend sind im Kapitel 8 weiterführende Informationen für die Leser zusammengetragen. Dort finden sie Hinweise auf einschlägige Broschüren zum Thema, auf Beratungsangebote und Internetadressen.

Fazit

Die Broschüre zeichnet sich insbesondere durch eine gute Lesbarkeit und übersichtliche Gestaltung aus: Zwischenüberschriften geben eine gute Struktur, Checklisten, Praxisbeispiele und Erfahrungsberichte sind hervorgehoben.

Resümierend ist festzuhalten: Dem Leser werden mit dieser Broschüre wichtige Anregungen gegeben, warum eine familienfreundliche Personalpolitik insbesondere für allein Erziehende ein zentraler Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, wie sich eine solche Politik im Unternehmen umsetzen lässt und welche Erfolge damit – insbesondere auf betrieblicher Ebene – erzielt werden können. Die Broschüre ist sowohl für Personalverantwortliche in Unternehmen und Verwaltung als auch für erziehende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gleichermaßen geeignet, denn immer werden für beide Perspektiven Argumente, Checklisten und hilfreiche Tipps geliefert.


Rezension von
Dr. Dagmar Brand
Bildungsforschung, Frauen- und Geschlechterforschung, Familienforschung, soziale Ungleichheit
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Zitiervorschlag
Dagmar Brand. Rezension vom 20.06.2008 zu: Felicitas Römer: Allein erziehen und Berufstätigkeit. Wie der tägliche Spagat gelingen kann. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2006. ISBN 978-3-938553-36-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5866.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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