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Ursula Lange: Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Ursula Lange: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2007. 42 Seiten. ISBN 978-3-939663-33-1. 27,80 EUR.
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Thema und Überblick

Die Autorin stellt aus Unternehmensperspektive Notwendigkeit und Machbarkeit von familienfreundlicher Personalpolitik dar. Ausgehend von der These, dass Unternehmen mit einer Vereinbarkeitskultur vom Wettbewerbsvorteil "Familie" profitieren werden, liefert sie dabei sowohl wichtige Argumente für eine familienfreundliche Personalpolitik als auch treffende Erfolgsbeispiele von Unternehmen, die bereits Gewinne durch familienorientierte Maßnahmen erzielt haben.

Aufbau und Inhalt

  1. In einer kurzen Einleitung verweist die Autorin zunächst auf die Wichtigkeit einer optimalen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie eröffnet unter dem Stichwort "Wettbewerbsfähigkeit" eine Sichtweise, aus der das Thema für die Unternehmen attraktiv wird.
  2. Unter der Überschrift "Deutschlands Lage in Bezug auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie" skizziert die Autorin im zweiten Kapitel die zentralen demografischen Entwicklungstrends in der Bundesrepublik Deutschland und schildert die – überwiegend negativen – Effekte auf gesellschaftlicher Ebene. Anschließend geht sie auf die Auswirkungen fehlender Vereinbarkeitskultur auf der Ebene der Unternehmen ein. Anhand ausgewählter Zahlenbeispiele werden die Kosten sehr anschaulich, mit denen Unternehmen zu rechnen haben, die der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine Aufmerksamkeit widmen. Hilfreich wäre es für interessierte Leser an dieser Stelle gewesen, auch Hinweise auf die Quellen der Zahlenbeispiele zu erhalten, um weiterführend selbst recherchieren zu können. Anhand der Zahlen und Fakten wird jedoch die Notwendigkeit familienorientierter Personalpolitik deutlich herausgearbeitet.
  3. Das dritte Kapitel ist überschrieben mit "Familienorientierte Personalpolitik" und schließt stringent, nach einer präzisen Definitionsarbeit, an die im vorhergehenden Kapitel formulierten Argumente für familienunterstützende Maßnahmen an. Dabei wird deutlich, dass der Nutzen sowohl für das Personal als auch für die Unternehmen selbst enorm ist – und auf Unternehmensseite die Kosten deutlich übersteigt. Die positiven Wirkungen familienfreundlicher Maßnahmen werden in diesem Kapitel beispielhaft aufgelistet.
  4. Im vierten Kapitel, "Unternehmenscheck", verweist die Autorin zu Beginn darauf, dass viele Unternehmen familienfreundliche Personalpolitik bereits (mehr oder weniger bewusst) praktizieren. Für diese Unternehmen, die die Familienfreundlichkeit ihrer Unternehmenskultur systematisch prüfen wollen, und für Unternehmen, die die Etablierung familienfreundlicher Maßnahmen anstreben, ist die anschließende Checkliste sinnvoll. Sie erleichtert es, Defizite – aber auch Erfolge – in Sachen Vereinbarkeitskultur aufzuspüren. Die Hinweise zur Auswertung der Antworten sind motivierend formuliert und "verführen" zum Weiterlesen.
  5. Das Kapitel 5, "Handlungsfelder einer familienorientierten Personalpolitik", gibt zunächst einen Überblick über verschiedene familienorientierte Maßnahmen in den Handlungsfeldern Arbeitszeitorganisation, Arbeitsort, Betreuung Familienangehöriger, Familienservice, Elternzeit und Personalentwicklung. Die nachfolgenden Unterkapitel behandeln – gut strukturiert – jeweils ein Handlungsfeld. Sehr systematisch werden darin die einzelnen Maßnahmen erläutert, mit Best Practice Beispielen unterlegt und abschließend mit einigen Impulsfragen für den Leser "transferierbar", d. h. auf die spezifische Unternehmenssituation übertragbar, gemacht.
  6. Das sechste Kapitel fokussiert die Rolle der bundesdeutschen Familienpolitik bei der Initiierung und Verstärkung von Familienorientierung in Unternehmen. Zwei Programme, das von der Bundesregierung angestoßene Unternehmensprogramm "Erfolgsfaktor Familie. Unternehmen gewinnen." und das von der gemeinnützigen Hertie-Stiftung entwickelte Audit "berufundfamilie", werden dazu kurz vorgestellt.
  7. Im Kapitel 7 werden unter der Überschrift "Familienfreundlichkeit lohnt sich" noch einmal kurz und bündig die wichtigsten Argumente für eine familienfreundliche Personalpolitik zusammengetragen.
  8. Das Kapitel 8 beinhaltet eine Reihe weiterführender Literaturhinweise, u. a. auch Hinweise auf Broschüren und den Newsletter des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie wichtige Links zum Thema.

Fazit

Die Broschüre ist gut lesbar, klar strukturiert und übersichtlich gestaltet; Checklisten, Impulsfragen, zentrale Begriffe, Beispiele und Zitate sind hervorgehoben. Überleitungen in Frageform erleichtern immer wieder das "Dranbleiben" an Text und Thema.

Abschließend ist festzuhalten: Die Broschüre gibt interessierten Lesern erste Einblicke in die Thematik "Familienfreundliche Personalpolitik", wichtige Anregungen, das Thema weiterzuverfolgen und erste Handlungsanregungen, wie die Überlegungen in die Praxis umsetzbar sind. Egal ob Personalverantwortliche in der Wirtschaft oder in der öffentlichen Verwaltung, Gleichstellungsbeauftragte oder interessierte MitarbeiterInnen – sie finden hier nahezu alle relevanten Informationen in übersichtlicher Form vor, um sich anregen zu lassen, familienfreundliche Personalpolitik nicht lediglich als Schlagwort in den Mund, sondern als machbare Innovation in den Blick zu nehmen. Falls dabei Fragen offen bleiben, helfen die Lesetipps und Hinweise auf einschlägige Websites weiter. Der vorliegenden Broschüre gelingt es, wichtige Impulse zu geben – doch auch die Autorin weist ausdrücklich darauf hin, dass im nächsten Schritt eine Beratung über die Passfähigkeit einzelner Maßnahmen auf die Unternehmenskultur unabdingbar ist, um "Familienorientierung im Betrieb mit Leben zu füllen" (ebd., S. 32).


Rezension von
Dr. Dagmar Brand
Bildungsforschung, Frauen- und Geschlechterforschung, Familienforschung, soziale Ungleichheit
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Zitiervorschlag
Dagmar Brand. Rezension vom 16.06.2008 zu: Ursula Lange: Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2007. ISBN 978-3-939663-33-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5870.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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