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Jean-Martin Jünger, Olaf Peisker: Antidiskriminierung in der Personalabteilung

Rezensiert von Ute Wellner, 27.12.2008

Jean-Martin Jünger, Olaf Peisker: Antidiskriminierung in der Personalabteilung. Praxistipps, Checklisten und Handlungsempfehlungen zum neuen Gleichbehandlungsgesetz. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2007. 39 Seiten. ISBN 978-3-939663-48-5. 32,90 EUR.
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Mein Resümee vorab

Ein knappes pragmatisches Buch geschrieben für Arbeitgeber. Viele hilfreiche Checklisten die bei der Umsetzung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes wertvolle Hilfestellungen leisten können - werden sie ernst genommen. Manche z.B. die zur Beschwerdestelle hätten durchaus etwas umfangreicher ausfallen können. Aber hier geben die Autoren den sehr wertvollen und zu berücksichtigenden Hinweis die ausgewählten und gefragten Vertrauenspersonen von der Belegschaft (nachträglich-)wählen zu lassen. Ebenso ist ein Muster-Anschreiben an die Führungskräfte herauszuheben. Einerseits ein Muster andererseits die Aufforderung an die Arbeitgebenden wie praktische Umsetzung und damit Prävention im Sinne von § 12 AGG - nämlich durch die Arbeitgeberseite - funktionieren kann. Insgesamt finden sich viele hilfreiche Hineise und Anregungen.  Als negativ habe ich es allerdings empfunden, dass genau in diesem Büchlein (vierzig Seiten) -  in dem es um Reaktionen auf Benachteiligungen im Arbeitsleben geht - nur die männliche Sprachform gewählt worden ist. Dies ist von den Autoren auch mit keiner erklärenden Fußnote versehen wurden, wie es in vielen anderen Werken mit ganz anderen Themen inzwischen durchaus der Standart ist.

Aufbau und Inhalt

A. Einführung. In der Einführung gibt es Allgemeines zum Ziel des Gesetzes, den Merkmalen und Kriterien sowie welches Tun oder Unterlassen Rechtsfolgen nach sich zieht. Rechtliche Unterstützung wird für die Umsetzung angeraten. Die Merkmale sind anschließend kurz skizziert und versehen mit knappen Beispielen. Hier tritt für einige Lesenden eventuell eine Irritation auf: die Autoren sprechen von sechs unterschiedlichen Merkmalen - im Gesetz finden sich acht Gründe, siehe § 1 AGG. Anschließend sind auch alle acht (Rasse, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität) erläutert. Die Formen wie mittelbare und unmittelbare Benachteiligung , Belästigung und sexuelle Belästigung sowie diese in Form der Anstiftung behandelt ein weiterer Komplex. Anschließend geht es um den sachlichen und persönlichen Anwendungsbereich im Arbeitsrecht. Das AGG ist auf das gesamte Arbeitsverhältnisses sachlich anzuwenden. Konkret bedeutet dies von der Stellenausschreibung und den Bewerbungsunterlagen, dem Auswahlgespräch, der Gestaltung des Arbeitsvertrages, Beschäftigung- und Arbeitsbedingungen, Entgelt… über die Kündigung bis zur betrieblichen Altersvorsorge, so die Autoren.  (Anmerkung: hier ist die zukünftige Rechtsprechung noch abzuwarten). Wer in den persönlichen Anwendungsbereich fällt erfahren die Lesenden anschließend. M. E. ist die Aufzählung hier nicht vollständig. Eine Frage: Wie sind z.B. die Praktikantinnen und Praktikanten zu schützen?

B. Das Arbeitsverhältnis. In einem zweiten Kapitel wird das Arbeitsverhältnis von der Anbahnung bis zur Beendigung unter den Benachteiligungsaspekten des AGGs untersucht:

  1. Bewerbungsphase,
  2. Arbeitsphase,
  3. Maßnahmen und Pflichten des Arbeitgebers.

zu 1 "Bewerbungsphase": Stellenausschreibung, Auswahlgespräch, Ablehnung, Dokumentation und Schadensersatz werden unter dem Aspekt Bewerbungsphase dargestellt. Wie  dürfen Stellen und wie nicht, da ein Verstoß gegen die Benachteiligungsmerkmale vorliegt, ausgeschrieben werden? Was heißt es Stellen neutral auszuschreiben? Die Autoren erläutern dies anhand der verschiedensten Beispiele aus der Praxis. Sie stellen klar,  dass nicht nur ein fehlendes männlich / weiblich in der Anzeige benachteiligend wirkt sondern auch Kriterien wie körperliche Belastbarkeit zu einer mittelbaren Benachteiligung z.B. von Frauen führen kann. Ebenso wie die Forderung von mindestens 2 Jahren Berufserfahrung. Ausnahmen können eine solche Formulierung aber durchaus rechtfertigen. Jünger und Peisker bieten den Arbeitgebenden am Schluss eine Checkliste an zum Thema "Stellenanzeige". Was ist vor der Veröffentlichung  alles zu prüfen? Eine kurze Einführung zum Auswahlgespräch und dann folgen auch gleich ein Beispiel für einen Bewerberfragebogen, eine Checkliste für das Bewerbergespräch sowie zu zulässigen und unzulässigen Fragen im Bewerbergespräch. Leider muss ich auch hier die gewählte maskuline Sprachform anmerken. Die angebotenen drei Checklisten sind m.E. nicht fei von Benachteiligung. So ist die Frage zur Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder und auch die Frage nach der Bereitschaft zu Dienstreisen durchaus zu hinterfragen z.B. unter dem Aspekt Geschlecht und mittelbare Benachteiligung… Es stellt sich die weitere Frage wie bei der Ablehnung von Bewerberinnen und Bewerbern zu verfahren ist. Was darf ich berücksichtigen um jemanden abzulehnen und was ist ein zulässiger Grund? Hier bieten die Autoren einen umfangreichen Katalog an. Sowie das kurze Muster einer Absage. Wichtig sind die folgenden Überlegungen  zu den aufzubewahrenden Unterlagen im Rahmen der Dokumentation und damit verbunden die "Beweise" bei einer eventuellen Klage auf Schadensersatz.

zu 2. "Arbeitsphase": Die Quellen der Benachteiligung  wie Arbeitsentgelt z.B. Prämienverfahren, Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen, Belästigungen, Weiterbildung z.B. die Teilnahme von Teilzeitbeschäftigten oder das Thema Beförderung sind kurz angeschnitten und auch hier wiederum eine knappe Checkliste die beispielhaft einen Überblick über mögliche Fragen gibt. Die Anregung vor Ort genau zu gucken! Zulässige Ungleichbehandlung oder Rechtfertigungsgründe ist das sich anschließende Thema: Welches Mittel kann zulässig sein, wenn als Ziel folgendes erreicht werden soll?

zu 3. "Maßnahmen und Pflichten des Arbeitgebers":  Der Arbeitgeber hat die Pflicht das AGG im Betrieb einzuführen  und umzusetzen im Rahmen der ihm gesetzlich auferlegten Organisationspflichten. Auch hierzu gibt eine Checkliste Hinweise, wie z.B. "Sind Mitarbeiter in der Personalverantwortung besonders sensibilisiert worden?", " Sind bestehende Betriebsvereinbarungen auf Vereinbarkeit mit dem AGG geprüft?", etc. Die Autoren empfehlen die Herausgabe einer Führungsrichtlinie und bieten einen umfangreichen Vorschlag für die arbeitgebende Seite an. Schulungen, das Ergreifen geeigneter Gegenmaßnahmen, Benachteiligungen durch Dritte, die einzurichtende Beschwerdestelle sowie die Aushangpflicht des Gesetzes, mögliche Folgen eines Verstoßes und die Kündigung schließen die Maßnahmen und Pflichten des Arbeitgebers ab.  Die Ausführungen sind sehr knapp gehalten und bedürfen Ergänzungen.  Als Beispiel ist das Thema Beschwerdestelle zu nennen.

C. Fazit und Anhang. Zum Abschluss ein  Fazit der Autoren: "Die Einführung des AGG ist somit kein einzelnes Ereignis, sondern der Beginn einer dauerhaften Umstellung im Unternehmensalltag." 

Angehängt ist eine weitere Checkliste zur Unternehmenskultur die Fragen zum AGG-konformen Unternehmen allgemein und geteilt nach Gründen auflistet.

Fazit

Mein Fazit: An manchen Stellen hätte ich mir mehr Informationen gewünscht oder auch den ein oder anderen Hinweis wo es weitergehenden Informationen nachzulesen oder zu erfragen (Antidiskriminierungsstelle) gibt. Insgesamt finde ich das Buch eine gute Ergänzung um das Thema Benachteiligungen im betrieblichen Alltag aus arbeitgebender Sicht zu vervollständigen. Auch wer sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hat, findet einen gut umsetzbaren Einstieg für das kleine oder auch größere Unternehmen.

Rezension von
Ute Wellner
Juristin und Mediatiorin,freiberuflich tätig in Personaltraining, Fortbildung und Mediation. Arbeitsschwerpunkte: Arbeits- und Gleichstellungsrecht, Diskriminierung am Arbeitsplatz (sexuelle Belästigung, Mobbing, AGG)

Es gibt 21 Rezensionen von Ute Wellner.

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Zitiervorschlag
Ute Wellner. Rezension vom 27.12.2008 zu: Jean-Martin Jünger, Olaf Peisker: Antidiskriminierung in der Personalabteilung. Praxistipps, Checklisten und Handlungsempfehlungen zum neuen Gleichbehandlungsgesetz. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2007. ISBN 978-3-939663-48-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5873.php, Datum des Zugriffs 17.08.2022.


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