Thomas Behr: Fit, wenn es um demente Bewohner geht
Rezensiert von Dipl. Sozialpädagoge Peter Wißmann, 04.09.2009
Thomas Behr: Fit, wenn es um demente Bewohner geht. Vincentz Network (Hannover) 2007. 36 Seiten. ISBN 978-3-86630-051-4. D: 9,80 EUR, A: 17,90 EUR.
Thema
„Fit, wenn‘s um Demenz geht“ ist eine Veröffentlichung in der „Reihe für Einsteiger“, deren Ziel es ist, in äußerst knapper Form Einsteigern in ein Thema „kompakte Informationen (zu geben, d.V.), die das Wichtigste aus einem Fachgebiet darstellen und schnell zu erlernen sind“ (Klappentext).
Aufbau und Inhalt
In Kapitel 1 wird auf knapp einer Seite erklärt, was Demenz ist: hirnorganische Störungen, mit Veränderungen insbesondere bei den Gedächtnisleistungen. Da im Langzeitgedächtnis meistens noch „Erinnerungsinseln“ verbleiben, ist es Aufgabe der Pflegenden, als Lotse den Weg durch das „Meer“ zu den „Inseln“ zu finden.
Im 2. Kapitel wird erläutert, woran man Demenz erkennen kann. Hinweise für das Vorliegen einer Demenz werden ebenso wie der Mini-Mental-Status-Test kurz dargestellt, gleichzeitig werden die Pflegenden jedoch aufgefordert, mit dem „Etikett“ Demenz äußerst vorsichtig umzugehen.
Die folgenden beiden Kapitel stellen den Hauptteil der Veröffentlichung dar. Thema des 3. Kapitels ist die Beziehung. Diese wird als entscheidend für die Zufriedenheit der Bewohner (das Buch bezieht sich auf die Arbeit in stationären Einrichtungen) und auch der Mitarbeiter/innen betrachtet. Um hilfreiche Beziehungen aufbauen und gestalten zu können, werden einige allgemeine (Sei echt; Akzeptiere den anderen, wie er ist usw.) sowie auf die sprachliche Kommunikation bezogene Grundregeln (einfach und klar und laut genug sprechen usw.) formuliert.
Die Pflegekraft als „Loste“ steht im Mittelpunkt des 4. Kapitels. Als besonders wichtig für die Lotsenfunktion werden das Schaffen eines geregelten Tagesablaufs sowie die Mahlzeiten-gestaltung hervorgehoben und mit einigen Tipps untermauert.
Im wiederum knapp 1 Seite umfassenden 5. Kapitel wird gefordert, Stressbewältigungs-strategien zum festen Bestandteil jeder betrieblichen Gesundheitsförderung in Pflegeein-richtungen zu machen.
Diskussion
Kurze, prägnante und leicht zu verstehende Informationen für Pflegende bereit zu stellen, ist ein lohnendes Ziel. Dass eine Publikation bequem auf der Fahrt zwischen drei U-Bahnstationen durchzuarbeiten ist, muss nicht unbedingt gegen sie sprechen. Dass eine Pflegeperson nach der Lektüre von Thomas Behr‘s kleiner Schrift jedoch „fit, wenn‘s um demente Bewohner geht“ sein kann, muss deutlich in Frage gestellt werden. Nicht der tatsächlich arg geringe Umfang des Ringbüchleins dürfte dafür der Hauptgrund sein, sondern vor allem auch der Inhalt. Nicht, dass an irgendeiner Stelle etwas grundsätzlich Falsches ausgeführt würde. Das Problem ist eher, dass es dabei fast immer bei wohlbekannten allgemeinen Aussagen wie „Sich immer dem Bewohner zuwenden“ oder „Ein freundliches Gesicht ist wichtig“ bleibt.
Ob damit tatsächlich das Wichtigste aus einem Fachgebiet so dargestellt wird, dass es schnell zu erlernen ist (wie es ja als Anspruch formuliert wird), bleibt fraglich.
Fazit
Eingebettet in profunde Maßnahmen der Qualifizierung und Begleitung von Pflegenden, könnte das Büchlein vielleicht eine hilfreiche Funktion erfüllen – beispielsweise als knappe Zusammenfassung und Erinnerung der vermittelten Inhalte und Diskussionen. Ohne eine solche Einbettung bleiben jedoch die geäußerten Zweifel.
Rezension von
Dipl. Sozialpädagoge Peter Wißmann
Geschäftsführer
Demenz Support Stuttgart gGmbH, Zentrum für Informationstransfer
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