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Elisabeth Badry: Arbeitshilfen für soziale und pädagogische Berufe

Cover Elisabeth Badry: Arbeitshilfen für soziale und pädagogische Berufe. Luchterhand Verlag (München) 2008. 5., erweiterte und aktualisierte Auflage. 279 Seiten. ISBN 978-3-472-06594-4. 24,90 EUR.

Reihe: Fachbücherei praktische Sozialarbeit.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-472-07925-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Zielsetzung

Der Titel des Buches verspricht „Arbeitshilfen“ und liefert demgemäß einen ganzen „Strauß“ von Überlegungen, Empfehlungen und weiterführenden Hinweisen für wissenschaftsgestützte Tätigkeiten im Berufs- und Studienfeld der Sozialarbeit und -pädagogik. Auf dem Buchrücken und im Vorwort erfährt man, was das Inhaltsverzeichnis dann bestätigt, dass sich das Buch vorrangig, wenn auch nicht ausschließlich an Studierende dieser beiden Fächer wendet.

Entstehungshintergrund

Die erste Auflage des Buches erschien bereits 1990. Die rasanten Entwicklungen, die die Soziale Arbeit vor allem in ihren Arbeitsmethoden und ihrem wissenschaftlich-technischen Instrumentarium erfahren hat, werden in der neuesten Auflage berücksichtigt. Dies geschieht in einer zumindest auf den ersten Blick gelungenen Form. Bewährtes und Aktuelles werden also angemessen verknüpft.

Themen

Auf sämtliche heterogenen Inhalte des Buches einzugehen, ist im vorliegenden Rahmen nicht möglich. Deshalb führe ich im ersten Schritt der Darstellung lediglich die deutlich unterscheidbaren Themen des Buches auf. Die Auflistung folgt der Gliederung des Buches, ohne jedoch auf die Kapiteleinteilung Rücksicht zu nehmen, und soll verdeutlichen, worüber man sich durch die Lektüre informieren kann. Es handelt sich um folgende Themen:

  • Theorie-Praxis-Verhältnis
  • Zeit- und Arbeitsplatzmanagement
  • schriftliche und mündliche Präsentationsformen
  • Recherche- und Dokumentationstechniken
  • Sprachlich-stilistische Empfehlungen
  • Darstellungskonventionen
  • Aufbau und Darstellung quantitativ und qualitativ ausgerichteter Forschungsarbeiten
  • handlungstheoretisch begründete „Praxisprojekte“
  • statistische „Basisinstrumente“
  • Prüfungsformen und Prüfungsvorbereitung (incl. Strategien bei Prüfungsangst)
  • Teamarbeit und Teamleitung
  • Netzwerkansatz in der psychosozialen Versorgung
  • Qualitätsmanagement
  • Hilfeplanung
  • Gutachtenerstellung
  • EDV in der Sozialen Arbeit und in der Sozialverwaltung
  • Mind mapping

Inhalt und Qualität der Beiträge

Im Folgenden werde ich die einzelnen Kapitel des Buches in ihren Hauptzügen charakterisieren, dabei Lesenswertes hervorheben und/oder Unzulänglichkeiten kritisieren.

Im kurzen, vielleicht zu kurzen Kapitel 1 wird das Theorie-Praxis-Verhältnis angesprochen und es werden Essentials professioneller Sozialer Arbeit aufgezeigt. Elisabeth Badry, die Autorin des Kapitels, bezieht sich hierbei ausschließlich auf Pädagogen geisteswissenschaftlicher, vor allem konservativ-katholischer Provenienz. Heute einschlägige Publikationen über Sozialarbeitswissenschaft oder der Professionsforschung werden weder erwähnt noch verarbeitet. Trotz ihrer von daher etwas eingeschränkten Grundausrichtung gelangt die Autorin jedoch zu Folgerungen, die weitgehend kompatibel mit der aktuellen Diskussion über das Verhältnis von Theorie und Praxis in der Sozialen Arbeit sind.

Unter der Überschrift „Selbstorganisation“ (Kapitel 2) beschäftigt sich Hans-Gerhard Stockinger mit Zeit- und Arbeitsplatzmanagement. Der Beitrag erspart manch umfangreichere Lektüre zum Thema und ermöglicht den eigenständigen Einstieg in das Zeit- und Arbeitsmanagement. Freilich kann der Beitrag das fundamentale Problem auch des motivierten Lesers nicht lösen, sich genügend Zeit für die Entwicklung eines Erfolg versprechenden Zeitmanagements zu nehmen (aber immerhin spart er Zeit, zu dieser Erkenntnis zu gelangen). Mit Skepsis betrachte ich aufgrund eigener Lehrerfahrungen die Vorschläge Stockingers zur Beschleunigung des Lesetempos. Sein im größeren Zusammenhang akzeptabler Hinweis, Kleingedrucktes oder Statistiken zu übergehen (S.43), mag – wenn wörtlich und ohne Kontext rezipiert – Studierende zu generell oberflächlichem und unkritischem Lesen animieren.

Im dritten Kapitel folgen Beschreibungen der Eigenart unterschiedlicher mündlicher und schriftlicher Präsentationsformen, vom Protokoll bis zu Portfolio und Weblog, vom Praktikumsbericht bis zur Abschlussarbeit. Es werden detaillierte Vorschläge vom Deckblatt bis zum Referieren und Bibliografieren unterschiedlicher Literaturarten unterbreitet. An manchen Stellen erscheint mir der Text zu ausführlich, so, wenn es um Empfehlungen geht, für die an manchen akademischen Ausbildungsstätten feste, vom Buch abweichende Layoutvorschriften bestehen. In knapper Form erfolgen im Kapitel weiterhin Hinweise zur Steigerung sprachlicher Prägnanz. Es wäre schön gewesen, wenn der Mitautor Kaspers diese Empfehlungen und Hinweise in seinen Beiträgen beherzigt hätte. Doch davon gleich mehr.

Autorin der ersten beiden Abschnitte des Kapitels 4 (Darstellung quantitativ und qualitativ ausgerichteter Forschungsprojekte, Praxisprojekte) ist Karin Schleider. Das sinnvolle Unternehmen der Autorin aufzuzeigen, wie die mehr oder weniger verbindlichen Standards der Darstellung von Forschungsarbeiten aussehen, wird durch eine Reihe missverständlicher Aussagen getrübt, deren Zustandekommen ich nicht nachvollziehen kann: So rechnet die Autorin z.B. so genannte non-reaktive Verfahren zu den qualitativen Erhebungsmethoden (S.119), behauptet, in (publizierten) Forschungsarbeiten wären die verwendeten Grafikprogramme anzugeben (S.121), oder suggeriert, experimentelle Untersuchungspläne seien die häufigste Vorgehensweise in quantitativen Studien (was vielleicht auf die Psychologie, nicht jedoch auf die übrigen Sozialwissenschaften zutreffen mag). Es wäre an dieser Stelle besser gewesen, wenn die Autorin stattdessen einen einschlägigen wissenschaftlichen Beitrag aus einer Fachzeitschrift abgedruckt und mit Darstellungshinweisen kommentiert hätte. Verwirrend ist die vorgenommene Abgrenzung der „wissenschaftlichen Projekte“ von „Praxisprojekten“. Diese, durchaus typisch für angewandte Fächer wie die Sozialarbeit, bringen zwar einige Besonderheiten in der Durchführung und Darstellung mit sich. Das macht die Autorin deutlich. Es ist jedoch nicht plausibel, wieso sie hierzu einen eigenständigen Typus kreiert und glaubt, diese Projekte (nur?) handlungstheoretisch begründen zu müssen. Solche Praxisprojekte ließen sich den Evaluations-/Interventionsstudien oder auch, ganz schlicht, kasuistischen Studien subsumieren (auch wenn die Autorin das aufgrund einer eingeschränkten und eigenwilligen Rezeption der methodologischen Literatur nicht tun zu dürfen glaubt).

Ärgerlich wird man bei der Lektüre des 3. Abschnitts des Kapitels 3, „Statistische Basisinstrumente“ (Autor Uwe Kaspers). Es ist schon als mutig zu bezeichnen, gewissermaßen das gesamte Feld der Statistik auf elf Seiten darstellen zu wollen (wovon außerdem sechs halbe Seiten Tabellen mit Beispieldaten beinhalten). Übermütig scheint es mir zu sein, wenn man dann auf diesen Seiten sein Nichtwissen offenbart. Was soll es bedeuten, wenn angeblich bei „nummerischen Daten“ „Regressionen abgeleitet“ (S.141) werden können? Hat Kaspers von geläufigen, wenngleich nicht trivialen Regressionsverfahren für kategoriale abhängige Variablen noch nichts gehört? Eine schlichtweg falsche wissenschaftstheoretische Position favorisiert Kaspers, wenn er statistische Signifikanzen bei Hypothesentests als „statistischen Beweis“ (S.138) für die Geltung einer Alternativhypothese gegenüber einer Nullhypothese ansieht. Man kann sich ausmalen, welche praktischen Folgen es bei Studierenden oder Berufsangehörigen der Sozialarbeit und Sozialpädagogik haben kann, wenn auf diese Weise feine Unterschiede der Forschungslogik eingeebnet werden und die wahrscheinliche Widerlegung einer Nullhypothese mit einer beweiskräftigen Geltung der Alternativhypothese gleichgesetzt wird.

In Kapitel 5 geht es um Formen der Prüfung und um die angemessene Prüfungsvorbereitung. Die Ausführungen sind hier konkret und anwendungsorientiert (wobei man sich den einen oder anderen Hinweis wie z.B. den auf die wünschbare Sauberkeit der Fingernägel des Prüflings hätte schenken können – Norbert Elias lässt grüßen). Sehr detailliert wird auf Prüfungsängste eingegangen. Nützliche Hilfen zu ihrer Vorbeugung und Minderung werden dargestellt. Vergleichbare Tipps bei der Prüfungsvorbereitung (konkrete Lern- und Übungsstrategien) hätten das Kapitel komplett gemacht.

Auf das abstrakt mit „Praxis“ umschriebene Kapitel 6 mit seinen thematisch heterogenen Abschnitten (Teamarbeit und Teamleitung, Netzwerk, Qualitätsmanagement, Hilfeplanung, Gutachten) gehe ich nicht näher ein. Zu den einzelnen Themen gibt es aufschlussreichere und sowohl didaktisch als auch redaktionell besser aufbereitete Einführungen als das vorliegende Buch.

Uwe Kaspers greift in Kapitel 7 ein Thema auf, das man in den Einführungen zum wissenschaftlichen Arbeiten sonst regelmäßig vermisst: EDV-Anwendungen im Rahmen sozialer Dienstleistungen. Das Kapitel enthält eine Fülle von wichtigen Hinweisen. Z.B. werden Möglichkeiten der Tabellenkalkulation, des Aufbaus und der Nutzung von Datenbankprogrammen aufgezeigt. Auch auf die Optimierung geläufiger Internetnutzungen von der Email bis zu Internet- und Datenbankrecherchen wird eingegangen. Kaspers gibt kompetente Tipps und viele Verweise auf wichtige (mediumbedingt manchmal vielleicht kurzlebige) Internetadressen. Verzichtet wird auf eine praktische Anleitung, wie sie für die gut bewerteten anderen Kapitel des Buches charakteristisch ist. Der Verzicht ist begründet, entzieht sich doch das Medium Computer/Internet der ausschließlichen Aneignung über Papier oder über Übungshilfen. Es bedarf vor allem der durch Tipps wie die von Kaspers erleichterten handelnden, erprobenden Erschließung des Mediums. Wenn ich trotz dieser Vorzüge das Kapitel von Kaspers nur eingeschränkt empfehlen kann, so liegt das an der beinahe arrogant zu nennenden Nachlässigkeit bei seiner Abfassung. Es wimmelt hier wie in den anderen Beiträgen Kaspers von Fehlern oder Ungenauigkeiten. Wenn er die Vorzüge von Texterkennungsprogrammen preist und selbstgefällig darauf hinweist, seinen Text mit Unterstützung eines solchen Programms erstellt zu haben, dann sprechen die textlichen Unzulänglichkeiten weder für die Programme noch für den Autor. Es ist mir im Übrigen unverständlich, wieso die MitautorInnen und das Lektorat (eines früher renommierten Verlags) Texte wie die von Kaspers offenbar ungeprüft in den Druck gehen lassen.

Potenzielle Leserschaft und Fazit

Das Fazit kann nicht eindeutig ausfallen. Wie deutlich geworden sein dürfte, zeichnet sich das Buch durch eine schwankende inhaltliche Qualität aus. Die inhaltliche Qualität korreliert mit der Lesbarkeit. Kapitel und Abschnitte mit hohem praktischem Nutzen sind weitgehend auch gut lesbar (Ausnahme ist Kapitel 7).

Stellt sich die Frage, für wen das Buch von Nutzen ist. Entgegen dem Titel ist es vor allem für Studierende geeignet. Die Aufgabe, ein Buch zur Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten für Studierende und Arbeitende im Bereich der Sozialen Arbeit vorzulegen, wird für Studierende – auch im Vergleich zu konkurrierenden Einführungen – auf der Mehrzahl der Seiten befriedigend gelöst. Durch ergänzende und korrigierende Literatur angereichert, eignet sich das Buch für Einführungsveranstaltungen, etwa zum „Wissenschaftlichen Arbeiten und Denken“, in der Ausbildung von Studierenden der Sozialarbeit und  pädagogik. Dieser Funktion in der Ausbildung hat das Buch vermutlich zu verdanken, dass es bereits in 5. Auflage erscheint. Kapitel, die auch für bereits im Beruf stehende SozialarbeiterInnen und  -pädagogInnen interessant sein könnten, sind mit Ausnahme des Kapitels über Zeit- und Arbeitsplatzmanagement entweder zu ungenau (Kapitel 4), zu kurz (Kapitel 6) oder sprachlich unzureichend (Kapitel 7).


Rezensentin
Prof. Dr. Christel Walter
Berlin
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Zitiervorschlag
Christel Walter. Rezension vom 29.04.2009 zu: Elisabeth Badry: Arbeitshilfen für soziale und pädagogische Berufe. Luchterhand Verlag (München) 2008. 5., erweiterte und aktualisierte Auflage. ISBN 978-3-472-06594-4. Reihe: Fachbücherei praktische Sozialarbeit.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-472-07925-5 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/5981.php, Datum des Zugriffs 27.04.2018.


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