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Hans Thäler: Teamwork in Organisationen

Hans Thäler: Teamwork in Organisationen. Ein Handbuch für Mitarbeiter und Führungskräfte. Haupt Verlag (Bern Stuttgart Wien) 2001. 220 Seiten. ISBN 978-3-258-06365-2. 29,00 EUR.

Verlag Freies Geistesleben (Stuttgart) ISBN: 3-7725-2207-6.
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Einführung in das Thema

Moderne Organisationen leben von Gruppenarbeit. Unabhängig davon, ob es sich um Profit- oder Non-Profit-Organisationen handelt, ob es um Produktion oder Management geht – Teamwork ist ein wichtiges Mittel, um die gesteckten Ziele oder Aufgaben zu erreichen. Dass die Arbeit in Gruppen aber nicht immer reibungslos verläuft und manchmal der Zielerreichung geradezu im Wege zu stehen scheint, weiß jeder aus eigenen Erfahrungen und ist auch in der Fachliteratur hinlänglich dokumentiert. Thäler hat ein Buch vorgelegt, dass zur Lösung von Problemen beitragen möchte. Er will "Werkzeuge zur Verfügung stellen, mit denen sich die häufigsten Pannen vermeiden lassen" (aus dem Vorwort).

Hintergründe für die Entstehung des Buches

Gruppenarbeit ist eine seit langem bewährte Methode, um schneller oder effektiver arbeiten und produzieren zu können. Teamwork wird aber nicht nur in der Produktion eingesetzt, sondern in der modernen Arbeitsorganisation nahezu in jedem Bereich, sowohl in Profit- wie in Non-Profit-Organisationen. Konferenzen in Schulen, Besprechungen der Geschäftsleitung von Unternehmen, Teamsitzungen von Sozialarbeitern sind nur einige Beispiele dafür, dass unentwegt Menschen zusammen kommen, um in der Gruppe Probleme zu diskutieren und Lösungen für diese Probleme zu finden. Bei dieser Arbeitsform kann es jedoch häufig selbst zu Schwierigkeiten kommen. Auch hierfür seien mit ineffizienter Sitzungsleitung, falscher zeitlicher oder räumlicher Organisation von Seminaren oder Konflikten, weil Kritik inadäquat geäußert oder akzeptiert wird, nur einige Beispiele genannt. Hans Thäler führt diese Probleme zum Großteil auf die zunehmende Individualisierung in der Gesellschaft und den daraus resultierenden Problemen von Personen in Organisationen, sich etwas sagen zu lassen, zurück. Daraus wiederum entstünden zwischenmenschliche Probleme und Konflikte, die den Ausgangspunkt seines Handbuches darstellen. Er will aber diese Konflikte nicht direkt behandeln, sondern deren tiefere Ursachen angehen, die er in dem Umfeld, in dem sie entstehen, sieht. Ziel des Ratgebers ist es, Menschen in Organisationen eine bessere Kenntnis über Zusammenarbeit und Führung zu vermitteln.

Aufbau, Inhalte und Gliederung

Das Buch hat neun Kapitel auf insgesamt 208 Seiten. Zunächst definiert Thäler die Regeln der Zusammenarbeit, worunter er gegenseitige Verbindlichkeit, Offenheit und Vertraulichkeit sowie Gleichwertigkeit versteht. Er plädiert für die Aushandlung und Festschreibung dieser Regeln, damit sie für alle Betroffenen zur Handlungsmaxime werden.

Im zweiten Kapitel geht es um den richtigen Umgang im Miteinander. Hier werden die Behandlung und die Vermeidung von Konflikten besprochen und als "Werkzeuge" die Transaktionsanalyse und einige Elemente der Gesprächsführung im Zweiergespräch in konkreten Situationen (z.B. dem Informationsgespräch, dem Problemlösungsgespräch, dem "Schlechte-Nachrichten"-Gespräch) angeboten, abschließend gibt Thäler eine Reihe von Tipps zur richtigen Art und Weise Rat zu suchen und zu erteilen.

Das dritte Kapitel heißt Selbstführung und Persönlichkeitsentwicklung, Thäler geht auf sieben (!) Seiten auf so wichtige Themen wie Umgang mit eigenen Stärken und Schwächen, Biografiearbeit, der Balance zwischen Seele und Geist oder Zeitmanagement ein.

Das nächste Kapitel – Führung von Gruppen und größeren Gebilden - ist mit knapp 40 Seiten das umfangreichste des Handbuches. Zunächst wird ein Führungszyklus vorgestellt, der aus folgenden Phasen besteht: Initiative, Analyse, Planung – Entscheidung – Durchführung – Kontrolle, Rechenschaft. Diese Phasen werden dann nach und nach besprochen und wiederum einzelne "Werkzeuge" für effizienteres Handeln zur Verfügung gestellt. Es werden z.B. das Eisenhower-Raster (was ist wichtig, was ist dringlich), die SWOT-Analyse (Strenghts, Weaknesses, Opportunities, Threats), die Zeitanalyse oder das Konzeptraster kurz und meist anhand von konkreten Fallberichten erläutert.

Im fünften Kapitel ist die Gestaltung von Sitzungen Thema. Nach einleitenden Abschnitten über Sitzungsstruktur und Sitzungsrhythmus, werden konkrete Empfehlungen für die Sitzungsvorbereitung, Sitzungsleitung und Protokollierung gegeben.

Die Gestaltung von internen Workshops und Klausuren behandelt die Planung und Durchführung von Workshops von der Festlegung des Themas, der Planung von Zeit und Örtlichkeit, der Vorbereitung und Organisation, wiederum der Leitung, über die Methoden der Arbeit (Gruppenarbeit, Plenum, Hilfsmittel zur Visualisierung) bis hin zur Nachbereitung.

Im siebten Kapitel (Strukturen und Förderung der Zusammenarbeit) werden grundlegende Unterschiede (auch juristischer Art) in den Strukturen zwischen Unternehmen und Non-Profit-Organisationen (und hier wieder die Spezialformen Stiftung und Verein) diskutiert. Thäler geht zum Beispiel auf den Wandel in Unternehmen von der Linienorganisation zu komplexeren Gestaltungsformen ein und sieht den Hauptansatzpunkt für Veränderungen, zumindest für kleine und mittelgroße Unternehmen, in der gezielten Förderung der zweiten Führungsebene.

Das achte Kapitel (Lernformen in Organisationen) ist mit sieben Seiten wieder reichlich knapp, hier wird vor allem das Thema Führungscoaching in verschiedenen Facetten (Einzelcoaching, Führungscoaching in Gruppen, Intervision, Teamtraining) besprochen.

Im neunten und letzten Kapitel geht es um die Zusammenarbeit mit externen Beratern. Thäler gibt Hinweise zur Frage "Wie finden wir die richtige Beratungsperson?". Er beschreibt, wie ein Kontrakt zwischen Organisation und Berater aussehen sollte und verschweigt auch nicht, dass externe Beratung Geld kostet (und dass sie, falls sie umsonst ist, nicht viel wert sein kann).

Ein Literaturverzeichnis und ein Register schließen das Buch ab.

Zielgruppen

Laut Verlag und Autor bietet das Buch Anregungen für Mitarbeiter und Führungskräfte in allen Arten von Organisationen, wobei explizit keine fachspezifischen Kenntnisse vorausgesetzt werden. Nach unserer Einschätzung eignet es sich vor allem für Personen, die tatsächlich keinerlei Kenntnisse im Umgang mit Gruppenarbeit haben und die vielleicht zum ersten Mal vor der Aufgabe stehen, eine Gruppe organisieren oder leiten zu müssen, also zum Beispiel Jugendliche in der ehrenamtlichen Jugendarbeit.

Einschätzung der Tauglichkeit, fachliche Qualifikation des Autors

Hans Thäler (Jg. 1944) hat Betriebswirtschaft an den Universitäten St. Gallen und Delaware studiert, war dann in mehreren Unternehmen tätig und ist seit 1982 freier Unternehmensberater. Seine Haupttätigkeitsfelder sind nach eigener Darstellung Leitbildentwicklung, Konfliktmanagement, Biografiebegleitung und Führungscoaching.

Dass Thäler über einen reichen Schatz an Erfahrungen verfügt, wird in jedem einzelnen Abschnitt des Buches deutlich: Kaum ein "Werkzeug" wird ohne Praxisbeispiel vorgestellt, kaum ein Kapitel ohne ein Beispiel aus seiner Tätigkeit eingeleitet. Dadurch ist das Buch tatsächlich, wie von Verlag und Autor versprochen, sehr leicht lesbar. Jeder, der das Buch von vorne bis hinten durchliest, wird immer wieder "Aha-Erlebnisse" haben und auf Beispiele stoßen, die man selbst auch hätte geben können. Problematisch wird aber dann die Einbettung der Beispiele in den Kontext durch Thäler bzw. für den Leser die Umsetzung der Beispiele auf die eigenen Bedürfnisse. Uns persönlich hat die Haltung von Hans Thäler gestört. Er kommt mit einer "früher-war-alles-besser"-Haltung daher, sieht das Grundübel von Konflikten in modernen Organisationen in Individualisierung und mangelnder Verbindlichkeit der Menschen. Seine Lösungen klingen zwar meist plausibel, es fehlt aber völlig der rote Faden und vor allem eine (oder mehrere) fundierte Theorien, auf denen er seine Empfehlungen stützt. Häufig hat man den Eindruck, dass Thäler seine Kenntnisse und Empfehlungen bei Rudolf Steiner oder aus der Bibel abgeschrieben hat (die beide auch mehrmals zitiert werden). Das, was so konkret daherkommt, ist letztlich oft beliebig und man fragt sich, ob es nicht ebenso gut wäre, manchmal genau das Gegenteil von dem zu tun, was Thäler vorschlägt. Und wenn er ganz konkret wird, zum Beispiel bei einem Vorschlag für einen Zeitrhythmus für einen Workshop-Tag (den er von 8 bis 22 Uhr durchplant), werden die konkreten Vorschläge im anschließenden Text wieder relativiert und man steht so ratlos da wir vorher.

Thälers Sprache ist altmodisch, es ist von rotwangigen Äpfeln als Pausenmahlzeit und Workshops auf Alphütten die Rede. Aber leider ist es nicht nur der altmodische Stil, der uns wenig gefällt, sondern vor allem die Forderung nach Rückbesinnung auf alte Werte (Verbindlichkeiten), die Plädoyers für Einfachheit. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Beim Thema "Visualisierung" plädoyiert Thäler für einen "Weg zurück zur Einfachheit", d.h. Videobeamer und anderer modischer Schnickschnack sind für ihn wenig geeignet, auch Overheadfolien haben nach Thäler vor allem Nachteile (beides lässt sich zum Beispiel schlecht auf den schon genannten Alphütten einsetzen). Hier ist Thäler unseres Erachtens nicht auf der Höhe der Zeit und vor allem der modernen Lernwirkungsforschung. An anderer Stelle sagt Thäler "Eine Zeit lang war es regelrecht Mode, Seminare mit möglichst vielen Gruppenarbeiten zu organisieren", um dann natürlich gegen häufige Gruppenarbeitsphasen zu argumentieren. Auch hier kommt es unserer Meinung nach nicht auf das "Wie oft" sondern auf das "Wie" an und Gruppenarbeit ist allemal spannender als stundenlange Sitzungen im Plenum (was Thäler dann später auch bestätigt).

Fazit

Möglicherweise kann sich der potenzielle Leser die 59 DM sparen. Wer eine Bibel besitzt, lese Matthäus 22, 39. Das Gebot der Nächstenliebe deckt nämlich fast alles ab, was Thäler an Regeln des Miteinanders empfiehlt, die Bibel ist zudem in großen Teilen einfach spannender geschrieben als das vorliegende Buch. Wir können den Ratgeber Mitarbeitern und Führungskräften, die tagtäglich mit den Erfordernissen von Teamarbeit zu tun haben, leider nicht empfehlen. Hierzu gibt es Besseres, weil Spezielleres. Eine Führungskraft, die sich zum Beispiel für Coaching oder Supervision interessiert, findet auf diesen Gebieten weitaus detailliertere Informationen. Mitarbeiter, die einen internen Workshop vorbereiten wollen, finden – je nach Organisation und Fragestellung – ebenfalls Literatur, die gründlicher auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Wer sich aber, wie oben schon erwähnt, zum ersten Mal mit solchen Fragen befasst, dem könnte das vorliegende Handbuch einen ersten Ein- und Überblick geben, mehr aber auch nicht.


Rezension von
Prof. Dr. Rolf van Dick
Professor für Sozialpsychologie an der Goethe Universität Frankfurt
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und
Dipl.-Psych. Oliver Christ
FernUniversität in Hagen, Institut für Psychologie, LG Psychologische Methodenlehre und Evaluation


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Zitiervorschlag
Rolf van Dick/Oliver Christ. Rezension vom 02.01.2002 zu: Hans Thäler: Teamwork in Organisationen. Ein Handbuch für Mitarbeiter und Führungskräfte. Haupt Verlag (Bern Stuttgart Wien) 2001. ISBN 978-3-258-06365-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/60.php, Datum des Zugriffs 24.09.2020.


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