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Michael Stahlmann, Walter Wendt-Kleinberg: Zwischen Engagement und innerer Kündigung

Cover Michael Stahlmann, Walter Wendt-Kleinberg: Zwischen Engagement und innerer Kündigung. Fortschreitender Personalabbau und betriebliche Interaktionskulturen. Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster) 2008. 288 Seiten. ISBN 978-3-89691-678-5.

Schriftenreihe der Hans-Böckler-Stiftung.
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Autoren

Michael Stahlmann ist wissenschaftlicher Referent in der evangelischen Kirche Rheinland, hat zahlreiche Publikationen zum Thema industrielle Arbeitsbeziehungen, Management und Arbeitspolitik. Er war Projektleiter des von der Hans Böckler-Stiftung geförderten Projektes  "Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmuster im Prozess fortschreitenden Personalabbaus"

Walter Wendt-Kleinberg ist wissenschaftlicher Referent  des Instituts für Kirche und Gesellschaft in Iserlohn, ebenso Veröffentlichungen im Themenbereich "Industrielle Beziehungen" und Mitarbeiter im von der Hans Böckler-Stiftung geförderten Projektes  "Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmuster im Prozess fortschreitenden Personalabbaus"

Thema

In den letzten Jahren waren Belegschaften mittlerer und größerer Betriebe immer wieder von Personalabbau betroffen. Untersuchungen zu den Auswirkungen des Personalabbaus fehlen weitgehend. Dies ist eine der ersten Untersuchungen dazu und versucht den Themenkomplex  "Auswirkungen des Vorgehen des Managements beim Personalabbau auf die verbleibenden MitarbeiterInnen" zu erhellen. In drei ausführlichen Fallstudien (Bergbau, Automobilindustrie, Glasproduktion) werden sehr vielfältig Daten gesammelt, ausgewertet und schließlich gegenübergestellt.

Inhalt

Der theoriegeleitete Zugang zum Themenbereich erfolgt zum einen über die sozialpsychologische Ebene (psychologischer Vertrag, Arbeitsemotionen, Krisenverarbeitungsprozesse bei Restrukturierungen, Stressforschung) und zum anderen über die ökonomische Ebene (Transaktionskostentheorie). Ein weiterer theoretischer Zugang erfolgt über einen Industrial Relations-Ansatz mit einem Schwerpunkt auf der betrieblichen Interaktionskultur. Methodisch kam in der Feldarbeit ein wahrer Methodenstrauß zum Einsatz: Begehung, Expertengespräche mit Führungskräften und Betriebsräten, Gruppendiskussionen und qualitative Interviews, Werkszeitung, Presseberichte, Flugblätter, Internetinfos, innerbetriebliche Statistiken, etc. Somit wurde der Qualität im Einzelfall der Vorrang gegeben. Die drei Intensivfallstudien wurden auch nach der Mitbestimmungskultur ausgewählt: So ist es zum einen die montanmitbestimmte Steinkohle AG, zum zweiten ist es Opel Bochum (1976er Unternehmensmitbestimmungsgesetz) und zum dritten ein Pressglas herstellender Mittelbetrieb (Betriebsverfassungsgesetz).

Zu den Ergebnissen: Eine wesentliche Variable ist die (wirtschaftlich notwendige) Geschwindigkeit des Personalabbaus sowie die Art der betrieblichen Mitbestimmung. Sie spiegelt den verbleibenden MitarbeiterInnen das Ausmaß der Wertschätzung der MitarbeiterInnen wider. Die Ausprägung der Interaktionskultur im Unternehmen entscheidet in der Regel über das Ausmaß einer mehr oder weniger sozialverträglichen Abfederung. Ein regulierter Personalabbau modelliert den psychologischen Vertrag immer wieder aufs Neue.
Stress reduzierende Präventions- und Begleitmaßnahmen erweisen sich als notwendig und vermindern negative Folgen. Unternehmen müss(t)en daher in prosperierenden Zeiten finanzielle Rücklagen bilden, um in Krisenzeiten einen Personaltransfer in neue Beschäftigungsfelder finanzieren zu können.
Im Gegensatz dazu befürchten Überlebende betriebsbedingter Kündigungen eine Wiederholung dieses Ereignisses. Die mangelnde Absicherung destabilisiert auch den psychologischen Vertrag mit dem Management und führt so zu teils nicht erwünschten Abgängen.

Fazit

Das Buch liest sich sehr gut, insbesondere der Aufbau für den/die eilige/n LeserIn ist sehr gut gewählt. Dies ermöglicht das kapitelweise Lesen nach Interesse und ein Springen auf interessierende Sachverhalte. Die Ergebnisse dieser Studie sind für Manager und Betriebsräte, die mit Personalabbau konfrontiert werden, insofern von Interesse, als die Auswirkungen der unterschiedlichen Vorgangsweisen auf die Belegschaften eindrucksvoll dargestellt werden. Je nach betrieblicher Situation können die Befunde in das eigene Handeln integriert werden. Geht man von einem zukünftig – demografisch mitbedingtem – Personalmangel aus, so eröffnet sich auch der längerfristig denkenden Führungskraft ein spannender Themenbereich im Sinne von werteorientiertem Führen.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 16.07.2008 zu: Michael Stahlmann, Walter Wendt-Kleinberg: Zwischen Engagement und innerer Kündigung. Fortschreitender Personalabbau und betriebliche Interaktionskulturen. Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster) 2008. ISBN 978-3-89691-678-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6010.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


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