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Dieter Loboda: Bildunterstütztes Coaching

Cover Dieter Loboda: Bildunterstütztes Coaching. Bilder, Träume, Arbeitsplätze. Verlag Dr. Köster (Berlin) 2007. 269 Seiten. ISBN 978-3-89574-665-9. 24,80 EUR.
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Zielsetzung

"Fotocoaching" oder "Bild gestütztes Coaching" fällt für Loboda unter die zeitgemäßen Beratungsmethoden für "Leitende mit beruflicher Anspannung und erhöhtem Zeit- und Termindruck". Auf seiner Homepage öffnet er selber das Spannungsfeld zu dieser Methode mit der Bemerkung, ob Fotocoaching "Zeitgemäße Beratung oder hypnotisch, virtuelle Spielerei?" sei.Loboda, selber Gestalt- und Hypnotherapeut mit 25 jähriger Erfahrung als Dozent und Trainer, möchte mit dem vielfältigen Material des Buches, Gruppen und Einzelpersonen zur Selbst- und Fremdmoderation und zur Lösung von Konfliktsituationen motivieren. Dafür öffnet er für "Trainer, LehrerInnen / DozentInnen, Angestellten von Arbeitsagenturen und andere Menschen, die Verantwortung in der Gesellschaft tragen", seinen Methoden-, Materialien- und Ergebniskoffer und wirbt für seinen Beratungsansatz, der mit Bildern, Fotos und Traumbildern arbeitet.

Loboda ist überzeugt, dass "bei der Betrachtung von Bildern und der emotionalen Bedeutung, die wir daraus ableiten, massgebliche Prozesse zum Erschrecken, zu Frohsinn und Freude, Trauer und Schock, Zufriedenheit und Glück, sogar Heilung auslösbar sind". (S. 268) Mit dieser Überzeugung setzt er sein Material "Bilder" incl. Traumbilder ein.

So wie er auf seiner Homepage schon die möglichen zwiespältigen Gefühle seiner Kunden und Kundinnen aufgreift, thematisiert er auch den ungewöhnlichen Aufbau des Buchs, lädt zum Nachmachen und Kopieren ein, bittet aber, vorschnelle Bewertungen zu vermeiden und die ausdrücklich erwünschte Kritik erst dann an ihn zu richten, wenn man sich auf einen Prozess eingelassen hat.

Aufbau und Inhalt

  • In der Einführung bietet Loboda Grundsätzliches zum Bildverständnis (S.12) zur Zielgruppe des Bild- und Fotocoaching (S. 14) und macht deutlich, welche Macht er der Arbeit mit Bildern zuschreibt: "Wer Gewaltbilder einprägt, trägt Verantwortung dafür". Loboda stellt auch die Quellen vor, aus denen er seinen Methodenmix speist, z. B. Transaktionsanalyse nach Eric Berne, Gestalt Therapie nach Perls, NLP, Kunsttherapie nach Gisela Schmeer und Orientierungsanalyse nach Klaus Lumma. Danach können Lesende und Nutzungswillige in seiner Zusammenstellung von Moderations-, Kooperations- und Motivationsmethoden sich frei bedienen, da die einzelnen Interventionen oder Methoden für sich stehen.
  • Kapitel zwei widmet sich dem Coaching allgemein und z. B. seiner Abgrenzung zu Führung und stellt ein Raster von "sechs Stufen der Veränderung" vor.
  • Kapitel drei widmet sich den "Methoden der Bildnutzung" und beschreibt Übungen und Techniken der Einzel- und Familienarbeit mit Bildern.
  • Kapitel vier widmet sich im Schwerpunkt der Begleitung von Gruppenprozessen, beschreibt z. B. den Rhythmus und den Ablauf dreier Organisationsberatungsprozesse und leitet auf einer Seite zu der Teamübung "Brückenbau" an.
  • Nach Kapitel fünf, in dem Loboda die "Wirkweise von Bildern" ergründet, bieten Kapitel sechs und sieben "Originalaussagen von TN" aus Übungen, und "Geschichten aus dem Alltag" z. B. über die Arbeit mit "positiven Bildern gegen die Stigmatisierung" von Arbeitslosen.
  • Kapitel acht "Arbeitsunterlagen zur Moderation von Bildern", ein weiteres Praxiskapitel, bietet Übungsanleitungen als Kopiervorlagen an z. B. für eine "Vierfeld Selbst- und Situationsanalyse" und eine "Vierfeld Visualisierung" zur lösungsorientierten Bearbeitung von Problemen.
  • Den Abschluss bildet Kap. 9 "Bewerbungshinweise" in dem Übungen zur Arbeit mit Visionen, Informationen zum Ablauf von Bewerbungsgesprächen aber auch eine "Checkliste für Vorträge und Reden" enthalten sind.
  • Professionell gibt er im Anhang seinen Lesern und Leserinnen mit auf dem Weg, bei welcher Art von Bildern oder Geschichten Coaching endet und Therapie nötig ist.
  • Die beiligende CD enthält große Teile des Buchs.

Diskussion

Tatsächlich kommt das Buch selbst voller Bilder daher, wirkt wie eine Collage oder ein Skript: eingescannte Bilder von TN in farbig und schwarz-weiss, mit dem PC angefertigte teilweise mit Bildern angereicherte Visualisierungen für Text, willkürlich und spontan wechselnde Schriftgrössen, wechselnde Formate für Überschriften. Übungsanleitungen, Erläuterungen, theoretische Begründungen oder dokumentierte Ergebnisse umfassen selten mehr als eine Seite. Nur die Kapitel sind durchnummeriert und bieten eine Struktur.

Selten öffnen Kollegen und Kolleginnen in der Trainings- und Beratungsbranche so weit und ungefiltert ihre Koffer mit ihrem Erfahrungsschatz. Loboda hat diesen Koffer, den wir in der Beratungs- und Trainingsbranche sichtbar und unsichtbar mit uns führen, geöffnet. Für gut ausgebildete Kollegen und Kolleginnen finden sich denn auch manche interessante Anregungen oder Verknüpfungen zwischen Methoden und Übungen, auf die man selber noch nicht gekommen ist. Die nächste Gruppe, die man nach der Lektüre anleitet, wird sich freuen. Wenn einem die Hintergründe, Absichten und Haltungen der verwendeten humanistischen Methoden nicht bekannt sind, kann man vieles allein mit Hilfe des Buchs nicht verstehen oder gar nachmachen. Leider enthält der Text viele Tippfehler, die den Eindruck des spontanen, ungefilterten verstärken.

Persönliches Fazit

Eigentlich freute ich mich auf das Buch, sollte es mich doch von einer trockenen, psychologischen Studie mit vielen statistischen Details und bildarmer Sprache zur Auswirkung von Arbeitslosigkeit ablenken. Als ich es in Händen hielt, fühlte ich mich in die Zeit meines großen Umzugs rückversetzt, als ich meine eigenen gesammelten Schätze von 20 Jahren Arbeit mit Gruppen, Organisationen und Einzelne ausmisten musste. Nicht von Allem konnte ich mich trennen. Manches habe ich gescannt und doch nie wieder gebraucht, weil die Arbeitsblätter und Texte, die früher mit Schnippelbüchern und Leuchttischen mühsam angefertigt wurden, den ästhetischen und gestalterischen Ansprüchen heute längst nicht mehr genügen. So wurde die Lektüre dieses Buchs für mich eine Aufforderung, unabhängig von manchem Unzulänglichen in der Gestaltung, nach Schätzen zu suchen, die jeder Berater / jede Beraterin mit so viel Erfahrung wie Loboda haben muss. Bereits im Zug auf dem Weg zu einer Moderation für eine Gruppe in der viele Konflikte erwartet wurden, ließ ich mich von der Lektüre Lobodas inspirieren und fand eine schöne bildreiche Formulierung für die Eröffnung.


Rezensentin
M Sc Hanne Bestvater
Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Hochschule für Soziale Arbeit (HSA), Studienorganisatorin für den Bachelor Soziale Arbeit
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Zitiervorschlag
Hanne Bestvater. Rezension vom 28.07.2008 zu: Dieter Loboda: Bildunterstütztes Coaching. Bilder, Träume, Arbeitsplätze. Verlag Dr. Köster (Berlin) 2007. ISBN 978-3-89574-665-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6013.php, Datum des Zugriffs 20.10.2019.


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