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Karl Hermann Amthauer, Werner Eul (Hrsg.): [...] Erziehung in sozialpädagogischen Berufen 1

Cover Karl Hermann Amthauer, Werner Eul (Hrsg.): Herausforderung Erziehung in sozialpädagogischen Berufen, Band 1. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2006. 322 Seiten. ISBN 978-3-427-03005-8. 24,00 EUR.

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Entstehungshintergrund

Als Antwort auf die Umgestaltung der ErzieherInnenausbildung an den Fachschulen gibt der Bildungsverlag EINS seit 2006 eine vierbändige Reihe heraus. Die bisher erschienenen ersten beiden Bände befassen sich schwerpunktmäßig mit der Elementarbildung. Im dritten Band, der 2008 erscheinen wird, soll es um die Arbeit mit Jugendlichen und Beeinträchtigten gehen, im vierten Band um allgemeinbildende Inhalte wie Kommunikation oder Lern- und Arbeitstechniken.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel soll sich die LeserIn ihrer persönlichen und beruflichen Identität bewusst werden und sie weiterentwickeln:

  • Auseinandersetzung mit der eigenen Situation zu Beginn der Ausbildung
  • Aufgaben der Erzieherin im Elementarbereich
  • Das eigene Verständnis von der Rolle der Erzieherin im Elementarbereich
  • Reflexion von Praxissituationen
  • Überprüfung und Erweiterung des eigenen Rollenrepertoires
  • Entwicklung vom Einzelkämpfer zum Teamarbeiter
  • Organisation eigener Lernprozesse und Vorbereitung auf Prüfungen

Im zweiten Kapitel soll das eigene Bild vom Kindsein reflektiert und Schlussfolgerungen für das erzieherische Handeln gezogen werden:

  • Das Kind als Subjekt
  • Die Erziehungsbedürftigkeit des Kindes
  • Ziele in der Erziehung
  • Verhaltensstörungen als Selbstmitteilung des Kindes

Im dritten Kapitel geht es um die Wechselwirkung zwischen Reifen und Lernen in der kindlichen Entwicklung:

  • Zusammenhang von Reifen und Lernen im Prozess menschlicher Entwicklung
  • Die Bedeutung von Lerntheorien für die Anregung von Erziehungs- und Bildungsprozessen

Im vierten Kapitel wird dazu angeleitet Erziehungssituationen zu erfassen und zu gestalten:

  • Erfassung kindlicher Lebensfelder
  • Kinder wahrnehmen
  • Beobachtungsverfahren als Methoden zur Beschreibung kindlicher Verhaltensweisen
  • Dokumentation von Bildungs- und Lernprozessen
  • Fördermöglichkeiten von Kindern und Begründung  erzieherischer Maßnahmen
  • Begleitung von Entwicklungsprozessen von Kindern im Spiel
  • Traditionspflege und Alltagsgestaltung

Im fünften Kapitel geht es um das Handeln im Bereich der Elementarpädagogik:

  • Der Auftrag als Erzieherin in der Elementarpädagogik und Möglichkeiten der konzeptionellen Umsetzung
  • Konzepte zur Förderung des sozialen und kognitiven Lernen in Kindertagesstätten
  • Planung von zielorientierten Lernarrangements
  • Gestaltung von dialogorientierten Lernarrangements
  • Gestaltung von situationsorientierten Lernarrangements

Im sechsten Kapitel wird die Sprachkompetenz als wichtiger Baustein kindlicher Entwicklung in den Blick genommen:

  • Sprachliche Entwicklungsverläufe von Kindern
  • Sprachliche Defizite von Kindern erkennen und deren Berücksichtigung in der pädagogischen Arbeit
  • Mehrsprachigkeit als Kompetenz

Im siebten Kapitel wird schließlich die Arbeit in multinationalen Gruppen thematisiert:

  • Das Eigene und das Fremde
  • Überlegungen zu den Begriffen Integration, Assimilation, Zuwanderung, Einwanderung und zur Leitkultur
  • Kinder im Widerstreit der Kulturen?
  • Interkulturelle Situationen in Kindertagesstätten pädagogisch nutzen

Jedes einzelne Unterkapitel geht zunächst von dem Vorwissen aus, das die LeserInnen in der Regel mitbringen sollten, wenn sie eine Ausbildung zur ErzieherIn absolvieren. Dabei wird in kurzen Zügen zusammengefasst, worum es bei dem Thema geht und die LeserInnen werden aufgefordert, ihr Wissen zu rekapitulieren, indem sie es ordnen und darstellen. Als Hilfestellung wird auf einschlägige Fachliteratur und auf grundlegende gängige Lehrbücher verwiesen. Daraufhin wird der Bogen zur Berufspraxis einer ErzieherIn geschlagen und Material angeboten, mit dessen Hilfe weitere Kenntnisse erworben werden können, um Praxisprobleme zu lösen. Zum Schluss werden Anregungen gegeben, um das erworbene Wissen möglichst auf eigene Erfahrungen anzuwenden und den eigenen Lernprozess zu reflektieren.

Diskussion

Es ist eine große Herausforderung ein Lehrbuch für die Ausbildung von ErzieherInnen zu schreiben, auch wenn das mit dem Titel des Buches nicht gemeint ist. Nach den neuen Rahmenrichtlinien ist die Ausbildung irgendwo zwischen Schule und Fachhochschule angesiedelt. Das heißt, die Studierenden arbeiten selbstständiger als dies in der Schule gemeinhin üblich ist, werden aber mehr an die Hand genommen als an einer Fachhochschule. Der Beruf der ErzieherIn ist sehr anspruchsvoll, gleichzeitig sorgen die Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung dafür, dass viele als Alternative zur Fachschule auch an die Fachhochschule gehen können und sich häufig diejenigen in der schulischen Ausbildung einfinden, die sich ein Studium nicht zutrauen, weil sie sich bisher in der Schule nicht leicht getan haben. Dieses Problem der Ausbildung spiegelt sich natürlich auch in der Konzeption und Umsetzung eines Lehrbuches wider.

Wie ist dieser Spagat zwischen eigenständigem Lernen und gleichzeitig notwendiger Unterstützung nun gelungen? Eine Besonderheit des Buches ist, dass es nicht meint alles von Grund auf darstellen zu müssen, sondern von einer LeserIn ausgeht, die sich bereits intensiv und fachlich mit dem Thema Erziehung auseinandergesetzt hat und die – wenn sie nicht über alle notwendigen Grundlagen verfügt, auf die aufgebaut wird – in der Lage ist, sich diese selbstständig anzueignen. Dadurch entsteht Raum, Praxisbezüge herzustellen und auf die neuesten Forschungsergebnisse einzugehen. Auch bei den Praxisbezügen geht das Buch von einer LeserIn aus, die bereits Erfahrungen hat und diese kontinuierlich in weiteren Praktika vertieft. Der LeserIn wird nicht mit erhobenem Zeigefinger gesagt, wie die Praxis ist, sondern sie wird methodisch dazu angeleitet auf eigene Praxiserfahrungen zurückzugreifen und diese mit Hilfe der angebotenen Erkenntnisse der zum Teil neuesten Forschung zu analysieren und – zum Teil bezogen auf die eigene Person - zu reflektieren. Dabei gibt es immer auch Hinweise auf weiterführende Literatur und Informationen im Internet. Auf Schulbuchbildchen wird entsprechend dem Alter der AdressatInnnen konsequent verzichtet. Stattdessen gibt es zur Einführung in die einzelnen Themenbereiche immer wieder Fotos und Kunstabbildungen, die zum Gespräch und zum Nachdenken anregen.

Fazit

Ein Buch auf dem neuesten Stand der Forschung, das die Studierenden zum Teil stützend an die Hand nimmt und ihnen zugleich selbstständiges Arbeiten zumutet


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 28.04.2008 zu: Karl Hermann Amthauer, Werner Eul (Hrsg.): Herausforderung Erziehung in sozialpädagogischen Berufen, Band 1. Bildungsverlag EINS GmbH (Köln) 2006. ISBN 978-3-427-03005-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6044.php, Datum des Zugriffs 17.09.2019.


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