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Margy Whalley, Pen Green Centre Team: Eltern als Experten ihrer Kinder

Cover Margy Whalley, Pen Green Centre Team: Eltern als Experten ihrer Kinder. Das „Early Excellence“-Modell in Kinder- und Familienzentren. Dohrmann Verlag (Berlin) 2007. 246 Seiten. ISBN 978-3-938620-07-6. 18,90 EUR.

Mit einer Einleitung von Annette Lepenies.
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Thema

Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Kindergarten und Elternhaus ist ein hochaktuelles Thema. Denn alle Erziehungs- und Bildungspläne der Länder Deutschlands verlangen eine Kooperation von Eltern und Erzieher/innen in Kindertageseinrichtungen. Weiterhin haben die pädagogischen Konzepte der meisten Pläne als Ziel, die Kinder bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben zu unterstützen. Voraussetzung dafür ist, möglichst umfassend die Lebensbedingungen der Kinder zu kennen und mit den Eltern das pädagogische Planen und Handeln abzustimmen. Nur wenn Eltern möglichst eng ins Geschehen der Einrichtung eingebunden werden, gelingt es auch, den Forderungen einer solchen Pädagogik gerecht zu werden. Die Erziehungs- und Bildungspläne formulieren Ansprüche einer Kooperation mit den Eltern nur in allgemeiner Form und geben kaum Hinweise, wie solche Ziele im Alltag eingelöst werden können. Die Ausgangslage für die geforderte Kooperation mit den Eltern ist auch deshalb prekär, weil bisher kaum ausgereifte Erfahrungen dazu existieren. Die vorliegende Veröffentlichung kann Anregungen für eine gelingende Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Elterhaus aufzeigen.

Entstehungshintergrund

In der Veröffentlichung „Eltern als Experten ihrer Kinder“ wurden Beiträge zusammengestellt, die von Mitarbeiter/innen aus dem Pen Green Centre in Corby – einer Stadt in Nordengland, verfasst wurden. Das Pen Green Centre wurde 1983 für Kinder und Familien eingerichtet. Ein Team von Mitarbeitern aus verschiedenen Berufen ist dort tätig. Sie entwickelten den Early Exzellence-Ansatz. Dieses Konzept war gleich von Beginn an auf die Einbindung von Eltern ausgerichtet. Mehr noch: Die Eltern wurden als zentrales Element aller pädagogischen Bemühungen gesehen. Dieser Einbezug der Eltern geht sogar so weit, dass Eltern den Forschern im pädagogischen Feld gleichgestellt werden. Da diese Zusammenarbeit von Eltern und Pädagogen/innen auf Erfahrungen von mehr als zwanzig Jahren zurückblicken kann, sind die Beiträge ein Resümee der Erfolge und Rückschläge dieser Praxis.

Aufbau und Inhalte

Das Buch besteht aus zwölf Kapiteln, in denen die pädagogische Arbeit des Pen Green Centre beschrieben wird.

Die Berliner Psychologin Annette Lepenies bietet eine Einleitung zu den Beiträgen, in der das Early Excellence Konzept so vorgestellt wird, wie es in England entwickelt wurde, und zugleich berichtet sie von den Erfahrungen, die bei der Übertragung des Konzepts auf Einrichtungen in Berlin gewonnen wurden.

Es schließen sich die Beiträge der Autoren/innen aus England an: Die ersten zwei Aufsätze erläutern nochmals die Grundlagen der pädagogischen Arbeit im Pen Green Centre. Zugleich werden auch die Schwierigkeiten, Blockaden und Rückschläge bei der Einführung und Umsetzung dieses Ansatzes dargestellt.

Die folgenden zehn Beiträge stellen die vielfältigen Erfahrungen, Erkenntnisse und Projekte dar, die in der Zusammenarbeit mit Eltern in der Kinderkrippe (Growing Together-Gruppen mit Kindern von Null bis Drei), im Kindergarten und in der Grundschule gewonnen wurden. Die Beiträge zeigen anschaulich, wie eine Kooperation mit den Eltern initiiert und vertieft werden kann, wenn mit viel Einfallsreichtum und Engagement neue Wege erprobt und sie zugleich mit Beharrlichkeit und Experimentierfreude ausgebaut werden. So wurde beispielsweise ein System entwickelt, das die Lebenswelt der Familien beschreibt und zugleich wird damit folgendes deutlich: Wie beschäftigen sich die Kinder außerhalb der Einrichtung und wo halten sie sich auf. Weiterhin, wie ist der Alltag der Familie strukturiert. Daraus wird ersichtlich, welche Zeiten können für eine Kooperation genutzt werden. Für Eltern und vor allem für Väter, die schwer erreichbar waren, haben die Mitarbeiter/innen eigene Formen des Erfahrungsaustausches erprobt und überprüft.

In mehreren Kursen werden die Eltern in die verwendeten Beobachtungs- und Dokumentationsformen eingewiesen. Zugleich ist dabei beabsichtigt, dass sich die Eltern kritisch dazu äußern und ihre Erfahrungen und Ansichten vortragen, damit dieser Diskussionsprozess gemeinsam Begriffe und Vorgehensweisen herausarbeitet. Von der Einrichtung werden den Eltern Videogeräte zur Verfügung gestellt, damit können sie zu Hause Entwicklungsschritte ihrer Kinder aufzeichnen. Diese Dokumente werden gemeinsam beraten und ausgewertet. Ein derartig intensiver und praktischer Austausch von Beobachtungen und Erfahrungen zwischen Eltern und Mitarbeiter/innen des Pen Green Centres berechtigt zur Behauptung, auch die Eltern sind in dieser Einrichtung anerkannte und akzeptierte Forscher von Entwicklungs- und Bildungsfortschritten ihrer Kinder.

Diskussion

Die angesprochenen Beispiele machen deutlich, die Veröffentlichung bietet eine Fülle von Erfahrungen und sehr praktischen Anregungen, wie eine Kooperation mit Eltern in Kindertageseinrichtungen intensiviert werden kann. Das beschriebene Konzept und die vielen Beispiele aus der Praxis gehen aber weit über das hinaus, was in Einrichtungen in Deutschland vorgesehen ist und umgesetzt werden kann. Denn die Arbeit im Penn Green Centre entspricht eher der Arbeit von Familienzentren und kann daher nur annähernd ein Vorbild für Kindertageseinrichtungen sein. Beispielsweise werden in diesen Zentren Family Workers eingesetzt, die den Kindertageseinrichtungen fremd sind und solche Zusatzkräfte für eine intensive Elternarbeit auch nicht vorgesehen sind. Auch wenn die Kooperation mit den Eltern in Kindertageseinrichtungen von den beschriebenen Erfahrungen noch weit entfernt ist, sollten sie zu ungewöhnlichen Aktionen und zu neuen Initiativen anregen. Vor allem die beinahe revolutionäre Philosophie für ein uneingeschränktes Engagement in der Einbindung von Eltern kann neue Horizonte aufreißen.

Pädagogen/innen, die jedoch erst am Anfang der Zusammenarbeit mit Eltern stehen, könnten durch die Flut an Aktivitäten, die beschrieben wurden, und durch den hohen Einsatz eher entmutigt werden und resignierend feststellen: „Bei uns funktioniert dieses Konzept nicht!“ Daher wäre auch eine eingehende Darstellung von Erfahrungen aus der Übertragung auf deutsche Verhältnisse vorteilhaft gewesen.

Fazit

Elternarbeit ist heute unverzichtbar in Kindertageseinrichtungen. In einigen Bildungs- und Erziehungsplänen wird sogar von der Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen hin zu Familienzentren gesprochen. Daher sollte für alle sozialpädagogischen Fachkräfte die Lektüre dieser Publikation Pflicht werden.


Rezensent
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München


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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 05.03.2009 zu: Margy Whalley, Pen Green Centre Team: Eltern als Experten ihrer Kinder. Das „Early Excellence“-Modell in Kinder- und Familienzentren. Dohrmann Verlag (Berlin) 2007. ISBN 978-3-938620-07-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6070.php, Datum des Zugriffs 22.09.2019.


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