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Benedikt Sturzenhecker, Reinhard Winter (Hrsg.): Praxis der Jungenarbeit

Cover Benedikt Sturzenhecker, Reinhard Winter (Hrsg.): Praxis der Jungenarbeit. Modelle, Methoden und Erfahrungen aus pädagogischen Arbeitsfeldern. Juventa Verlag (Weinheim) 2002. 248 Seiten. ISBN 978-3-7799-0971-2. 17,00 EUR, CH: 31,00 sFr.

Praxishilfen für die Jugendarbeit.
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Thema

Das Buch von Sturzenhecker und Winter bietet einen aktuellen Zugang zu Grundsätzen der Jungenarbeit und eine Vertiefung dieser Ansätze für etliche Bereiche der Jugendarbeit. Es eröffnet darüber hinaus Transfermöglichkeiten für weitere Felder. Jungenarbeit wie sie hier vorgestellt wird orientiert sich "(...) an den Potenzialen des Junge- und Mannseins, konkret bezogen auf verschiedene Zielgruppen (...)" und beachtet außerdem kritisch problematische Formen männlicher Lebensbewältigung. (vgl. S.9)

Hintergrund/Entstehung/Vorgeschichte

Jungenarbeit ist die geschlechtsbezogene Arbeit von erwachsenen Männern mit Jungen die zu Männern werden. In den letzten 17 Jahren hat sich viel in der Herangehensweise an diese Thematik verändert. Jungenarbeit braucht heute keine Definition mehr wie z.B. "antisexistisch", "reflektiert", "emanzipatorisch" oder "kritisch". Was Jungenarbeit heute braucht, sind methodische und konzeptionelle Standards, die sich an den Jungen und dem was sie "mitbringen" orientieren und dazu das professionelle Engagement von geschlechtsbewußten Jungenarbeitern. Auf dieser Basis, aufbauend auf eigener Forschung (IRIS-Projekt), fußend auf ausgiebiger Erfahrung und entstanden aus gründlichen Reflexionen bedienen die Herausgeber und die vielen Autoren aus den Praxisfeldern in diesem Buch den Wissensdurst aller an der Thematik Interessierten. Auf eine ideologische Etikettierung wird zugunsten anwendbarer Qualität verzichtet.

Aufbau/Inhalte/Gliederung

Der erste Teil des Buches widmet sich den Modellen und Vorstellungen aktueller Jungenarbeit und bietet eine offene Auseinandersetzung zu Grundsätzen und Haltungen in der Arbeit mit Jungen. Der Bezug auf konkrete Praxis und Erfahrungen untermauert diese Darstellung gründlich. Die Ergebnisse aus dem IRIS-Projekt "Jungenpädagogik", die Erfahrungen aus der Arbeit mit dem Variablenmodell "balanciertes Jungesein" (Winter, R. & Neubauer, G. dies und das - Das Variablenmodell "balanciertes Junge- und Mannsein". Tübingen: Neuling Verlag. 2001), die Darstellung von Arbeitsprinzipien aus der Jungenarbeit und schließlich eine Stellungnahme zu der Beziehungsgestaltung durch den Pädagogen, den Jungenarbeiter, bieten eine umfassende Orientierung und Unterstützung in der Entwicklung zukünftiger, eigener Arbeitsweisen für die Jungenarbeit.

Der zweite Teil ist einigen Arbeitsfeldern gewidmet in denen Jungenarbeit Anwendung finden kann. Aus den Bereichen Beratungsstelle (Martin Zahn), Supervision (Lothar Reuter), Familienhilfe (Patrik Nagel), stationäre Unterbringung (Gunter Neubauer), Jugendgerichtshilfe (Reinhard Merten-Melching / Benedikt Sturzenhecker), Arbeitsgemeinschaften nach § 78 KJHG (Dietmar Lipkow), Schule (Kai Kabs) und Offene Jugendarbeit (Roland Jähnigen) werden Erfahrungen anhand konkreter Beispiele geschildert, die in ihrer Weise typischen oder beispielhaften Charakter für die Felder besitzen. Wesentliche Lernerfahrungen und Inhalte werden transparent und lebensnah vermittelt und können als Beispiel für den Umgang mit den beschriebenen Jungenthemen auch für andere Arbeitsfelder dienen.

Der dritte Teil widmet sich Themen und Methoden von Jungenarbeit und zeigt ebenso eine hohe Übertragbarkeit bzw. Tauglichkeit der aufgeführten Beispiele für viele verschiedene Arbeitsfelder, wie auch die Beispiele im zweiten Teil. Die Bearbeitung der Themen Sexualaufklärung (Reinhard Winter), Metallschweißen als gestalterisches Angebot (Thomas Schmidt), Selbstbehauptungstraining (Josef Riederle), Jungen gestalten Radio (Harald Sickinger), Jungen und Alkohol (Benedikt Sturzenhecker) und Videoproduktion mit Jungen (Andreas von Hören) schildern beispielhaften Umgang mit den Bedürfnissen, Lebenslagen, Wünschen, Fähigkeiten und Fragen von Jungen. Mit ihren nachvollziehbar dargestellten Erfahrungswerten können diese Beiträge als Anregung, Orientierung und als direkte Hilfe zum Gelingen entsprechender Bearbeitung gleicher oder ähnlicher Themenstellungen in der Arbeit mit Jungen dienen.

Zielgruppen

Dieses Buch ist gleichermaßen für alle (nicht nur Männer), die mit der geschlechtsbezogenen Arbeit mit Jungen beginnen wollen, wie auch für diejenigen, die bereits länger in diesem Bereich tätig sind und an einer Weiterentwicklung ihrer Arbeit interessiert sind. Darüber hinaus ist dieses Buch auch geeignet für diejenigen, die Jungenarbeit in ihrem organisatorischen Umfeld implantieren oder festigen wollen, da es viele Informationen zum Wert und zum Gelingen von Jungenarbeit liefert.

Tauglichkeit/Lesbarkeit/Nützlichkeit/Qualifikation

Der starke Bezug zur Praxis, deren breites Spektrum und das hohe Niveau der fachlichen Reflexionen lässt keinen Zweifel an der Tauglichkeit dieses Werkes aufkommen. Reinhard Winter und Benedikt Sturzenhecker gehören in Fachkreisen ohnehin zur Spitze. Eine Einschätzung die sie in diesem Band durch ihre eigenen Beiträge und durch die Auswahl der Beiträge der anderen Autoren wieder bestätigt haben. Dieses Werk ist so gehaltvoll, dass für Neueinsteiger ohne viel Vorwissen, der erste Teil möglicherweise etwas anstrengend werden könnte. Insgesamt ist das Buch nicht nur gut lesbar, sondern an vielen Stellen richtig spannend.

Fazit

Dieses Buch ist ein Muß für alle an der Jungenarbeit Interessierten. Es formuliert Ziele und liefert zugleich mögliche Werkzeuge mit entsprechenden Bedienungsanleitungen, ohne den Anspruch zu erheben, den einzig richtigen Weg gefunden zu haben. Es bietet somit Orientierungshilfe, macht Mut und liefert Argumente. In der fachlichen Auseinandersetzung mit Jungenarbeit zeigt es sich hoch aktuell, was sich besonders in dem Bezug auf das Variablenmodell "Balanciertes Jungesein" (siehe oben) und in der Ressourcenorientierung der Arbeitsansätze abzeichnet.. Andere aktuelle Fragen wie z.B. die mögliche Bedeutung von Gender Meinstreaming für die Jungenarbeit oder die Bedeutung weiblicher Pädagoginnen in der geschlechtsbezogenen Arbeit mit Jungen werden zwar angesprochen, bekommen aber leider nur sehr wenig Raum.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Gregor Prüfer
M.A. Päd. / Dipl. Soz.-Päd.(FH) War lange tätig in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit; Aktiv in der Vernetzung von Jungenarbeit in München seit 1993 (www.netzwerk-jungenarbeit.de), freiberuflicher Fortbildungsreferent zu Themen der Genderpädagogik und zu Gender Mainstreaming seit 1999. Seit 2005 Mitarbeiter im Münchner Informationszentrum für Männer mit den Schwerpunkten Männerberatung und Gruppenarbeit für Männer mit Gewalthintergrund (www.maennerzentrum.de), seit WS 2008/09 auch Lehrbeauftragter an der Katholischen Stiftungshochschule München (www.ksh.de). Seit 2011 außerdem Mitarbeiter am Pädagogischen Institut in München, zuständig für Geschlechtergerechte Pädagogik und Jungenförderung an den Städtischen Münchner Schulen (www.pi-muenchen.de).
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Zitiervorschlag
Gregor Prüfer. Rezension vom 04.02.2003 zu: Benedikt Sturzenhecker, Reinhard Winter (Hrsg.): Praxis der Jungenarbeit. Modelle, Methoden und Erfahrungen aus pädagogischen Arbeitsfeldern. Juventa Verlag (Weinheim) 2002. ISBN 978-3-7799-0971-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/614.php, Datum des Zugriffs 28.11.2020.


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