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Kerstin Adam, Stephanie Bruel u.a.: Europäische Werte

Rezensiert von Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer, 01.05.2008

Cover Kerstin Adam, Stephanie Bruel u.a.: Europäische Werte ISBN 978-3-89974-371-5

Kerstin Adam, Stephanie Bruel, Andreas Keller, Anne Marschner, Michael Matern u.a.: Europäische Werte. Les valeurs européennes. Ein Bildungsprojekt für Jugendliche - Handbuch für Multiplikatoren. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2008. 239 Seiten. ISBN 978-3-89974-371-5. 39,00 EUR.
Reihe: Multiplikatorenpaket Politische Bildung. Herausgegeben von ASKO EUROPA-STIFTUNG; Europäische Akademie Otzenhausen GmbH; FORUM EUROPA e.V.; Stiftung Forum EUROPA.

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Europäische Identität – Illusion oder Vision ?

In der Entwurfsfassung der (bisher) von den Europäern nicht verabschiedeten "Verfassung für Europa" heißt es in der Präambel u. a.: "In dem Bewusstsein, dass der Kontinent Europa ein Träger der Zivilisation ist und dass seine Bewohner, die ihn seit den Anfängen der Menschheit in immer neuen Schüben besiedelt haben, im Laufe der Jahrhunderte die Werte entwickelt haben, die den Humanismus begründen: Gleichheit der Menschen, Freiheit, Geltung der Vernunft". Das bisherige Scheitern des Verfassungsprozesses, der ja hinführen sollte zu einem "in Vielfalt geeinten" Europa, darf kein Menetekel der Unfähigkeit der Europäer sein; vielmehr müssen sich die Anstrengungen verstärken, der "Feierlichen Deklaration zur Europäischen Union" (1983) und den Initiativen des Erweiterungsprozesses weitere Schritte eines Vereinten Europas folgen zu lassen.

Bei den Europäern ein Bewusstsein zu schaffen, dass es gemeinsame Werte und damit Identifikationsmöglichkeiten für ein vereinigtes Europa gibt, gehört von zu den Zielen, eine "Utopie Europa" zu verwirklichen. Im Vordergrund stand und steht dabei von Anfang an die Überzeugung, dass es gelingen muss, "das Bewusstsein der jungen Menschen für die europäische Identität zu stärken und ihnen den Wert der europäischen Kultur und der Grundlagen, auf welche die Völker Europas ihre Entwicklung heute stützen wollen, nämlich insbesondere die Wahrung der Grundsätze der Demokratie, der sozialen Gerechtigkeit und der Achtung der Menschenrechte zu verdeutlichen", wie dies in der Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Minister für das Bildungswesen vom 24. 5. 1988 formuliert wurde. Bereits am 8. Juni 1978 hat die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) für die Bundesrepublik Deutschland als pädagogischen Auftrag proklamiert. Dass die Verwirklichung der europäischen Idee in erster Linie durch empathische Begegnung der Menschen dieses Kontinents möglich ist, hat zur Gründung des Deutsch-Französischen-Jugendwerks 1963 und von ähnlichen Aktivitäten auch mit anderen Ländern geführt. Erwähnt sollten in dem Zusammenhang auch die Initiativen werden, für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit curriculare Projekte durchzuführen, wie etwa die Herausgabe eines "Europäischen Lesebuchs" und eines "Europäischen Geschichtsbuchs" (beide erstmals 1992 erschienen). Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus reagierte übrigens verärgert auf den kürzlichen Vorstoß der Bundesbildungsministerin Annette Schavan und des Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg, ein "Europäisches Geschichtsbuch" zu entwickeln: "Diese Vorstoß ist grundsätzlich zu begrüßen. Ärgerlich aber ist es, wenn die Politik in ihrer Vergesslichkeit das Rad ständig neu erfindet. Dieses Europäische Geschichtsbuch gibt es nämlich in höchster Qualität seit 1992. Es ist entstanden nach einer Initiative des Deutschen Lehrerverbandes und des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands aus dem Jahr 1989. Erarbeitet wurde das 384 Seiten umfassende und für Deutschland im Klett-Verlag erschienene Buch von Historikern aus zwölf europäischen Ländern. Zugleich wurde es in Frankreich, Belgien, Griechenland, Italien, Portugal und in den Niederlanden verlegt. Wenn dieses Buch in Deutschland noch nicht zum schulischen Grundbestand gehört, dann liegt dies an den 16 Kultusministern, die diesem Buch bislang nicht den Rang eines Schulbuches zuerkannt haben. Zu diesen Kultusministern gehörte in den Jahren 1995 bis 2005 auch Frau Schavan als zuständige Ministerin in Baden-Württemberg. Hier wurde insgesamt viel verschlafen, was für die historische Grundbildung gerade auch im Zuge der EU-Ost-Erweiterung wichtig gewesen wäre".

Nimmt man diese Kritik Ernst, dann stellt sich die Frage, welche didaktisch-methodische Anregungen für die konkrete schulische und außerschulische Bildungs- und Begegnungsarbeit zur Verfügung stehen. Zwar bieten die Bundeszentrale für politische Bildung und einige Landeszentralen eine Reihe von Materialien an, doch ein "handlicher Apparat", den man getrost auch unterm Arm nehmen und für die praktische Arbeit benutzen kann, steht bisher nicht zur Verfügung.

Inhalt

Deshalb ist es erfreulich, dass Praktiker der ASKO Europa-Stiftung Saarbrücken, der Europäischen Akademie Otzenhausen, des Forums Europa e.V. und des Forums Europa Luxemburg nunmehr ein Handbuch vorlegen. Dabei geht es nicht darum, "bestimmte Werte und eine europäische Identität zu propagieren"; vielmehr soll mit den Informationen und Lernanregungen die Möglichkeit angeboten werden, "sich mit Europa, seinen Werten und deren Bedeutung auseinander zu setzen, sich … selbstbestimmt und kreativ (zu) beschäftigen". Fünf Werte werden formuliert, die als Module und in didaktisch-methodischen Schritten vorgestellt werden:

  1. Gleichheit,
  2. Demokratie,
  3. Freiheit,
  4. Menschenrechte und
  5. Rechtsstaatlichkeit.

Weil vornehmlich, aber nicht ausschließlich, der gefällig aufgemachte und stabil gearbeitete Ordner, für die (Zusammen)Arbeit von deutschen und französischen Jugendlichen vorgesehen ist, sind die einzelnen Module in deutscher und französischer Sprache verfasst. In der beigefügten CD-ROM sind die Informationen und Arbeitsmaterialien in Deutsch und Französisch gegenüber gestellt. Auf der CD befinden sich weitere Texte und Hinweise für die als Partner- und Gruppenarbeit angelegten Übungen. Auf ausgewählte Literatur und nützliche Internetseiten, ebenfalls in deutscher und französischer Sprache, wird verwiesen.

Fazit

Das Multiplikatorenhandbuch "Europäische Werte – Les valeurs européennes" ist ein nützlicher Anreger für eine europäische Bildungsarbeit, wie angedeutet, nicht nur bei Seminaren und Begegnungen zwischen französischen und deutschen Jugendlichen, sondern auch bei internationalen Programmen mit anderen Europäern, jungen und alten. Der Ordner gehört an die Arbeitsplätze all derjenigen, die an einem geeinten Europa mitarbeiten und die "entschlossen sind, die alten Trennungen zu überwinden und immer enger vereint ihr Schicksal gemeinsam zu gestalten".

Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 01.05.2008 zu: Kerstin Adam, Stephanie Bruel, Andreas Keller, Anne Marschner, Michael Matern u.a.: Europäische Werte. Les valeurs européennes. Ein Bildungsprojekt für Jugendliche - Handbuch für Multiplikatoren. Wochenschau Verlag (Frankfurt am Main) 2008. ISBN 978-3-89974-371-5. Reihe: Multiplikatorenpaket Politische Bildung. Herausgegeben von ASKO EUROPA-STIFTUNG; Europäische Akademie Otzenhausen GmbH; FORUM EUROPA e.V.; Stiftung Forum EUROPA. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6173.php, Datum des Zugriffs 28.01.2023.


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