socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Peter Subkowski (Hrsg.): Aggression und Autoaggression bei Kindern und Jugendlichen

Cover Peter Subkowski (Hrsg.): Aggression und Autoaggression bei Kindern und Jugendlichen. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2002. 175 Seiten. ISBN 978-3-525-46165-5. 19,90 EUR, CH: 35,90 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Einführung in das Thema

Eine Veröffentlichung im V & R-Verlag zum Thema aggressiven und autoaggressiven Problemverhaltens im Kindes- und Jugendalter darf sich fachlichen Interesses sicher sein. Aggressive Störungen des Sozialverhaltens und autoaggressive Selbstregulationsstörungen stellen mit die höchsten Anforderungen an psychotherapeutische Behandlungskonzepte und das therapeutische "Personal". Eine erste Hilfe bei der Begegnung mit der Thematik in der therapeutischen Praxis ist eine angemessene Differenzierung verschiedener Typen und Auftrittsformen des kritischen Verhaltens, wobei bislang keine allgemein akzeptierte Einteilung vorliegt. Der Focus der Beiträge des Buches liegt überwiegend auf "expressiven" Aggressionen und Selbstverletzungen zur Spannungsregulation, die häufig den Anlass zur Aufnahme einer psychotherapeutischen Behandlung bilden.

Enstehungshintergrund, Herausgeber und Autoren

Das Buch ist hervorgegangen aus einer Fachtagung in der psychosomatisch/ psychotherapeutischen Paracelsus-Wittekindklinik in Bad Essen. Es umfasst acht Einzelbeiträge und ein kurzes Vorwort des Herausgebers. Peter Subkowski, promovierter Facharzt und Psychoanalytiker ist Leitender Arzt des Bad Essenser Paracelcus-Therapiezentrums. Die Mehrzahl der weiteren Autoren ist ebenfalls Arzt, in der Regel mit hoher fachärztlicher Qualifikation und psychoanalytischer therapeutischer Orientierung. Ausnahmen bilden der Beitrag von Klaus Hurrelmann und die Mitautorschaft des Psychologen Michael Ries.

Aufbau und Inhalte

Klaus Hurrelmann gibt im ersten Beitrag einen interessanten soziologischen Überblick über wichtige Ergebnisse der Gewalt- und Aggressionsforschung; allerdings ohne Nachweise der herangezogenen "einschlägigen" Studien, die in anderen Veröffentlichungen des Autors enthalten sind. Hierdurch ergibt sich ein eher essayistischer Charakter des Textes. Dies gilt auch für den nachfolgenden Beitrag, der sich mit der Gut-Böse-Polarität in der abendländischen Geistes- und Medizingeschichte befasst (Beate A. Schücking). Die weiteren Beiträge nehmen eine psychotherapeutische Perspektive auf das Thema ein. Gemeinsam ist den Autoren dabei eine psychoanalytische Ausrichtung, jedoch mit recht unterschiedlicher Gewichtung von Theorie und Empirie. Theoretisch elaborierte psychoanalytische Konstruktionen erfolgen zum Zusammenhang von Traumatisierung und Aggressionsbereitschaft (Mathias Hirsch), zur Psychodynamik selbstverletzenden Verhaltens (Gustav Bovensiepen) und vom Herausgeber. Der Beitrag Peter Subkowskis setzt sich besonders mit klassischen und aktuellen psychoanalytischen Auffassungen von Aggression und Autoaggression auseinander. Stärker empirisch-phänomenologisch angelegt sind eine Arbeit zu den interaktionellen Auswirkungen selbstverletzenden Verhaltens im therapeutischen Team (Rainer Georg Siefen, Michael Ries & Khalid Murafi) und ein Beitrag, der sich mit den Voraussetzungen zur Behandlung aggressiver und autoaggressiver Störungen und den therapeutischen Wirkfaktoren befasst (Rainer Hoffmann). Die Beiträge sind überwiegend mit Fallbeispielen unterlegt. Der Schlussbeitrag von Franz Resch und Eginhard Koch leistet auf wenigen Seiten einen fundierten Beitrag zum Verständnis der spannungsregulierenden Selbstverletzungssymptomatik und setzt sich mit aktuellen Behandlungsansätzen auseinander.

Diskussion und Gesamteinschätzung

Die deutlichen inhaltlichen und methodischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Beiträgen des Buches machen eine zusammenfassende Einschätzung schwer. Einige Texte werden vor allem für Leser interessant sein, die in enger Tuchfühlung mit dem psychoanalytischen Theoriediskurs stehen, andere Beiträge des Buches sind aufgrund ihrer eher phänomenologisch-interaktionellen Ausrichtung für eine allgemeine psychotherapeutische Auseinandersetzung hilfreich, insbesondere mit dem Problem selbstverletzenden Verhaltens. Hervor zu heben ist der "Heidelberger" Beitrag von Resch & Koch. Gewonnen hätte das Buch durch eine das Titel-Thema stärker eingrenzende Einleitung, für die eine kritische Übersicht über verschiedene Einteilungsversuche aggressiven und autoaggressiven Verhaltens wünschenswert gewesen wäre.


Rezension von
Dr. Christian Brandt
Psychologischer Psychotherapeut, Diplom Soziologe,
Kinder- und Jugendpsychiatrie am Zentrum für Psychiatrie Weinsberg
E-Mail Mailformular


Alle 39 Rezensionen von Christian Brandt anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Christian Brandt. Rezension vom 03.12.2002 zu: Peter Subkowski (Hrsg.): Aggression und Autoaggression bei Kindern und Jugendlichen. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2002. ISBN 978-3-525-46165-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/618.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung