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Sabine Weinberger: Kindern spielend helfen (personenzentriert)

Cover Sabine Weinberger: Kindern spielend helfen. Eine personzentrierte Lern- und Praxisanleitung. Juventa Verlag (Weinheim) 2007. 3., ergänzte Auflage. 308 Seiten. ISBN 978-3-7799-2061-8. 22,00 EUR, CH: 38,10 sFr.

Reihe: Edition sozial.

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Thema

In der Reihe „Edition Sozial“ veröffentlichte die Autorin Sabine Schlippe-Weinberger im Oktober 2000 die erste Auflage des vorliegenden Buches, dass 2007 in der 3., ergänzten Auflage erschien. Die Veröffentlichung nennt sich eine Lern- und Praxisanleitung für Fachkräfte in helfenden Berufen für Kinder, die sich die spielerische Kraft von Kindern zu nutze macht. Der Autorin gibt eine Einführung in die Theorie und Praxis der Beratung und Psychotherapie von Kindern durch einen spielerischen Zugang zu den betroffenen Kindern. Nach einer theoretischen Einführung werden viele Übungen und Beispiele aufgezeigt.

Autorin und Entstehungshintergrund

Sabine Schlippe-Weinberger ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Ausbildnerin für Personenzentrierte Beratung und Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen. Weiterhin war die Autorin von 1978 bis 2001 Lehrbauftragte an der Universität Bamberg für Klientenzentrierte Gesprächsführung und Personzentrierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Die vielfältigen Erfahrungen, die sie in ihrer praktischen Tätigkeit sammelte und die jahrelange Tätigkeit als Ausbildnerin hat dazu geführt, dass zahlreiches Material strukturiert und Übungen erprobt werden konnten.

Aufbau

Die Autorin hat das Buch in zwei Teile gegliedert:

  1. im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen erläutert und
  2. im zweiten Teil geht es um die Praxis der Arbeit mit Kindern.

1.Theoretische Grundlagen

  • Die theoretischen Grundlagen befassen sich mit der Frage nach speziellen Anforderungen an die Arbeit mit Kindern im psychosozialen Bereich. Hier werden Begriffe wie Beratung, Pädagogik und Psychotherapie erläutert und der Unterschied der Arbeit mit Erwachsenen und Kindern erläutert.
  • Der Personzentrierte Ansatz wird, passend zum Erfahrungshintergrund der Autorin, mit seinem Menschenbild und seiner Persönlichkeitstheorie, dem Beziehungsangebot an die Klienten im Personzentrierten Konzept und der Personzentrierten Kinderpsychotherapie vorgestellt.
  • Kapitel 3 befasst sich mit der Entwicklungspsychologie von Kindern. Hier werden aktuelle Erkenntnisse aus der Säuglingsforschung und der Bindungsforschung vorgestellt, sowie altersspezifische Grundlagen für Kinder in der Altersgruppen 3-6 Jahre und 6-12 Jahre vorgestellt. Alle diese drei Bereiche im Kapitel 3 werden auf ihren Bezug zur therapeutischen Arbeit beleuchtet.
  • Ein wesentlicher Kern der Veröffentlichung wird im vierten Kapitel beschrieben, nämlich das Spiel als die erste Sprache des Kindes. Die wichtige Bedeutung des Spiels für die Identitätsentwicklung von Kindern und das Spiel als intermediärer Raum wird verdeutlicht. Es werden die verschiedenen Spielformen, wie Funktions- und Effektspiele, Gestaltungsspiele, Rezeptionsspiele, Symbol- und Rollenspiele, Regelspiele und Computerspiele besprochen. Auch hier wird der Bezug zur therapeutischen Arbeit deutlich herausgestellt.
  • Wie der erwachsene Mensch dem Kind im Spiel am besten begegnen kann wird im 5. Kapitel beschrieben. Wichtige Voraussetzung, um sich einem spielenden Kind zu nähern und nachvollziehen zu können, wo sich ein Kind spielerisch gerade befindet sind die Beobachtung, die Wachheit und Momentzentriertheit und das Zuhören des Erwachsenen. Empathie, unbedingte Wertschätzung und Kongruenz werden unbedingt vom Erwachsenen erwartet.

2. Praxis der Arbeit mit Kindern

  • Im zweiten Teil des Buches, der Praxis der Arbeit mit Kindern, werden zunächst die Kontaktaufnahme und die Diagnostik beschrieben. Um ein tiefes Verständnis für das Problemverhalten von Kindern zu erlangen sollte nach der ersten Kontaktaufnahme und der Anmeldung des Kindes ein Erstgespräch mit Eltern und Kind stattfinden. Für dieses Gespräch werden wichtige Planungsschritte erläutert, wie Ziele, Vorbereitung, Herstellung des Kontaktes, Diagnostik und Beobachtung, Abschluss und Fragen aus der Praxis. Auch die Ziele und die Vorgehensweise für den Kontakt mit den Eltern sollte abgesprochen werden. Nun sollte, nach der abschließenden Diagnostik, eine Entscheidung darüber getroffen werden, welche Form der Unterstützung für Kind und Familie die richtige ist: Kinderpsychotherapie, Elternberatung, Familientherapie, Ergotherapie, Frühförderung, Sprachtherapie oder Lebens- und Konfliktberatung.
  • Im siebten Kapitel werden verschiedene Methoden vorgestellt, die im pädagogisch-therapeutischen Arbeitsfeld eingesetzt werden können. Es werden differenzierte Spielangebote, wie Malen und Zeichnen, Puppenspiel, Märchen, Fantasiereisen, Bilderbücher und Musik vorgestellt. Weiterhin geht es auch um Rituale, Biografiearbeit und bestimmte Aspekte der Personzentrierten Spielpsychotherapie.
  • Kapitel acht widmet sich ausgewählten Problembereichen von Kindern, die in der praktischen Arbeit immer wieder auftauchen. Hier geht es vor allen Dingen um Wahrnehmungsstörungen, Hyperaktivität, Aggressionen, Ängste und Verhalten nach Trennung und Verlust.
  • Die wichtige Bedeutung der Super- bzw. Intervision für die therapeutisch arbeitende Person wird im neunten Kapitel beschrieben, um sich selber in der Beziehung zum Klienten und dem eigenen beruflichen Kontext besser zu verstehen.
  • Im letzten Kapitel werden dann Falldarstellungen aus der psychosozialen Praxis dargestellt, die zeigen sollen, wie der Personzentrierte Ansatz in psychosozialen Arbeitsfeldern mit dem weiten Spektrum an beratenden, pädagogischen und psychotherapeutischen Tätigkeiten angewendet werden kann.

Zielgruppen

Fachkräfte in einem helfenden Beruf, wie Ergotherapeuten/innen, Kinderärzte/innen, Lehrer/innen, Logopäden/innen, Psychologen/innen, Sozialpädagogen/innen, Heilpädagogen/innen, Sonderpädagogen/innen.

Diskussion

„Kindern spielend helfen“ ist ein wichtiges Grundlagenwerk für die Arbeit mit Kindern, die ein problematisches, auffälliges Verhalten zeigen und damit in Kindergruppen, im Alltag in der Familie oder in Kindertageseinrichtungen und Schulen an Grenzen stoßen. Das Spiel, als die wohl wichtigste Ausdrucksform der kindlichen Entwicklung, wird hier eingesetzt als Methode, um sich dem Kind zu nähern und ihm Handlungsalternativen anzubieten.

Die Autorin ist durch ihre langjährige Praxis und die damit erlangten Erfahrungen und der Kombination mit wissenschaftlicher Arbeit zum Thema an einer Hochschule sehr gut qualifiziert für die Veröffentlichung. Es gelang ihr, ein gut lesbares Fachbuch zu verfassen, dass für ein entsprechendes Tätigkeitsfeld eine große Bereicherung sein kann.

Fazit

Ich halte dieses Buch für eine wichtige Grundlage in der Arbeit mit Kindern. Problematisches Verhalten von Kindern wird in den allermeisten Arbeitsfeldern mit Kindern immer wieder einmal auftauchen. Es muss nicht immer eine eigene psychotherapeutische Arbeit mit den Kindern sein; auch für andere Berufsgruppen werden hier hilfreiche Anregungen vermittelt. Das Grundverständnis der Bedeutung des Spiels für Kinder und wichtige Grundlagen der Entwicklungspsychologie werden vorausgeschickt, was mir sehr gut gefallen hat. Mit diesem Verständnis der kindlichen Entwicklung können problematische Verhaltensweisen von Kindern anders bewertet werden, aber vor allen Dingen kann differenziert damit umgegangen werden. Ich fände es hilfreich, wenn auch alle Erzieher/innen und Grundschullehrer/innen dieses Buch lesen würden.


Rezension von
Dipl. Soz.-Päd Sonja Hees
Leiterin einer integrativen Kindertagesstätte, Fortbildnerin für Erzieher/innen und Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Koblenz im Studiengang „Bildungs- und Sozialmanagement mit Schwerpunkt frühe Kindheit“.


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Zitiervorschlag
Sonja Hees. Rezension vom 09.02.2009 zu: Sabine Weinberger: Kindern spielend helfen. Eine personzentrierte Lern- und Praxisanleitung. Juventa Verlag (Weinheim) 2007. 3., ergänzte Auflage. ISBN 978-3-7799-2061-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6188.php, Datum des Zugriffs 08.08.2020.


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