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Margit Brückner, Lotte Rose: Innovative Frauen- und Mädchenarbeit

Cover Margit Brückner, Lotte Rose: Innovative Frauen- und Mädchenarbeit. Untersuchung am Beispiel Frankfurt am Main. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2002. 159 Seiten. ISBN 978-3-923098-80-4. 13,00 EUR.
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Einführung und Überblick

Hochschullehrerinnen und Studentinnen suchten nach Innovationen in der Frauen- und Mädchenarbeit, - am Ende waren sie zumindest selbst innovativ. Ein partizipatives Forschungsprojekt mit externer Projektbegleitung ist in Hochschulen oder auch in Fachhochschulen nichts alltägliches und somit liest sich die Dokumentation dazu höchst spannend.

Das Buch besteht aus vier sehr heterogenen Teilen.

  • Teil 1 informiert über die empirischen Ergebnisse des Forschungsprojektes, es handelt sich um eine Bestandsaufnahme aller Einrichtungen mit kontinuierlicher professioneller sozialer Arbeit mit Frauen und Mädchen in Frankfurt.
  • Teil 2 bietet eine kritische Diskussion der zum Teil erstaunlichen Ergebnisse der Erhebung.
  • Sie werden mit den Ansprüchen konfrontiert, die aus den historischen Erfahrungen der Frauenbewegung stammen aber aus der heutigen Fachdiskussion erwachsen sind.
  • Teil 3 liefert die Prozessbeschreibung aus der Sicht der externen Trainerin.
  • Teil 4 beinhaltet Tabellen und Angaben über die befragten Einrichtungen sowie eine Bibliographie zum Thema sozialer Arbeit mit Frauen und Mädchen (cic. 1994 - 2001).

Inhalte

Teil 1 reflektiert die Forschungsarbeit: Die Kategorien der Erhebung werden begründet und voneinander abgegrenzt - zum Teil ein etwas langwieriges wenn nicht gar langweiliges Unterfangen. Hier drängt sich die Frage auf, was denn dies alles mit der Suche nach den Innovationen zu tun hat. Dann aber werden die Ergebnisse präsentiert: auffallend ist, dass ältere Frauen kaum zur Zielgruppe sozialer Arbeit mit Frauen gehören und dass es offenbar keine sozialräumliche Planung der Hilfeangebote in Frankfurt gibt. Interessant, dass die Vertreterinnen der Einrichtungen wenig materielle Zukunftssorgen äußern. Bedrückend dagegen die Ergebnisse der Zukunftsvisionen der Mitarbeiterinnen: vielleicht ist es der Methode geschuldet, denn mit einem Fragebogen sind nur aktuell präsente Visionen zu erfassen. Gruppenprozesse zu diesen Fragen bringen anderes ans Tageslicht. Die gefundenen Visionen sind jedenfalls nicht sehr innovativ, verglichen mit den Frauenprojekten der siebziger Jahre, die immer auch öffentlich wirksam werden wollten.

Dies ist auch der Bezugspunkt der Kommentare im zweiten Teil. Anhand des Rasters, das bei der Erhebung angewandt wurde, werfen die Autorinnen auch selbstkritische Fragen auf und konfrontieren die gefundenen Ergebnisse damit. Leider ziehen sie keine Konsequenzen für curriculare Angebot der Hochschule, obschon das eines der vier Ziele der gesamten Seminararbeit war. Vielleicht ist dies dem schmalen empirischen Zugriff auf die Realität der Frauen- und Mädchenarbeit geschuldet, der in dem Forschungsprojekt möglich war. Die spannenden Fragen zu den Konzepten, dem Vorgehen und den Erfahrungen der Praktikerinnen konnten gar nicht gestellt werden, - dort aber liegen sicher Quellen von Innovation. Auf der allgemeinen Ebene verweisen die Ergebnisse auf eine Individualisierung in doppeltem Sinne: sowohl die Zielgruppen der Frauen- und Mädchenarbeit werden als individualisiert interpretiert, gleichzeitig erscheinen aber auch die Einrichtungen als individualisiert - ein Befund, der den feministischen Anfängen der Frauen- und Mädchenarbeit diametral entgegensteht.

Der dritte Teil ist für Lehrende höchst spannend:

Wer weiß schon, was in den Studierenden vorgeht, wer lässt sich schon kritisieren und gruppendynamische Prozesse überhaupt zu: Hier wird ein konfliktreicher aber offenbar sehr fruchtbarer Prozess gemeinsamen Lernens, der zuletzt auch die Praktikerinnen mit einbezogen hat dokumentiert.

Fazit

Die beiden Hochschullehrerinnen legen einen Werkstattbericht vor, dessen Bedeutung vielleicht weniger in den Ergebnissen des empirischen Forschungsprojektes liegen als vielmehr in der Problematisierung alter Erwartungen an die Praxis der Frauen- und Mädchenarbeit. Besonders aber ist es ein Bericht über innovatives Arbeiten in der Hochschule.


Rezensentin
Dr. Barbara Stiegler
Bis zu ihrer Pensionierung Leiterin des Arbeitsbereiches Frauen- und Geschlechterforschung
Friedrich Ebert Stiftung, Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik
Homepage www.stiegler-barbara.de
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Zitiervorschlag
Barbara Stiegler. Rezension vom 29.04.2003 zu: Margit Brückner, Lotte Rose: Innovative Frauen- und Mädchenarbeit. Untersuchung am Beispiel Frankfurt am Main. Fachhochschulverlag (Frankfurt am Main) 2002. ISBN 978-3-923098-80-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/620.php, Datum des Zugriffs 24.03.2019.


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