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Christina Kuhn, Martin Schäfer u.a.: Pflegevisite für Menschen mit Demenz

Cover Christina Kuhn, Martin Schäfer, Angela Veser: Pflegevisite für Menschen mit Demenz. Praxispeispiel und Arbeitshilfe. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2008. 96 Seiten. ISBN 978-3-940529-12-1. 12,90 EUR, CH: 24,00 sFr.
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Autorinnen und Autor

  • Frau Christina Kuhn ist Krankenschwester, Kulturwissenschaftlerin und wissenschafltiche Mitarbeiterin der Demenz Support Stuttgart; diese Organisation möchte durch die Unterstützung des Informationstransfers zwischen Wissenschaft und Praxis zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz beitragen.
  • Herr Martin Schäfer ist Heim- und Pflegedienstleiter im Johanniterstift Plochingen, systemischer Berater (IFW) und Karlshöher Diakon.
  • Frau Angela Veser ist Krankenschwester und Qualitätsbeauftragte im Johanniterstift Plochingen sowie Dozentin für Pflegeberufe.

Thema

Im vorliegenden Buch veröffentlichen die Autoren ihre Arbeitshilfe zur Umsetzung der Pflegevisite bei Menschen mit Demenz, die sie im Johanniterstift Plochingen entwickelt haben, da andere Vorlagen nicht passend erschienen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in zwölf Kapitel: Nach einer Einführung in die Beweggründe für die Entwicklung der Arbeitshilfe und einer Darstellung der Einrichtung werden in den Kapiteln drei bis acht das Pflegevisitenmodell im Johanniterstift Plochingen vorgestellt. Nach einer Zusammenfassung der Literaturrecherche zum Thema, der Danksagung und den Literaturangaben sind im Anhang die Pflegevisitenformulare sowie der Maßnahmenplan abgedruckt.

Kapitel 3: Pflegevisite bei Menschen mit Demenz

Zunächst wird das Bemühen im Johanniterstift dargestellt, auf "die Stimme von Menschen mit Demenz zu hören" und eine Bewohnerorientierung in der Pflegevisite umzusetzen. Es werden Möglichkeiten vorgestellt, Menschen mit Demenz in das Gespräch einzubeziehen und wie sie von der Beteiligung an der Pflegevisite profitieren können, bzw. welche Grenzen sich erkennen lassen.

Der Einbezug der Angehörigen wird unter folgenden Aspekten beleuchtet: Entlastung der Angehörigen, Analyse, inwieweit die Angehörigen in der Lage sind, das Wohlbefinden der Bewohner einzuschätzen sowie Vorteile des Einbezugs der Angehörigen.

Kapitel 4: Projektdarstellung Pflegevisite

Ausgehend von der Istsituation vor dem Projekt wird der Projektauftrag mit seiner Zielsetzung aufgezeigt. Die Projektergebnisse, und damit die erarbeiteten Ziele der Pflegevisite , die festgelegten Rahmenbedingungen der Pflegevisite sowie die Verankerung im Qualitätsmanagementhandbuch werden vorgestellt. Die erarbeiteten Pflegevisitenformulare werden erläutert:

  • Das Pflegevisitenformular umfasst 13 Seiten und gliedert sich nach den dreizehn Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen der Lebens (AEDLs) nach Monika Krohwinkel, die wiederum in die drei Qualitätsdimensionen Struktur, Prozess und Ergebnis zur Bewertung der Pflegequalität unterteilt sind. Jeder Qualitätsaspekt ist mit einer allgemeinen Formulierung hinterlegt und mit Schlüsselbegriffen erläutert und wird mit der Angabe des Erfüllungsgrades von "EG 1 = nicht erfüllt" über EG 2 = teilweise erfüllt" bis zu "EG 3 = voll erfüllt" bewertet.
  • Im dazugehörenden Maßnahmenplan werden sich aus der Pflegevisite ergebende notwendige Maßnahmen eingetragen, mit Hinterlegung wer diese bis wann umsetzt. Weiter können erkannte Fehler, Lob und Anerkennung für die Mitarbeiter aber auch Beschwerden der Angehörigen notiert werden. Zu jeder AEDL besteht die Möglichkeit, eine Zusammenfassung der Pflegevisite zu dokumentierten.

Beide Vorlagen sind im Anhang abgedruckt.

Kapitel 5: Das Pflegevisitengespräch

In diesem Kapitel werden Voraussetzungen für das Pflegevisitengespräch konkretisiert: Notwendige pflegefachliche Kompetenzen der Gesprächsleitung werden aufgeführt. Die Rollen und Aufgaben der am Gespräch Beteiligten werden erläutert: Bewohnerin und Angehörige, primär pflegerische Bezugsperson, Qualitätsbeauftragte und Hausdirektion. Die Struktur des Gesprächs mit Zeitbedarf und verschiedenen Besprechungspunkten wird dargestellt.
Anhand eines anonymisierten Beispiels wird die Verarbeitung der im Pflegevisitengespräch erhobenen Informationen und deren Dokumentation im Pflegevisitenformular und Maßnahmenplan aufgezeigt.

Kapitel 6: Potenzial der Pflegevisite: Ergebnisqualität als Ausgangspunkt

Die Autoren sehen in der Pflegevisite den Rahmen zur Beurteilung der Pflegequalität nach den Qualitätsdimensionen Struktur, Prozess und Ergebnis, wobei sie die Sichtweise des Johanniterstifts betonen, dass diese nur anhand der Zufriedenheit und dem Wohlbefinden der Bewohner gemessen werden kann.

Im folgenden wird das Zusammenspiel der drei Qualitätsdimensionen und die Auswirkung der Ergebnis- sowie der Strukturqualität auf die Prozessqualität erläutert. Eine Tabelle zeigt auf, was in der Pflegevisite geprüft wird, wie geprüft wird und welche Schlussfolgerungen gezogen werden können. Abschließend sind die sich daraus ergebenden Potenziale aufgelistet.

Anhand von Dokumentationsbeispielen wird konkret dargestellt, wie eine ähnlich positive oder negative Bewertung des Ergebnisses und der Struktur auf eine ebenfalls positive oder negative Prozessqualität hinweisen, bzw. welche Rückschlüsse auf die Prozessqualität durch eine unterschiedliche Bewertung gezogen werden können.

Abschließend werden Möglichkeiten und Grenzen der Pflegevisite bei Menschen mit Demenz aufgezeigt.

Kapitel 7: Erfahrungen mit der Pflegevisite

In diesem Kapitel werden die Erfahrungen mit der Pflegevisite im Johanniterstift erläutert. Aussagen von Angehörigen werden wiedergegeben, anhand der Statistik wird eine Verbesserung des Kommunikationsverhaltens der Mitarbeiter gegenüber den Bewohnerinnen und Angehörigen dargestellt. Auch die Fehlerquote bezüglich der Pflegequalität konnte Jahr um Jahr gesenkt werden. Innerhalb der Organisation ergibt sich durch die Bewertung über Erfüllungsgrade die Möglichkeit zu einem Vergleich zwischen den einzelnen Wohnbereichen, Fehler können ausgewertet werden, Qualitätsprobleme zielgerichteter identifiziert und bearbeitet werden. Weiter gibt die Pflegevisite Hinweise für die Personalentwicklung.

Kapitel 8: Hinweise zur Übertragbarkeit der Pflegevisite

Abschließend geben die Autoren Hinweise, wie die Plochinger Pflegevisite in anderen Einrichtungen übernommen werden kann. Anhand von vorbereiteten Fragen werden die Schritte von der Bedarferhebung, Projektplanung und Konzeptumsetzung bis zum Umgang mit den Ergebnissen vorbereitet.

Zielgruppen

Die Zielgruppe dieser Arbeitshilfe sind Anwender in Einrichtungen, in denen Menschen mit Demenz versorgt werden. Es bietet zahlreiche praktische Hilfen und Hinweise zur Umsetzung der Pflegevisite speziell bei Menschen mit Demenz, die die vorliegende Fachliteratur zum Thema Pflegevisite sinnvoll ergänzen.

Diskussion

Das vorliegende Buch gibt als Arbeitshife sehr gute praktische Hinweise zur Umsetzung der Pflegevisite bei Menschen mit Demenz. Aufgrund der demografischen Entwicklung und der Zunahme von Menschen mit Demenz stellt es eine gute und notwendige Ergänzung der vorliegenden Fachliteratur dar.

Das beschriebene Pflegevisitenmodell wird durch die Abbildung der erarbeiteten Pflegevisitenformulare und Maßnahmenpläne gut nachvollziehbar vermittelt und anhand von konkreten Praxisbeispielen veranschaulicht.

Fazit

Das Buch ist verständlich und praxisnah geschrieben, einfach lesbar und übersichtlich gegliedert. Aufgrund der praxisnahen Darstellung des Pflegevisitenmodells bei Menschen mit Demenz eignet sich das Buch als gute Ergänzung bei der Einführung oder der Anpassung von Pflegevisiten speziell in Einrichtungen, die Menschen mit Demenz betreuen.


Rezension von
Diplom-Pflegewirtin (FH) Barbara Scharfenberg
Pflegedirektorin, Kreisklinik Ebersberg


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Zitiervorschlag
Barbara Scharfenberg. Rezension vom 21.10.2008 zu: Christina Kuhn, Martin Schäfer, Angela Veser: Pflegevisite für Menschen mit Demenz. Praxispeispiel und Arbeitshilfe. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2008. ISBN 978-3-940529-12-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6200.php, Datum des Zugriffs 09.07.2020.


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