socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Elisabeth M Mars, Markus Hirschmann (Hrsg.): Nachhaltigkeit kommunizieren

Cover Elisabeth M Mars, Markus Hirschmann (Hrsg.): Der Wald in uns. Nachhaltigkeit kommunizieren. oekom Verlag (München) 2008. 128 Seiten. ISBN 978-3-86581-087-8. 19,90 EUR.

Mit CD-ROM.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


"Und er redete mit den Bäumen…"

Geschichten, Märchen, Romane, Sagen, Gedichte, Lieder: Der Wald hat es uns angetan. Als heimlicher und unheimlicher Ort; mit Hexen, Räubern, Einsiedlern, Spaziergängern und Waldarbeitern. Manchmal auch mit Schulklassen, die hoffentlich leise, aufmerksam, interessiert, um sich schauend durch den Wald gehen, sich auf einer Lichtung nieder lassen, vielleicht sogar Bäume und Pflanzen bestimmen, oder sich einfach nur einlassen auf "den Wald in uns".

Autorin, Autor und Entstehungshintergrund

Die Leiterin der Münsteraner Arbeitsstelle "Weltbilder" Elisabeth Marie Mars und der Leiter der Bildungsstelle des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) in Göttingen, Markus Hirschmann, legen ein interessantes Buch über ein Projekt vor, bei dem sie in den Regionen Münster und Südniedersachsen mit schulischen und außerschulischen Gruppen konkret der Frage nachgegangen sind, wie das Ziel, Nachhaltigkeit zu denken und zu praktizieren, verwirklicht werden kann. Der Begriff "ökologisch tragfähige Entwicklung" (sustainable development) ist ja spätestens seit den Berichten an den Club of Rome, dem Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung von 1987 (Brundtland-Kommission) und der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung, 1992 in Rio de Janeiro, im Bewusstsein der Menschen.

Thema

Damit sind wir schon beim Wald. Denn "Nachhaltigkeit" kommt ursprünglich aus der Forstwirtschaft; nur soviel Bäume sollen geschlagen werden, wie wieder nachwachsen können. Mit "nachhaltiger Entwicklung"  wird im Sinne einer gesellschaftlichen Entwicklung, lokal, regional und global ein Verhalten bezeichnet, dass den derzeit lebenden Menschen auf der Erde auferlegt, bei der Erwirtschaftung ihrer Bedürfnisse zu berücksichtigen, dass auch die künftigen, auf der Erde lebenden Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können. Wo, wenn nicht im Wald könnte eine solche Ethik erfahren werden, so fragten sich die Initiatoren des Projektes "Der Wald in uns".

Die Arbeitsstelle Weltbilder als Fachstelle für interkulturelle Pädagogik und Globales Lernen wurde 1990 in Münster gegründet. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Entwicklung, Auswahl und Systematisierung ganzheitlicher Methoden und Vermittlungsformen - auch und besonders in Richtung zukunftsfähige Bildung für Nachhaltige Entwicklung.

Die Bildungsstelle des Deutschen Entwicklungsdienstes in Göttingen setzt mit dem Slogan "Bildung trifft Entwicklung" darauf, dass die Erfahrungen der zurück gekehrten Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer, wie etwa auch die des Dipl. – Ing. für Forstwirtschaft, Markus Hirschmann, dazu beitragen, dass die theoretische und erst einmal platonische Forderung für nachhaltiges Denken und Handeln in unserer Gesellschaft "bodenhaftig", also erfahrbar und vermittelbar wird. Wegen der Umstrukturierung des DED seit 2008, arbeitet Markus Hirschmann bei der gleichen Aufgabenstellung bei der Regionalen Bildungsstelle Nord, deren Träger das Institut für angewandte Kulturforschung (IFAK) in Göttingen ist. 

Inhalt

Das Projekt "Der Wald in uns" baut darauf auf, dass die vielfältigen, haptischen und emotionalen Gefühlswelten, die uns Deutsche mit dem Wald sowieso verbinden, einen Aufklärungs-, Lern- und Erfahrungszuwachs ermöglichen.

  • Der derzeitige Vorsitzende des Kuratoriums der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und ehemalige Vorsitzende des BUND, Hubert Weinzierl, weist darauf hin, dass dem Schwund der Diversität, lokal und global, Einhalt geboten werden muss. "Die Diversität wird neben der Klimafrage zur zweit wichtigsten Säule künftiger Nachhaltigkeitspolitik". Wir brauchen mehr Mut zur "Wildnis", und er ruft dazu auf, in unserem alltäglichen wie globalen Denken und Handeln eine "Kultur der Wildnis" zu entwickeln.
  • "Wir sind selber zutiefst Natur" – diese Auffassung vertritt der Gründer und Leiter der Natur- und Wildnisschule in Hannover, Wolfgang Perham. Wollen wir uns und unseren Nachkommen so etwas wie "Trittfestigkeit" vermitteln, dann müssen wir hinaus gehen in die Natur, uns einlassen und mit allen Sinnen erfahren, dass wir Natur sind und nicht ihr Beherrscher.
  • Unter einem Baum sitzen, den Waldboden betreten und über Bäume und an sie schreiben, malen, sprechen und singen, das kann in Werkstätten für kreatives Schreiben erlebt und ausgedrückt werden, wie dies Marie Mars schildert.
  • Oder das, was sich seit Kindertagen in uns mit dem Wald verbindet, "die Tiefe des Waldes in sich entdecken", durch Stille, Meditation und Kreativität, wie dies die Lehrerin und Kunsterzieherin Daniela Lütke Jüdefeld mit ihren Schülerinnen und Schülern erlebt.
  • Und, hat nicht die Auseinandersetzung mit dem Wald auch irgendwie etwas Religiösen an sich? Das jedenfalls artikuliert der Weihbischof (em.) aus Münster, Friedrich Ostermann.
  • Das Vorstandsmitglied des Regenwald-Instituts in Freiburg, Rainer Putz, weist darauf hin, dass Regenwaldnutzung und –schutz etwas mit uns, hier in der gemäßigten klimatischen Zone zu tun hat, genau so wie mit den Menschen überall in der Welt, weil Natur lokal erfahrbar und global wirksam ist.
  • Markus Hirschmann setzt sich mit dem Thema "Wald und Mensch", in der Mythologie, der Geschichte, Kultur und Nutzung gestern und heute auseinander. Es sind besonders die heutigen Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung, die uns Menschen Hier und Jetzt die Bedeutung der Wälder, Bäume, Pflanzen und Lebewesen in unserer Einen Welt klar machen und die Verpflichtung auferlegen, eher zu bewahren als zu verbrauchen.
  • Der Leiter der TherapieSchule Oberegg und Psychotherapeut Wernher P. Sachon nähert sich phänomenologisch dem "Wald als Erfahrungsraum". Dabei zeigt er Aspekte auf, die es dem Menschen ermöglichen, In-der-Natur-zu-Sein – und damit sich und die Welt zu erleben.
  • Der ehemalige Entwicklungshelfer, Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung von Solidarität und Partnerschaft, Göttingen und Koordinator des Projektes "Der Wald in uns", Herbert Dohlen, stellt zahlreiche Angebote, als Workshops und Projektkooperation, vor, für schulische Lerngruppen und außerschulische Einrichtungen.

"Ich ging im Walde so für mich hin, um nichts zu suchen das war mein Sinn…". Oder gibt es doch etwas zu suchen und zu finden im Wald? Kann es gelingen, mit den Bäumen zu reden, wie dies Martin Klein in seiner schönen Erzählung "Wie ein Baum" (Elefanten-Press, Berlin 1995) tut; und können wir den "Mythos Baum" aufspüren (Doris Laudert, 2000)? Kann uns die Fichte, die Kiefer, der Ahorn, vielleicht sogar der westafrikanische Baobab und der asiatische Ginko Biloba etwas sagen? Wenn die Vereinigung "Forstabsatzfonds" in einer Glanzbroschüre verkündet: "Ich, der Wald, bin mehr als Sie denken", dann können wir diese Aussage getrost als Aufforderung verstehen, das "Prinzip der Nachhaltigkeit" in unser alltägliches, kulturelles, wirtschaftliches und ethisches Denken und Handeln zu integrieren, weil der "Wald in uns" tatsächlich das widerspiegelt, wie wir sind!

Fazit

Das mit dem Buch dargestellte und dokumentierte, erst einmal in zwei Regionen erprobte Projekt verdient, ausgeweitet zu werden, in die schulischen Curricula und die außerschulische Lernplanung. Interessant könnte es sein, die Frage, was der Wald in uns ist und wie er sich darstellt, in einem internationalen und globalen Rahmen zu stellen. Vielleicht wäre so ein handhabbarer Schlüssel für "globale Nachhaltigkeit" zu finden.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
E-Mail Mailformular


Alle 1375 Rezensionen von Jos Schnurer anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 06.05.2008 zu: Elisabeth M Mars, Markus Hirschmann (Hrsg.): Der Wald in uns. Nachhaltigkeit kommunizieren. oekom Verlag (München) 2008. ISBN 978-3-86581-087-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6207.php, Datum des Zugriffs 19.09.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung