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Meike Schwermann, Markus Münch: Professionelles Schmerzassessment bei Menschen mit Demenz

Rezensiert von Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind, 08.04.2009

Cover Meike Schwermann, Markus Münch: Professionelles Schmerzassessment bei Menschen mit Demenz ISBN 978-3-17-019850-0

Meike Schwermann, Markus Münch: Professionelles Schmerzassessment bei Menschen mit Demenz. Ein Leitfaden für die Pflegepraxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2007. 137 Seiten. ISBN 978-3-17-019850-0. 22,00 EUR.
Reihe: Altenpflege
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Thema

Demenzkranke haben im mittelschweren Stadium gravierende Probleme mit sich selbst und ihrer Umwelt. Man kann sagen, die Person-Umwelt-Passung gerät bei ihnen aus den Fugen. Das heißt u. a., dass äußere und innere Reize aufgrund des Abbaus im Stirnhirnbereich der Großhirnrinde - dem Sitz der höheren geistigen Fähigkeiten oder Exekutivfunktionen – nicht mehr angemessen wahrgenommen und erkannt werden. Innere Reize oder Impulse wie Schmerzen können nicht mehr als solche zugeordnet werden. Sie spüren zwar die Schmerzimpulse, können diese aber nicht mehr einordnen und anderen mitteilen. Sie können diese Zustände unbewusst nur noch durch Mimik, Lautäußerungen und Körpersprache ausdrücken. Es liegt an den Pflegenden und Betreuenden, diese Veränderungen im Verhalten richtig zu deuten.

Die vorliegende Publikation erhebt den Anspruch, im Bereich der Schmerzerfassung bei Demenzkranken einen Handlungsorientierten Leitfaden für die Pflegepraxis entwickelt zu haben.

Autoren

Bei den Autoren handelt es sich um eine Fachkrankenschwester und Diplom-Sozialwirtin und einen Krankenpfleger, die sich beide mit der vorliegenden Diplomarbeit an der Fachhochschule Münster zu Diplom-Pflegewissenschaftlern qualifiziert haben.

Aufbau und Inhalt

Die Arbeit ist in sieben Kapiteln untergliedert.

  1. Kapitel 1 (Schmerzerfassung: Basis des Schmerzmanagements im Alter, Seite 11 – 33) enthält das Grundlagenwissen über den Schmerz: u. a. Physiologie des Schmerzes, Schmerzen bei alten und kognitiv eingeschränkten Menschen, Schmerzerfassung und Schmerzintensität und Instrumente zur Fremdeinschätzung.
  2. In Kapitel 2 (Zentrale Aufgaben bei der Implementierung eines Schmerzassessments, Seite 34 - 37) befassen sich die Autoren mit der Entwicklung eines systematischen Schmerzassessments und dessen Einführung in Gestalt einer Schulung für Pflegende, die aus Basisseminaren, Fallbeispielen und dem Praxiseinsatz des Schmerzerfassungsinstrumentariums besteht. Die Autoren erhoffen sich durch diese Maßnahmen eine Sensibilisierung bei der Pflegenden.
  3. Kapitel 3 (Entwicklung des systematischen Schmerassessments, Seite 38 - 57) beschreibt die Entstehung eines Schmerzersteinschätzungsbogens und die Schmerzerfassung mittels eines Verhaltensprotokolls. Hierbei orientieren sich die Autoren an dem englischsprachigen Instrumentarium EPCA (Elderly Pain Caring Assessment), das gezielt auf die Schmerzbelange älterer Menschen bei der Pflege abzielt.
  4. In Kapitel 4 (Schulung der Pflegekräfte für die Einführung des Schmerzassessments, Seite 58 - 93) wird die Vorbereitung und Durchführung eines dreiteiligen Seminars zur Schulung von Pflegenden im Bereich Schmerzerfassung dargestellt. Hierbei werden minutengenau die einzelnen Module mit Medien und Methoden erläutert.
  5. Kapitel 5 (Sensibilisierung der Pflegekräfte, Seite 94 - 104) befasst sich mit den Dimensionen der Sensibilisierung der Pflegenden unter den Aspekten Fremd- und Selbsteinschätzung, wobei auch auf die Pflegepraxis in Gestalt der Pflegediagnose, Pflegeplanung und Evaluation eingegangen wird.
  6. Kapitel 6 (Praktikabilität des Schmerzassessments, Seite 105 - 113) enthält Ausführungen über die Anwendbarkeit eines Schmerzersteinschätzungsbogens. Es werden hierbei die Aspekte Handhabung, Nutzen und Aufwand des Instrumentariums beschrieben.
  7. In Kapitel 7 (Praxishilfen für die Implementierung des Schmerzassessments, Seite 114 - 123) entwickeln die Autoren eine Reihe von Hilfestellungen für die Anwendung eines Schmerzerfassungsbogens: Beispiele für einen Pflegestandard, Formulierungshilfen für die Pflegeplanung, Informationssammlung, Problembeschreibung, Pflegeziele, Planung und Durchführung der Pflegemaßnahmen und die Evaluation.

Diskussion und Fazit

Es liegt hier eine fundierte Erarbeitung eines äußerst bedeutsamen Sachverhaltes vor, die angemessene Erfassung von Schmerzzuständen. Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden der Demenzkranken erfordern Schmerzvermeidung bzw. deutliche Schmerzreduktion, andernfalls drohen psychische und auch physiologische Überreaktionen. Die Studie der beiden Autoren verdient in Fachkreisen Aufmerksamkeit, denn sie enthält einige Impulse für konkrete Praxis in den Heimen.

Es kann somit das Fazit gezogen werden, dass die vorliegende Publikation den Anspruch, einen Handlungsorientierten Leitfaden im Bereich der Schmerzerfassung bei Demenzkranken entwickelt zu haben, eingelöst hat.

Rezension von
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
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Zitiervorschlag
Sven Lind. Rezension vom 08.04.2009 zu: Meike Schwermann, Markus Münch: Professionelles Schmerzassessment bei Menschen mit Demenz. Ein Leitfaden für die Pflegepraxis. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2007. ISBN 978-3-17-019850-0. Reihe: Altenpflege. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6243.php, Datum des Zugriffs 27.11.2022.


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