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Sabine Hebenstreit-Müller, Annette Lepenies (Hrsg.): Early Excellence.[...] Kinder, Eltern und Erzieherinnen

Cover Sabine Hebenstreit-Müller, Annette Lepenies (Hrsg.): Early Excellence. Der positive Blick auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen. Neue Studien zu einem Erfolgsmodell. Dohrmann Verlag (Berlin) 2007. 220 Seiten. ISBN 978-3-938620-06-9. 18,90 EUR.

Reihe: Beiträge zur pädagogischen Arbeit des Pestalozzi-Fröbel-Hauses - Band 10.
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Thema

Viel wurde in den letzten Jahren für die Erziehung und Bildung in Kindertageseinrichtungen erreicht: Denn alle Länder der Bundesrepublik Deutschland haben Erziehungs- und Bildungspläne entwickelt und implementiert. Ist dies alles ausreichend? Sind optimale Voraussetzungen für Erziehung und Bildung im Kindergarten geschaffen? Nein, keineswegs, meint Sabine Hebenstreit-Müller in der vorliegenden Publikation. Denn viel zu lange habe die Elementarpädagogik in Deutschland im eigenen Saft geschmort und kaum grundlegende Innovationen aufgenommen. Jetzt solle der frische Wind aus anderen Ländern die Pädagogik im Kindergarten aufscheuchen. Die vorliegende Veröffentlichung möchte dazu beitragen.

Aufbau und Inhalte

Das Buch "Early Excellence: Der positive Blick auf  Kinder, Eltern und Erzieherinnen" ist eine Sammlung von Beiträgen, die aus der Arbeit in den Early Excellence Centres in England und Berlin entstanden sind. Die Beiträge sind nach folgenden Themenschwerpunkten geordnet:

  • Fachpolitische Positionen,
  • Pädagogische Konzepte,
  • Fallstudien,
  • Organisationsentwicklung und Teambildung.

Gemäß dem Titel - der positive Blick auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen – sind den genannten Themenschwerpunkten Beiträge zugeordnet, die sich auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen konzentrieren. Die Kinder stehen beispielsweise im Zentrum der Ausführungen in den Beiträgen: Der positive Blick auf das Kind: Die "Pädagogischen Strategien" des "Early – Excellence" Ansatzes. Philosophieren mit Kindern. Geschafft! – "Chuffedness" als Indikator von Kitaqualität. Was untersucht Ethan? Eine Fallstudie zu kindlichen Verhaltensmustern.

Wie stark die Eltern in die pädagogische Arbeit der Early Excellence Centres eingebunden sind, zeigen folgende Beiträge: Elternhaus und Kindergarten: Gemeinsam sind wir stark. "Ein Ziel – unterschiedliche Wege" Eltern in die Lernprozesse ihrer Kinder einbeziehen. Persönliche Zeichen: Über Verhalten und Zeichnen von Kleinkindern in der Kita und zu Hause.

Wie Erzieherinnen in diesen Einrichtungen ihr Handeln verstehen und wie sie Bildungsprozesse organisieren und unterstützen, zeigen folgende Beiträge: Leitungsqualität in integrierten Service-Einrichtungen für Kinder und ihre Familien. Sich selbst über die Schulter schauen – das Lerntagebuch als Qualifizierungsinstrument. Das Feiern kleiner Erfolge. Bedingungen des Lernens von Organisationen. Arbeiten im Team.

Wenn es aufgrund der Verständlichkeit und der Darstellungsmöglichkeiten unumgänglich ist, in den genannten Aufsätzen einen Gesichtspunkt besonders in den Mittelpunkt zu stellen, so zeichnen sich die Ausführungen gerade dadurch aus, dass sie durchgängig die Vernetzung der Bildungsprozesse herausarbeiten.

Diskussion

Zerzaust der frische Wind aus der Veröffentlichung die Haare der Leser/innen? Ganz gewiss! Vieles aus der beschrieben Praxis ist noch ungewohnt und läuft dem herkömmlichen Denken zuwider. Daher werden wahrscheinlich allzu schnell die Anregungen zurückgewiesen: "Bei uns nicht durchführbar!" Dennoch zeigen die Autorinnen, wie man Bildung und Erziehung realisieren kann, wenn die Stärken der Kinder, Eltern und Erzieherinnen zum Dreh- und Angelpunkt gemacht werden.

Die Leser/innen erhalten einen Einblick in das Konzept und in die Arbeitsweise der Early Excellence Centres. Mehrere Beiträge machen deutlich, wie die Orientierung am Kind im Alltag praktiziert wird und wie anschaulich die Entwicklungen der Kinder dokumentiert werden. Wie im Titel angekündigt, versucht die Darstellung vor allem die positiven Ansätze bei allen Beteiligten aufzugreifen und zu erweitern. Die kompromisslose Ausrichtung an den Interessen aller Beteiligten und die radikale Orientierung an den Bildungsbedürfnissen der Kinder, Eltern und Erzieherinnen haben einen hervorragenden Anwalt im Emanzipationspädagogen Paulo Freiere. Die konsequente Ausrichtung an den Vorerfahrungen und Ressourcen der Beteiligten, wie es Paulo Freire vorgemacht hat, ist nicht in allen Beiträgen radikal eingelöst. Gerade bei der Einbeziehung der Eltern könnte noch Entwicklungsarbeit geleistet werden, weil bei einigen Überlegungen dazu die Leiterzentriertheit deutlich hervortritt. Beispielsweise könnten auch Eltern als Forscher gesehen werden. Mehr noch: Eltern können in ihrem Bemühen, ihr Kind zu verstehen, sogar für den Wissenschaftler zum Modell werden. So gesehen braucht die entschiedene Hinwendung zu den Ressourcen der am Bildungsprozess Beteiligten noch weitergehende Überlegungen.

Fazit

Frau Sabine Hebenstreit-Müller hat Recht: Die Elementarpädagogik braucht frischen Wind aus innovativen Ansätzen anderer Länder. Daher sollten diese Ausführungen wenigstens alle Pädagogen/innen, die mit dem Elementarbereich zu tun haben, durcharbeiten.


Rezensent
Michael Schnabel
Staatsinstitut für Frühpädagogik, München


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Zitiervorschlag
Michael Schnabel. Rezension vom 03.12.2008 zu: Sabine Hebenstreit-Müller, Annette Lepenies (Hrsg.): Early Excellence. Der positive Blick auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen. Neue Studien zu einem Erfolgsmodell. Dohrmann Verlag (Berlin) 2007. ISBN 978-3-938620-06-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6258.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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