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Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bank für Sozialwirtschaft u.a.: Arbeitshandbuch Finanzen für den sozialen Bereich

Cover Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bank für Sozialwirtschaft, Bettina Hohn, neues handeln GmbH: Arbeitshandbuch Finanzen für den sozialen Bereich. Von der öffentlichen Förderung zur zukunftsorientierten Finanzierungsgestaltung. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2010. 1600 Seiten. ISBN 978-3-938553-22-0.

Aktualisierungsstand: Nr. 16, Februar 2010.
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Veränderungen in der Finanzierung der Sozialwirtschaft

Unter den Vorzeichen veränderter Finanzierungsrahmen für die Sozialwirtschaft im Bereich der sozialgesetzlichen Finanzierung durch restriktiveres Finanzierungsverhalten des Staates, der Länder und Kommunen bedarf es zukunftsfähiger Strategien, um als sozialer Träger marktfähig zu bleiben.

Neben der Professionalisierung des Managements, Veränderungen von Organisations- und Kooperationsformen liegt eine zentrale Aufgabenstellung für die Sozialwirtschaft im konstruktiven Umgang mit wachsenden Bedarfen einerseits, bei gleichzeitig zurückgehender öffentlicher Finanzierung andererseits. Eine Lösung liegt unter anderem in der Suche und dem Ausbau alternativer Finanzierungsmöglichkeiten für die Sozialwirtschaft außerhalb traditioneller Finanzquellen.

Zielsetzung

Anliegen der Herausgeber des Arbeitshandbuches ist es, für die Zielgruppe der Führungskräfte und Projektverantwortlichen in der Sozialwirtschaft einen umfassenden Überblick über Finanzierungsmöglichkeiten außerhalb der sozialgesetzlichen Finanzierung in Deutschland zu geben.

Die Herausgeber möchten das Arbeitshandbuch als eine grundlegende Einführung und Basiswissensvermittlung in das Themengebiet verstanden wissen und dem Leser neue Blickwinkel auf alternative Finanzquellen verschaffen.

Dass nun, in der zweiten Auflage, der Paritätische Gesamtverband neu mit in das Team der Herausgeber aufgenommen wurde, soll dem Arbeitshandbuch weitere Inhalte und Impulse aus dem Bereich der Freien Wohlfahrtspflege geben.

Aufbau

Das Arbeitshandbuch ist als eine Loseblattsammlung aufgebaut, die in zwei soliden DIN-A4 Ordnern untergebracht ist. Beide Bände verfügen über ein übersichtliches Register.

Nach einer Einführung, einem Wegweiser zur Handhabung des Arbeitshandbuches sowie einem Stichwortverzeichnis im ersten Kapitel folgen 11 Kapitel sehr unterschiedlicher Länge zu den verschiedenen Themen. Den Abschluss des Bandes bildet ein Kapitel mit der einschlägigen Rechtssprechung und aktuellen Erlassen.

Hinweise zu weiterführender Literatur sind in den meisten Fällen am Ende der jeweiligen Kapitel zu finden.

Die einzelnen Beiträge wurden von über 60 bekannten und weniger bekannten Autoren geschrieben, welche ausführlich im ersten Kapitel des Arbeitshandbuches vorgestellt werden.

Inhalt

  1. Im ersten Kapitel gibt es nach dem Vorwort eine Einführung zum Thema "Veränderungen in der Finanzierung der Sozialwirtschaft", einen Beitrag zu "Steuerbegünstigungen des sozialen Bereichs" sowie einen etwas allgemeineren Beitrag "Einstellung zum Geld".

  2. Es schließen sich die ausführliche Vorstellung der einzelnen Autoren sowie die Stichwort- und Abkürzungsverzeichnisse an.
  3. Im zweiten Kapitel "Aktuelle Trends" finden sich Praxisbeispiele zu den Themen "Ressource Ehrenamt" und "Bußgeldmarketing", ein Beitrag zum "Gemeinnützigkeitsrecht im europäischen Kontext" sowie unter "Aktuelle Studien" die Beiträge "Spendenberichterstattung in Deutschland" und "Renditekriterien für Pflegeimmobilien".
    Unter der Überschrift "Aktuelle Rechtsentwicklung"  sind Beiträge zu "Umsatzsteuerliche Gleichstellung der Wohlfahrtsverbände mit gemeinorientierten Trägern", zum "Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements" sowie zur "Europaverträglichkeit des deutschen Gemeinnützigkeitsrecht" gefasst.
    Ein "Tagungsbericht: Neue Finanzierungsformen in der Sozialwirtschaft" sowie der Beitrag "Wir brauchen professionelles Fundraising!" beschließen das Kapitel inhaltlich. Weiterführende Literaturhinweise gibt es als letzten Punkt des Kapitels.
  4. Das dritte Kapitel "Grundlagen des Marketing für den sozialen Bereich" führt in einem Beitrag in diese Grundlagen ein. Ein zweiter Beitrag beschäftigt sich mit dem Thema "Postionierung und Profilierung von NPO«s durch Kommunikation", anschließend folgt ein Beitrag zur "Markenrelevanz und -führung im Nonprofit-Sektor".
    Um die Stakeholder geht es im Beitrag "Zielgruppen im Marketing", dabei wird unter "Praxisbeispiele" der "Aufbau des Marketings für eine soziale Organisation" sehr anschaulich beschrieben.
    Wie in den anderen Kapiteln wird auch dieses Kapitel durch weiterführende Literaturhinweise vervollständigt.
  5. "Erwirtschaftung von Eigenmitteln" – so der Titel des vierten Kapitels. Eine "Einführung" schafft Grundlagen zum Thema bevor "Juristische Konstruktion und Steuerung von Geschäftsbetrieben" sich mit internen und ausgelagerten Geschäftsbetrieben befasst. Der Beitrag "Strategisches Management der Eigenmittelerwirtschaftung in der Praxis" grenzt nochmals ein und verortet die Eigenmittelerwirtschaftung im strategischen Management.
    Ein Praxisbeispiel sowie die Literaturhinweise beschließen das Kapitel.
  6. Kapitel 5 zeigt "Klassische und neue Wege der Finanzierung über Banken". Eingangs wird hier durch verschiedene Autoren das Thema "Bankkredite" allgemein und einige Rahmenbedingungen behandelt. Unter "Sonderkreditformen" finden sich Beiträge zu verschiedenen Finanzierungsformen durch bspw. "Aktion Mensch", "Deutsches Hilfswerk", ein KfW-Förderprogramm oder die Bürgschaftsbank für Sozialwirtschaft.
    Für die Finanzierung von Sozialimmobilien wird das "Investor-Betreiber-Modell" vorgestellt, vor den Literaturhinweisen beschließt ein Beitrag zu "Gemeinnützigkeitsrechtliche Rahmenbedingungen der Vermögensverwaltung" das Kapitel.
  7. Das ausführlichste Kapitel des Arbeitshandbuches ist das Kapitel 6: "Fundraising und Spendenwerbung". Hier finden sich eine "Einführung ins Fundraising" und ein Beitrag zu den "Rahmenbedingungen aus dem Gemeinnützigkeitsrecht".
    Der Beitrag "Basiswissen Database-Fundraising" bricht eine Lanze für die Professionalisierung durch Technisierung im Fundraising. Die dafür nötigen Kommunikationsmittel und -wege werden im Beitrag "Kommunikationsinstrumente im Einzelnen und der Kommunikations-Mix/Integrierte Kommunikation" dargestellt.
    Es folgen die Beiträge "Relationship Fundraising: Spenderbindung durch Beziehungsuafbau", "Das Mailing – eine Einführung", die Beiträge zum "Online-Fundraising" sowie zum "Telefonfundraising".
    "Die Sozialaktie als Fundraisinginstrument" ist ein Praxisbeispiel, die Finanzierung durch Bußgelder wird im Beitrag "Zur Strafe gibt es Geld – Bußgelder für NPO«s" ausgeführt. "Fundraising und Ehrenamtlichkeit" beinhaltet den Einsatz prominenter Personen für das Fundraising.
    Bevor das Kapitel mit den Literaturhinweisen und vier Praxisbeispielen beendet wird, stellt der Beitrag "Fundraising und Organisation" dar, wie sich eine Organisation für erfolgreiches Fundraising aufstellen sollte.
  8. Im Kapitel 7 geht es um "Unternehmenskooperationen". Der erste Beitrag handelt von "Corporate Social Responsibility" (CSR), wie sich Unternehmen der freien Wirtschaft sozial engagieren können und welche Gegenleistung angeboten werden kann. Ein zweiter und ein dritter Beitrag "Ein Gewinn für alle – Möglichkeiten und Schritte zu einer erfolgreichen Unternehmenskooperation" sowie "Die Ansprache von Unternehmen in der Praxis" beleuchten die Planung und Durchführung von Unternehmenskooperationen. Der Beitrag "Unternehmensengagement mit Kompetenz und Personal – Chancen für neue Partnerschaften" legt den Schwerpunkt auf das sog. Corporate Volunteering.
  9. Das Kapitel 8 "Stiftungen" beschäftigt sich mit der Finanzierung durch Stiftungsmittel. Nach den Einführungen "Stiftungen" und "Was fördern Stiftungen?" gibt es den Beitrag "Stiftungen als Partner gewinnen – Zehn Schritte" als eine Handreichung für die Zusammenarbeit mit Stiftungen.

    "Bürgerstiftungen als Partner sozialer Organisationen" beschäftigt sich mit dem Thema der Bürgerstiftung. Im Beitrag "Die Verbundstiftung: Ein Instrument zur Mittelbeschaffung" erhält der Leser eine erste Einführung zu den Rahmenbedingungen von Verbundstiftungen.
    Nach zwei Praxisbeispielen endet das Kapitel wieder mit Literaturhinweisen.

  10. "Öffentliche Fördermittel von Bund, Ländern und Kommunen", so das 9. Kapitel, stellt Finanzierungen durch genannte Quellen außerhalb der sozialgesetzlichen Pflichtleistungen dar.
    "Grundlagen der öffentlichen Fördermittel" beschreibt Voraussetzungen, Förderarten und Verfahren. Dem schließt sich eine Darstellung verschiedener "Förderungen auf Bundesebene", unterteilt nach Bundesministerien an.
    Auf Länderebene werden im Beitrag "Förderung der Länder"  die einzelnen Bundesländer mit den Förderschwerpunkten der jeweiligen Ministerien vorgestellt.
    Auch dieses Kapitel kann mit weiterführenden Literaturhinweisen dienen.
  11. Kapitel 10, "EU-Förderung", gibt im ersten Beitrag "Die Europäische Union im Überblick" eine Einführung zu Strukturen, Zielen und Förderpolitik der EU.
    "Die wichtigsten EU-Förderinstrumente für den sozialen Sektor" beschäftigt sich mit den drei großen Förderprogrammen sowie dem Europäischen Sozialfonds. "Grundzüge der EU-Förderung" stellt Verfahren und Kriterien der Fördermittelvergabe vor, "Projektplanung bei der EU-Förderung" reißt Fragen des Projektmanagements für dieses Gebiet an.
    Im Stil von FAQ versucht "Beihilfen und Förderungen der Europäischen Union" mögliche Fragen zu dieser Finanzierungsart zu beantworten.
    Bevor das Kapitel mit den Literaturhinweisen beendet wird, werden 8 verschiedene EU-Förderprogramme anhand von Praxisbeispielen  vorgestellt.
  12. Kapitel 11 "Controlling und Finanzmanagement" vermittelt Grundlagen zu Thema. Auch wenn dieses Kapitel keine weitere Finanzierungsmöglichkeit beschreibt, bietet es dem Leser doch wichtige Grundlagen für das Finanzmanagement in der Sozialwirtschaft. Das Kapitel gliedert sich in "Einführung in das Controlling", "Strategisches Controlling" und "Operatives Controlling". Im Beitrag "Besonderheiten sozialer Organisationen" wird auf die Frage der Quersubventionierung eingegangen. Vor den Literaturhinweisen bietet der Beitrag "Investitionen und Finanzplanung" eine Einführung in den Rahmen von mehrjähriger Finanzplanung.
  13. Das sehr knappe Kapitel 12, "Lotteriemittel" bietet in seinem einzigen Beitrag eine Einführung zu den rechtlichen Grundlagen der Finanzierung über Lotteriemittel sowie eine Auflistung der großen Lotterien in Deutschland.

Der Anhang "Einschlägige Rechtssprechung und Erlasse" bietet Material zu den Gebieten Steuerrecht, Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht, Zuwendungs- und Vergütungsrecht, zu Bürgerliches Recht und Gesellschaftsrecht.

Diskussion

Die Beiträge der Autoren sind von unterschiedlicher Güte, insbesondere in der Lesbarkeit, dem wissenschaftlichem Anspruch und der Möglichkeit zum Praxistransfer. In den Beiträgen mit Praxisbeispielen, werden diese dem Praktiker für die Umsetzung sehr dienlich sein.

Die große Anzahl verschiedener Beiträge von unterschiedlichen Autoren führt teilweise zu inhaltlichen Dopplungen, dies wird den Leser aber nur stören, wenn er das Werk "am Stück" liest. Hier fällt dann auch auf, dass Kapitel 10.3.3 eine wortwörtliche Wiederholung von 10.3.2 ist.

Ausbaufähig sind bei einigen Kapiteln die weiterführenden Literaturhinweise, ebenfalls wären an einigen Stellen des Werkes mehr Querverweise auf andere Beiträge in den Bänden von großer Praktikabilität.

Schließlich wäre nach Auffassung des Rezensenten in diesem Zusammenhang die Veröffentlichung einer digitalen Version des Handbuchs anzuregen. Die entsprechenden Verlinkungen und die damit zu vereinfachende Stichwortsuche würden dem Werk, von dem zu hoffen ist, dass es weiter ausgebaut wird, einen entscheidenden innovativen Impuls geben. (Auch wenn das Werk dann "etwas sperriger" würde.)

Fazit

Das Arbeitshandbuch bietet eine Fülle von Material für den interessierten Leser zum Thema außergesetzliche Finanzierungsmöglichkeiten in der Sozialwirtschaft. Dem Anspruch der Herausgeber, eine grundlegende Einführung und Basiswissensvermittlung zu geben, werden die beiden Bände in vollem Umfang gerecht.

Der beanspruchte Innovationscharakter der Bände zeigt sich hingegen weniger im Aufzeigen neuer Finanzierungsmöglichkeiten, sondern vielmehr in der Tatsache, mit diesem Werk eine systematische Zusammenfassung der gängigen Möglichkeiten geschaffen zu haben.

Das Stichwortverzeichnis, die Gliederung der Beiträge sowie die praktikable Registratur des Werkes machen es zu einem guten Nachschlagewerk und verstärken die Möglichkeiten für den Leser, sich zum Thema erste Anregungen zu holen.


Rezensent
Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch
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Rezensent
David Meis
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Kommentare

Anmerkung der Redaktitn: Die Rezension basiert auf dem Stand Nr. 8, Januar 2008


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Zitiervorschlag
Friedrich Vogelbusch/David Meis. Rezension vom 31.10.2008 zu: Paritätischer Wohlfahrtsverband, Bank für Sozialwirtschaft, Bettina Hohn, neues handeln GmbH: Arbeitshandbuch Finanzen für den sozialen Bereich. Von der öffentlichen Förderung zur zukunftsorientierten Finanzierungsgestaltung. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2010. ISBN 978-3-938553-22-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6301.php, Datum des Zugriffs 20.08.2019.


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