socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Thomas Morlang: Askari und Fitafita. "Farbige" Söldner [...]

Cover Thomas Morlang: Askari und Fitafita. "Farbige" Söldner in den deutschen Kolonien. Links Verlag (Berlin) 2008. 204 Seiten. ISBN 978-3-86153-476-1. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 44,00 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Deutsche Kolonien – Weltmachtträume oder Menetekel ?

Die Deutschen kamen als Kolonialherren spät, aber sie kamen. Die ersten, zaghaften Versuche, es in Übersee den anderen Kolonialmächten, vor allem den Portugiesen, den Engländern, Franzosen, Belgiern… gleich zu tun, unternahm der Große Kurfürst von Brandenburg, als er 1683 an der westafrikanischen Küste die Kolonie Großfriedrichsburg gründete. Das Abenteuer dauerte jedoch nur rund 30 Jahre und endete mit einem Fiasko. Bismarck war 1879 schon zielstrebiger. Industrialisierung und Lebensraumerweiterung, verbunden mit Großmachtträumen bereiteten den Boden für die deutsche Kolonialpolitik. Die Ersuchen von deutschen Kaufleuten, ihre Besitzungen in Übersee durch deutsche Militärmacht schützen zu lassen, wird gewissermaßen als die Geburtsstunde der deutschen Kolonien angesehen. Am 24. April 1884 erhielt der deutsche Konsul in Kapstadt ein offizielles Telegramm der Reichsregierung, dass die Landbesitzungen des Bremer Kaufmanns Lüderitz unter deutschem Schutz gestellt seien. Bis 1914 gab es folgende deutsche Kolonialgebiete:

  • Deutsch-Ostafrika 995.000 qkm / 7.750.000 Einw. / davon 4.100 Deutsche),
  • Deutsch-Südwestafrika (835,000 / 26.000 / 12.300),
  • Kamerun (790.000 / 3.850.000 / 1.650),
  • Togo 87.000 / 1.000.000 / 320),
  • Neuguinea mit Bismarck-Archipel (240.000 / - / 750),
  • Karolinen, Marianen- und Marshall-Inseln (2.500 / 600.000, zusammen mit Neuguinea / 200),
  • Samoa (2.600 / 40.000 / 330),
  • Kiautschou (500 / 190.000 / 4.300).

Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg wollte mit seinem "Deutschen Kolonialbuch", das 1926 im Wilhelm Andermann Verlag in Berlin/Leipzig erschienen ist, ebenso wie das "Buch der deutschen Kolonien, Leipzig 1937, sich gegen die "koloniale Schuldlüge" der Siegermächte des Ersten Weltkriegs wenden, die im Versailler Vertrag Deutschland Unfähigkeit und Unwürdigkeit zum weiteren Besitz von Kolonien bescheinigten: "Es ist nicht wahr, dass das deutsche Volk kein Herz für seine Kolonien gehabt hat". Bereitwillig nahm die nationalsozialistische Großmachtpolitik diese Argumente auf. So konnte Dr. Ernst Gerhard Jacob in dem Reclam-Büchlein "Die deutschen Kolonien" 1938 fordern: "Für uns Deutsche … ist die Kolonialforderung der Wille zur Verwirklichung des deutschen Kolonialgedankens. Und dieser hat… eine dreifache Wurzel. Sie liegt auf geistig-moralischem (kulturellem) Gebiet ebenso wie auf völkisch-staatlichem (politischem) und wirtschaftlich-materiellem (ökonomischem) Gebiet".

Autor und Thema

Diese Vorbemerkungen sollen aufmerksam machen auf eine bemerkenswerte Buchreihe des Ch. Links Verlags, Berlin "Schlaglichter der Kolonialgeschichte", aus der wir bereits mehrere Bücher vorgestellt haben. Der Historiker und Geograph Thomas Morlang eröffnet mit seiner Arbeit über die einheimischen Mitglieder der kolonialen "Schutztruppe", die er "Söldner" nennt, ein neues Forschungsfeld zur deutschen Kolonialpolitik. Der Autor wählt den Begriff "Söldner" deshalb, weil diese sowohl freiwillig in die Schutztruppe eingetretenen, als auch zwangsweise rekrutierten Männer nicht aus "Vaterlandsliebe", sondern wegen des höheren Entgelts und der Aussicht auf Beute dienten. In den rund 30 Jahren, in denen Deutschland Kolonialgebiete besaß, wurden zwischen 40.000 und 50.000 Afrikaner, Asiaten und Ozeanier als Soldaten in den Kolonialtruppen beschäftigt. Über deren Motive, Taten und Leiden gibt es bisher keine zusammenfassende Darstellung, obwohl, so stellt der Autor fest, zahlreiche Quellenmaterialien, wie etwa Briefe und Berichte von Söldnern und deutschen Kolonialsoldaten, sowie in Privatbesitz befindliche und in Archiven ungehobene Tagebücher, u.a., darüber vorhanden sind. Thomas Morlang versteht deshalb seine Arbeit als "Versuch, basierend auf bereits vorhandenen Studien sowie eigenen Quellenrecherchen, erstmals die deutschen Kolonialsöldner in den Mittelpunkt … zu stellen und einen Überblick über den derzeitigen Stand der Forschung zu geben".

Inhalt

Als "Experimentierphase" bezeichnet der Autor die Jahre 1885 bis 1891, als Reichskanzler Otto von Bismarck die Kolonialgebiete in Südwestafrika, Ostafrika, Togo, Kamerun, Neuguinea und die Marshall-Inseln unter den "Schutz" des Deutschen Reiches stellte. Der Aufbau einer Kolonialverwaltung und die Ausübung der Herrschaft über das jeweilige Gebiet erforderte eben auch den Aufbau einer "Schutztruppe", die alleine mit deutschen Polizei- und Wehrmachtsangehörigen nicht möglich war. Andererseits war es schwierig, Einheimische als Soldaten für die Schutztruppe zu gewinnen. In Deutsch-Ostafrika experimentierte der afrikaerfahrene Offizier Hermann Wissmann damit, für die deutsche Schutztruppe Angehörige von so genannten "kriegerischen Rassen" anzuwerben: Haussa und Vai aus Westafrika, Zulu aus Südafrika, Somali und Sudanesen aus Nordafrika. 1889, nachdem der Deutsche Reichstag zwei Millionen Mark für die Aufstellung einer Polizeitruppe bewilligt hatte, reiste Wissmann mit einer Gruppe von deutschen Offizieren nach Ägypten, um Sudanesen als Söldner anzuwerben. Nach einigen politischen und diplomatischen Schwierigkeiten, der ägyptische Vizekönig befürchtete Konflikte, wenn er erlaubte, dass Muslime zum Kampf gegen Glaubensgenossen angekauft werden würden, einigte man sich darauf, dass die Deutschen 650 seiner Untertanen in ihre Dienste nehmen dürfen. Die vorherige Kalkulation erwies sich auch als falsch, denn anstatt der ursprünglich vorgesehenen 18 Mark pro Mann musste Wissmann schließlich 50 Mark im Monat versprechen. Zusätzlich verlangten die angeworbenen verheirateten Söldner, ihre Frauen und Kinder auf Kosten der Deutschen mitzunehmen. Nach drei Wochen endlich standen 650 Männer, 350 Frauen und 80 Kinder zum Abtransport nach Deutsch-Ostafrika bereit. Die Anwerbung von Haussa, Kru und Vai für die Polizeitruppe von Togo gestaltete sich nicht weniger schwierig. Der Kaiserliche Kommissar Jesko von Puttkamer 1890 bezahlte afrikanischen Agenten für jeden angeworbenen Söldner zwischen 20 und 30 Mark Provision. Die Söldner mussten sich für mindestens drei, ab 1908 für fünf Jahre zum Dienst in der Schutzgruppe verpflichten. Söldner, die länger dienten, erhielten vierteljährliche Zulagen von 2,50 bis 5 Mark. Doch es gab auch Flucht, so dass eine starke Fluktuation vorherrschte. Die Rekrutenausbildung dauerte überwiegend zwei Monate und umfasste Exerzier-, Schieß-, Felddienst- und Pionierübungen. Die Befehle wurden in deutscher Sprache gegeben. Schwieriger war es anfangs, Einheimische als Soldaten für die Schutztruppe zu rekrutieren. Die Angst vor Solidarisierung und Fraternisierung mit den kolonialen Untertanen war zu groß; es gibt aber auch Berichte darüber, dass Angehörige der kolonisierten Ethnien die Kolonialherren nicht mit Hurra begrüßten, sondern ihnen aktiv und passiv widerstanden. Aus Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, ist die Praxis bekannt, dass vorwiegend einheimische Nama ("Hottentotten") und Baster ("Bastarde") als Soldaten ausgebildet wurden. Der Bezirkshauptmann von Outjo berichtet 1897 nach Windhuk, dass er im "Beisein des Volkes mit Feierlichkeit in der Kirche (jungen Nama) den Fahneneid schwören lassen… Ich schwöre einen Eid zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, dass ich ein getreuer Soldat will sein dem Deutschen Kaiser Wilhelm II., meinem Allergnädigsten Herrn. Ich will ihm treu sein in allen Vorfällen, in Kriegs- und in Friedenszeiten und an jedem Ort…".  

Die Söldner waren Opfer und Täter zugleich. Der Autor fand in den erhalten gebliebenen Akten zahlreiche Hinweise, dass die Söldner ihre Positionen auf Kosten der einheimischen Bevölkerung zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzten: "Erpressung", "unrechtmäßiges Aneignen von Weibern", "gewaltsames Wegnehmen von Lebensmitteln", "Unterschlagung von Beute", usw. Die Bestrafungen der Söldner bei Vergehen oder einer Unbotmäßigkeit lesen sich so: Ein Beamter verurteilt den Soldaten Musa zu 20 Hieben, weil er austreten war, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Im Vergleich mit einem ungelernten, einheimischen Tagelöhner, wurden die Söldner gut bezahlt: Ein einfacher Soldat erhielt zwischen 50 Pfennig und einer Mark pro Tag, ein Gefreiter 1,25 Mark, ein Unteroffizier 1,50, ein Sergeant 1,75 und ein Feldwebel als höchsten Dienstgrad, den ein Afrikaner erreichen konnte, 2 Mark, dazu freie Unterkunft und kostenlose medizinische Behandlung für sich und die Familie.

Den Mythos der Askari in Deutsch-Ostafrika, die anfangs als sudanesische Söldner Dienst in der Schutztruppe taten und ab 1907 in vermehrten Maße aus Angehörigen der einheimischen Ethnien der Ngoni, Sukuma, Nyamwezi und Swahili bestanden, als treue und zuverlässige Diener der deutschen Kolonialherren, der sich in zweifelhaften Berichten, Abenteuererzählungen und Filmen im Mutterland verbreitete, setzt Thomas Morlang seine Quellenfunde entgegen: "In den Anfangsjahren war die Kolonialtruppe ein Auffangbecken für die Außenseiter der Gesellschaft wie ehemalige Sklaven, Abenteurer, Straftäter und Waisen, denen der Militärdienst die Chance auf ein regelmäßiges Einkommen und einen sozialen Aufstieg bot".

In der Kolonie Deutsch-Neuguinea, die vom Deutschen Reich am 1. April 1899 als "Schutzgebiet" übernommen wurde, gestaltete sich die Rekrutierung von Soldaten ebenso schwierig. Erste Versuche, für die Truppe in Friedrich-Wilhelmshafen (Madang) einige Malaien aus Niederländisch-Indien anzuwerden, scheiterten. Sie konnten die extremen klimatischen Bedingungen und die Anstrengungen des Dienstes nicht bewältigen. So kam der Gouverneur auf die Idee, 50 ausgesuchte, ostafrikanische Nyamwezi in den Dienst in Neuguinea zu nehmen. Doch das Vorhaben scheiterte, weil die in Ostafrika zusammen gestellte Gruppe aus Männern, deren Frauen und Kinder den unregelmäßig verkehrenden Dampfer des Norddeutschen Lloyds verpassten. So mussten Einheimische, überwiegend aus Kaiser-Wilhelmsland, die den Ruf als gute Polizeisoldaten genossen, ausgebildet werden. Die in Deutsch gegebenen Kommandos finden sich übrigens bis heute in der Kreolsprache Tok Pisin (Neuguinea-Pidgin, Melanesian Pidgin, Neomelanesian) zu finden sind; "sutman" = Schutzmann; "Gever" = Gewehr; "sisan" = stillgestanden; "dumkop" = Dummkopf und "saiskanake" = Scheißkanake.

Durch den Verkauf der im Pazifik gelegenen Inselgruppen durch die spanische Regierung an das Deutsche Reich, 1899 für 17 Millionen Mark erworben, kamen Mikronesien mit den Bezirken Ostkarolinen, Westkarolinen mit der Palau-Inselgruppe und den Marianen zum deutschen Kolonialreich. Die anfangs aus Malaien bestehende Schutztruppe versagte durch Unzuverlässigkeit, Meuterei und Flucht weitgehend. Die Ausbildung einheimischen Soldaten gelang besser, was sich in den Berichten deutlich ausdrückte: "Die in die Polizeitruppe eingestellten jungen Männer haben sich pflichttreu, aufrichtig und verständnisvoll für ihre Aufgaben erwiesen; eifrig und selbstbewusst in ihrem Dienst, blieben sie doch immer höflich und rücksichtsvoll gegen jedermann".

Auf Samoa vollzog sich die Kolonialherrschaft 1899 derart, dass die westliche Hälfte der Insel zur deutschen Kolonie gehörte, die östliche Hälfte an die USA fiel. Wilhelm Solf, der erste Gouverneur der Kolonie bildete, in einvermehmlicher Zusammenarbeit mit dem samoanischen Oberhäuptling Mata« afa Josefo eine Truppe von rund 30 Polizeisoldaten: o fitiafita o le malo, Regierungssoldaten, wie sie auf Samoanisch genannt wurden. Die Fitafita, "diese adretten braunen Söhne der Südsee", waren bei den deutschen Befehlsgebern sehr beliebt; Private, als Kaufleute, Beamte, Siedler und Missionare der Kolonie tätig, hingegen sahen in den durchaus selbstbewusst auftretenden Fitafita eine Gefahr, zumal die Polizisten auch gelegentlich gegen betrunkene Weiße vorgingen.

1897 wurde von der kaiserlichen Marine Kiautschou als deutsche Kolonie erobert und, im Gegensatz zu den Zuständigkeiten in den anderen deutschen Kolonien, die beim Auswärtigen Amt bzw. beim Reichskolonialamt lagen, von der Marine verwaltet. Das milde Klima und der attraktive Dienst in der Kolonie Kiautschou machte es möglich, dass 1.300 Mann der deutschen Marineinfanterie den Schutz der Besitzungen übernahm. Lediglich sechs Chinesen wurden anfangs als Polizisten in Tsingtau eingestellt, deren Zahl bis 1899 auf 28 stieg. Die Idee des Gouverneurs Paul Jaeschke, eine Kompanie aus Chinesen zu bilden. Die Soldaten wurden, wegen der für die deutschen Ausbilder schwierig auszusprechenden und zu lernenden Namen mit "Soldat Nr. 121" oder "Reiter Nr. 49" benannt. Die Beurteilung der Soldaten durch die Vorgesetzten war zwiespältig; einerseits wurden sie "als körperlich und geistig ausgezeichnetes Soldatenmaterial" charakterisiert; andererseits irritierten sie ihre Vorgesetzten durch ihre Verhaltensweisen, wie "Mangel jeglichen Ehrgefühls … das Fehlen einer anständigen Gesinnung". Als Einschub soll in diesem Zusammenhang auf die, vom Autor nicht berücksichtigte Arbeit der an der Universität Hildesheim tätigen Wissenschaftler Hubert Mainzer und Herward Sieberg "Der Boxerkrieg in China 1900-1901: Tagebuchaufzeichnungen des späteren Hildesheimer Polizeioffiziers Gustav Paul" (2001) verwiesen werden. Dort finden sich weitere zahlreiche "Erlebnisberichte" und Dokumente, die das Bild der "Chinesenkompagnie" erhellen können.

Nicht unwesentlich für den Forschungsumfang ist, auch die Frage danach zu stellen, wie sich die weiteren Lebenswege der ehemaligen Söldner und einheimischen Angehörigen der deutschen Schutztruppen in den deutschen Kolonien während und nach dem Ersten Weltkrieg gestalteten. Immerhin standen bis Ende November 1918 noch rund 7000 Söldner auf der deutschen Gehaltsliste. Während der Zeit der Weimarer Republik wurde die Regelung der "Ehrenschuld" an die ehemaligen Bediensteten des deutschen Kolonialreichs eher zögerlich wahr genommen. Erst im Januar 1925 bewilligte das Finanzministerium 12 Millionen Goldmark, um die früheren deutschen Askari in Tanganyika zu entschädigen. Zahlungen an andere ehemalige Söldner in den deutschen Kolonien hat es nicht gegeben. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Frage der "Kolonialneger" ideologisch, also rassistisch beantwortet. Die Unabhängigkeit Kameruns 1960 bewirkte, dass rund 300 ehemalige, noch lebende Söldner mit einer Nachzahlung von je 1000 D-Mark bedacht. 1963 schuf das Auswärtige Amt einen "Härtefonds" für ehemalige Askari und einheimische Angehörige der deutschen Schutztruppen in den Kolonien. Ein am 11. Januar 1964 im WDR gezeigter Fernsehbericht "Reichsadler und Giraffe", in dem heftige Vorwürfe wegen der unzulänglichen Entschädigung von ehemaligen, einheimischen Kolonialsoldaten erhoben wurden, wurden durch Spendenaktionen und offiziellen Geldern die damals noch lebenden Söldner mit einem jährlichen Ehrensold bedacht, der sich, so die unterschiedlichen Darstellungen, zwischen 50 Mark, 100 Mark und 240 Mark jährlich belief. Als vermutlich letzter noch lebender Söldner hat der Autor den in Tansania wohnenden Ibrahim Khalil identifiziert, dessen Vater sich 1889 für die Schutztruppe aus dem Sudan anwerben ließ. Auch Ibrahim Khalil kämpfte als Soldat während des Ersten Weltkriegs auf deutscher Seite, trat danach in die britische Kolonialarmee ein und erlebte den Zweiten Weltkrieg in britischer Uniform. Ende 1999 wurde er in einer Sendung des "Weltspiegel" interviewt. Wenige Wochen danach starb er mit rund 105 Jahren.

Der Mythos vom "treuen Askari" wurde in der Nachkriegszeit in Büchern, Filmen und Werbespots fleißig strapaziert. Die Fürstenberg-Brauerei warb noch Ende der 60er Jahre mit einem Foto, das einen Askari mit Reichsadler auf der Mütze und einem Glas Bier in der Hand lachend zeigt: "Er kann nur drei Worte deutsch: Lettoffvorbeck – Folkswagen – Fürstenberg!". In einigen Städten, wie etwa in München-Trudering, gibt es noch eine Straßenbezeichnung "Askaripfad", in Essen eine "Askaristraße", und noch hier und dort so etwas wie ein verschämt verstecktes oder abgebautes Denkmal an die "herrliche Kolonialzeit der Deutschen". Immerhin: Die Berliner Initiative "Stolperstein" hat kürzlich auch einen Erinnerungsstein an den 1944 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordeten ehemaligen Askari Mahjub bin Adam Mohamed alias Bayume Mohamed Hussein gesetzt.

Fazit

Besonders wertvoll an der Forschungsarbeit dürften die jeweils eingeschobenen Fallschilderungen von Söldnern, Askaris und Fitafitas sein, weil Erinnerung nicht in erster Linie Denkmäler braucht, auch nicht nur in Archiven aufbewahrte und verstaubende Quellenmaterialien, sondern Gesichter, die es den Leser ermöglichen, sich mit deren Geschichte auseinander zu setzen und, wenn es gut kommt, auch zu identifizieren.


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
E-Mail Mailformular


Alle 1498 Rezensionen von Jos Schnurer anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 29.05.2008 zu: Thomas Morlang: Askari und Fitafita. "Farbige" Söldner in den deutschen Kolonien. Links Verlag (Berlin) 2008. ISBN 978-3-86153-476-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6307.php, Datum des Zugriffs 06.05.2021.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht