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Heinz Walter (Hrsg.): Vater, wer bist du? Auf der Suche nach dem "hinreichend guten" Vater

Cover Heinz Walter (Hrsg.): Vater, wer bist du? Auf der Suche nach dem "hinreichend guten" Vater. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. 294 Seiten. ISBN 978-3-608-89067-9. 24,50 EUR.

Reihe: Leben lernen - 211.
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Thema

Der Herausgeber tut, was für Herausgeber charakteristisch ist: Er schreibt ein Vorwort (S. 7-8). Darüber hinaus aber trägt er den bedeutsamsten Beitrag zu dem von ihm herausgegebenen Sammelband bei: Heinz Walters Aufsatz hat den Titel „Das Echo der Vatersuche“ (9-44). Darin präsentierte er eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht lautet, dass die Vaterentbehrung dramatische Probleme und Schädigungen verursachen kann, und dass sich die Erkenntnis dessen in der Wissenschaft erst langsam durchsetzt. Die gute Nachricht besagt, dass sich die Vaterforschung auf ermutigendem Weg befindet. Sie hat endlich die Phasen von Polemik und Oberflächlichkeit hinter sich gelassen. Zu dem Verdacht der Oberflächlichkeit verweist Walter auch auf Abbildungen: Vater und Kleinkind am Computer, Vater mit Säugling auf dem Armt, telefoniert am Handy (S. 19). Dazu schreibt Walter: „Beide Väter sind anwesend, aber sind sie für das Kind da?“ (S. 19). Sein Vorwort kündigt die Absicht an, der Sammelband möge dazu beitragen, dass „die Väter-Perspektive das ihr gebührende Gewicht erhält“ (S. 7), und dass die etablierte Einseitigkeit der Mütter-Perspektive überwunden wird.

Aufbau und Inhalt

Heinz Walters Eröffnungsbeitrag nimmt seinen Ausgang bei der „Frage: Vater, wer bist du?‘“ und zitiert dazu das erschütternde Eingeständnis Horst Petris zu dessen Neigung, die Dramatik der Vaterentbehrung zu verdrängen (S. 10). Anschließend leistet Walter eine dichte Übersicht über die Vaterliteratur seit 1968 mit dem Rückblick auf die Nazidiktatur (S. 12). Er sieht dann „die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex ‚Väter‘“ „allmählich in die Gänge“ kommen (S. 13) und diskutiert auch die durch A. Mitscherlich schon 1953 eingeleitete Warnung vor dem kulturbedingten Vaterverlust. Walter traut sich sogar den Hinweis, dass Vaterschaft mehr noch als Mutterschaft – wegen weit geringerer biologisch-physiologischer Grundlagen – ein Kulturphänomen ist (S. 17). Er regt an und fordert, Väterforschung zu intensivieren und zu vernetzen und weist hin auf die sich verbessernde Qualität auch der empirischen Väterforschung (S. 21). Dabei sieht der Herausgeber-Autor sehr wohl die Schwierigkeit, „gelingende Vaterschaft ohne gelingende Partnerschaft“ (S. 27) zu verwirklichen. Gleichwohl hinterläßt er bei dem Leser den Optimismus, dass es sowohl in der Forschung als auch in der Alltagswirklichkeit zum Thema Vaterschaft vorangeht.

  1. Auf den Schlüsselbeitrag des Herausgebers folgen neun weitere bemerkenswerte Aufsätze: Ursula Bücks „Der fantasierte Vater“,
  2. Bettina Egger-Honeggers „Der Vater kommt ins Bild“,
  3. Margret Bürgissers „Der präsente Vater“,
  4. Jürgen Griesers „Der lebenslange Vater“,
  5. der Beitrag von Eva Rass „Der rettende Vater“,
  6. der von Regula Maag und Hans-Werner Reinfried gemeinsam verfaßt Aufsatz „Der nicht ‚hinreichend gute‘ Vater“,
  7. sowie von Wilhelm Felder „Der tragische Vater“,
  8. der von Annegret Sirringhaus-Bünder und Peter Bünder geschriebene Text „Der lernende Vater“, und endlich
  9. von Andreas Borter, Christoph Popp und Eberhard Schäfer „Der eingeladene Vater“.

Es folgt am Schluß des Buches eine sehr nützliche Zusammenstellung von Links zu deutschsprachigen Veröffentlichungen zur Väterforschung.

Fazit

Der Sammelband bringt Lesern der Psychotherapie, der Sozialpsychologie, der Familiensoziologie, der Gender Studies, der Sozialarbeit und anderen eine Fülle hilfreicher – zum Teil praxisnaher – neuer Erkenntnisse. Seine Lektüre wird mit Nachdruck empfohlen.


Rezensent
Prof. Dr. Horst Jürgen Helle
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Soziologie
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Zitiervorschlag
Horst Jürgen Helle. Rezension vom 07.09.2009 zu: Heinz Walter (Hrsg.): Vater, wer bist du? Auf der Suche nach dem "hinreichend guten" Vater. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2008. ISBN 978-3-608-89067-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6313.php, Datum des Zugriffs 20.09.2019.


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