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Carsten Winter u.a. (Hrsg.): Theorien der Kommunikations- und Medienwissenschaft

Rezensiert von Prof. Dr. Lothar Mikos, 10.10.2009

Cover Carsten Winter u.a. (Hrsg.): Theorien der Kommunikations- und Medienwissenschaft ISBN 978-3-531-15114-4

Carsten Winter u.a. (Hrsg.): Theorien der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Grundlegende Diskussionen, Forschungsfelder und Theorieentwicklungen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. 464 Seiten. ISBN 978-3-531-15114-4. 34,90 EUR.
Reihe: Medien - Kultur - Kommunikation
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Thema und Entstehungshintergrund

Die Kommunikations- und Medienwissenschaft hat sich in den letzten 30 Jahren stark entwickelt. Mit der Bedeutung der Medien in der Gesellschaft ist auch die Bedeutung der wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit den Medien – vor allem den klassischen Massenmedien, aber auch den massenhaft verbreiteten Individualmedien wie dem Internet – befassen, gewachsen. Die Dynamik der Disziplin macht es notwendig, einmal inne zu halten und den gegenwärtigen Stand der Theorieentwicklung zu dokumentieren. Diesem Anliegen folgten zwei Workshops der Fachgruppe Soziologie der Medienkommunikation in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK). Aus den Beiträgen zu diesen Workshops entstand der vorliegende Band.

Aufbau und Inhalt

Die insgesamt 21 Beiträge verschiedener Autoren sind zwei Teilen zugeordnet: Erstens den grundlegenden Diskussionen und zweitens spezifischen Forschungsfeldern und Theorieentwicklungen. Dadurch entsteht leider eine gewisse Disparatheit der Beiträge, die auch durch die gelungene Einleitung der drei Herausgeber nicht aufgelöst werden kann. Hier stellen die Herausgeber den Anspruch des Bandes dar und geben grundlegende Definitionen vor. So stellen sie klar: „Als grundlegend gelten dementsprechend solche Theorien, die auf verschiedene Phänomenbereiche angewandt werden bzw. diese verbindend einen konzeptionellen Zugang zu Gegenständen der Kommunikations- und Medienwissenschaft begründet haben“ (S. 10). Und weiter: „Im Zusammenhang damit verstehen wir Theorien als aus aufeinander bezogenen Begriffen bestehende und durch übergreifende Konzepte gekennzeichnete Aussagensysteme und darüber ausgedrückte Sinnzusammenhänge“ (S. 11). Dabei unterscheiden die Herausgeber zwischen vier Arten von Kommunikations- und Medientheorien:

  1. medien-kulturalistische,
  2. medien-materialistische,
  3. sozial-kulturalistische,
  4. sozial-materialistische.

Erstere nehmen Medieninhalte und –formen sowie deren Aneignung und Rezeption in den Blick. Zweitere „betonen die organisatorischen, finanziellen und technologischen Aspekte der Medien“ (S. 14). Die dritten fokussieren soziale Einflüsse auf die Medienproduktion und –rezeption. In den vierten schließlich werden die Medien und ihre Inhalte im Kontext von politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen gesehen.

Hier ist leider nicht der Platz, um alle Beiträge angemessen zu würdigen. Es kann lediglich ein Überblick über die dargestellten Theorien und Forschungsfelder erfolgen. Die einzelnen Beiträge behandeln Handlungstheorien und den Symbolischen Interaktionismus, Kritische Medientheorien, Öffentlichkeit, feministische Theorien, Kultur- und Systemtheorien, Innovationstheorien sowie „Kommunikationstheorie als Gesellschaftstheorie“, die Besonderheiten nationaler Theoriediskurse am Beispiel Frankreichs, interdisziplinäre Ansätze und „wissenschaftstheoretische Anmerkungen zur Theoriediskussion in den Kommunikationswissenschaften“. Ferner geht es um Journalismus(theorie), um Migranten und Medien, um Krisen als Medienereignisse, um die Verbindung von System- und Handlungstheorie, um praxistheoretische Perspektiven sowie um die Erforschung von Medienentwicklungen.

Fazit

Die versammelten Beiträge bieten einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Theorieentwicklung in der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Kritisch anzumerken ist, dass einige der Beiträge bereits so bzw. in leicht veränderter Form an anderen Stellen publiziert wurden. Für diejenigen, die sich in den Theoriediskussionen der Disziplin auskennen, bietet der Band daher kaum Neues. Studierende jedoch werden hier einen ersten Zugang zu manchen theoretischen Ansätzen finden, zumal ein Sachregister es ermöglicht, gezielt nach Stichworten den Band zu durchforsten. Der Rezensent hätte sich ein paar mehr Originalbeiträge gewünscht, die vor allem auch auf die Herausforderungen für die Theorie durch neuere Entwicklungen im Medienbereich eingehen. Abgesehen von dieser „Lücke“ eignet sich das Buch gut als Reader für Theorieseminare.

Rezension von
Prof. Dr. Lothar Mikos
Professor für Fernsehwissenschaft
Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf", AV-Medienwissenschaft

Es gibt 16 Rezensionen von Lothar Mikos.

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Zitiervorschlag
Lothar Mikos. Rezension vom 10.10.2009 zu: Carsten Winter u.a. (Hrsg.): Theorien der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Grundlegende Diskussionen, Forschungsfelder und Theorieentwicklungen. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2008. ISBN 978-3-531-15114-4. Reihe: Medien - Kultur - Kommunikation. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6343.php, Datum des Zugriffs 29.06.2022.


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