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Karl-Heinz Boeßenecker, Andreas Markert: Sozialmanagement studieren

Karl-Heinz Boeßenecker, Andreas Markert: Sozialmanagement studieren. Studienangebote im Bereich Sozialmanagement und Sozialwirtschaft und Analysen veränderter Rahmenbedingungen. Hans-Böckler-Stiftung (Düsseldorf) 2007. 158 Seiten. 25,00 EUR.

Arbeitspapier Nr. 141.


Thema

Seit einigen Jahren ist an deutschsprachigen Hochschulen eine boomartige Ausweitung von Studiengängen im Bereich Sozialmanagement und -wirtschaft festzustellen. Flankiert wird dieser Trend von tief greifenden Veränderungen des europäischen sowie nationalen Hochschul- und Studiengangssystems sowie von strukturellen Veränderungen innerhalb der Sozialwirtschaft selbst. Im sozialwissenschaftlichen und fachpolitischen Diskurs werden diese neuen Rahmenbedingungen zwar kontrovers diskutiert, gleichwohl wurden an vielen (Fach-) Hochschulen Verfahren und Instrumente des Sozialmanagements im großen Stil eingeführt. Ob hierbei die Fragen nach den Konturen eines entsprechenden Arbeitsmarktes und diesbezüglichen Qualifikations- bzw. notwendigen Ausbildungsprofilen wirklich adäquat gelöst sind, bleibt weitgehend offen. Für angehende Studierende ist dieses Feld zudem kaum zu durchschauen und systematisch einzuordnen.

Der Studienführer "Sozialmanagement studieren", herausgegeben als "Arbeitspapier" Nr. 141 der Hans Böckler-Stiftung (www.boeckler.de), rekonstruiert die hinterlegten Entwicklungen für den Boom an sozialmanageriellen/-wirtschaftlichen Ausbildungsinhalten an deutschsprachigen (Fach-) Hochschulen und dokumentiert vor diesem Hintergrund die hierzu in Deutschland, der Schweiz und Österreich im Wintersemester 2006/07 etablierten nahezu 100 Studiengänge.

Autoren

Karl-Heinz Boeßenecker ist (zurzeit beurlaubter) Professor für Verwaltungssoziologie am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Fachhochschule Düsseldorf und ist seit dem 1.3. 2008 hauptamtlicher Dekan der Fakultät Wirtschaft und Soziales an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Andreas Markert ist Professor für Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule Zittau/Görlitz.

Beide Autoren arbeiten im Forschungsschwerpunkt Wohlfahrtsverbände/Sozialwirtschaft (www.wohlfahrtsverbaende.de) mit: Boeßenecker als dessen Leiter, Markert als kooptiertes Mitglied. Der Forschungsschwerpunkt verfolgt die Aufgabe, Forschung, Lehre und Weiterbildung themenzentriert und anwendungsorientiert zu verbinden; im Mittelpunkt der Forschung stehen Organisation- und Personalentwicklungen im Bereich sozialer Dienstleistungen. Untersucht wird die Praxis der „klassischen“ Wohlfahrtsverbände ebenso wie die kleiner Non-Profit-Organisationen und gewerblicher (Sozial-) Dienstleister. Die vom ihm profilierten Untersuchungen sieht der Forschungsschwerpunkt eingebettet in die wettbewerblichen Veränderungen, die sich zum Beispiel durch die Herausbildung eines europäischen Sozialmarktes ergeben.

Inhalt

Bevor sich die Autoren dem eigentlichen Thema – dem Studienangebot  Sozialmanagement und –wirtschaft an deutschsprachigen Hochschulen – zuwenden, nehmen sie zunächst eine historische (Kapitel 2, S. 9 – 13) und eine sach-/fachsystematische Einordnung des Themas im Kontext der Ökonomisierung von hochschulischer Bildung und Sozialarbeit vor (Kap. 3 und 4, S. 15 – 30), wobei sie gesondert diskutieren, ob dabei private Anbieter auf dem Vormarsch sind (Kap. 6, S. 37 – 41), um zu dem Ergebnis zu gelangen, dass die "Expansionsphase von Sozialmanagement-orientierten Studiengängen … keineswegs beendet" sei, sondern vielmehr "eine erweiterte Anbieterstruktur" wahrgenommen werden könne, die "zu weiteren inhaltlichen Gewichtungen" führe (S. 41). Boeßenecker und Markert binden in ihre Darlegung die bildungspolitischen Rahmenbedingungen des Bologna-Prozesses und die aktuellen Positionierungen und Stellungnahmen der im Bereich der Sozialen Arbeit relevanten Fachorganisationen ein. Gesondert werden darüber hinaus die methodischen Zugänge der Erhebung erläutert (Kap. 5, S. 31 – 36).

In ihrer ausführlichen Übersicht (Datenstand: Mai 2007) präsentieren Boeßenecker und Markert zunächst die Hochschularten und –standorte der Studienangebote im Bereich Sozialmanagement/-wirtschaft (S. 45 – 50), um dann umfassend Detailbeschreibungen der Studienangebote (einheitlich rubriziert z. B. nach Art und Form des Studienangebotes , Abschluss, Studiendauer, Anzahl der Plätze, Studiengebühren und weiteren Erläuterungen) zu katalogisieren (S. 51 – 146). Ein Literaturverzeichnis mit Internet-Links rundet die Darstellung – neben obligaten Hinweisen zum Forschungsschwerpunkt Wohlfahrtsverbände/Sozialwirtschaft und zur Hans Böckler-Stiftung – ab.

Zielgruppen

Die Publikation dient zweifellos solchen Interessentinnen und Interessenten der dargestellten Studienangebote, die sich orientieren wollen, bevor sie sich festlegen und mit ihrem Studium beginnen. Auch diejenigen, die sich entschließen, nach dem B.A.-Studium einen Master in Sozialmanagement/-wirtschaft "draufzusatteln", kommen auf ihre Kosten. Sicher hilft das umfänglich recherchierte Verzeichnis auch potenziellen Anstellungsträgern, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Weiterbildungsangebote leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offen stehen.

Fazit

Ein Studienführer dient der Präsentation einen fragilen Überblick; mehr kann von einem Studienführer kaum erwartet werden. Diese Funktion haben Boeßenecker und Markert mit ihrer sauber zusammengestellten Übersicht erfüllt und dabei zugleich den Versuch unternommen, einen in Bewegung befindlichen "Ausbildungsmarkt" in Form einer Momentaufnahme zu erfassen. Mit dem systematisch gelungenen Studienführer liegt die zurzeit umfassendste Übersicht zum Stand entsprechender Studiengänge an deutschsprachigen Hochschulen vor. "Sozialmanagement studieren" zeigt einerseits die breite Vielfalt des Feldes, andererseits auch dessen Vergänglichkeit: Studienangebote entstehen und vergehen (dem Vernehmen nach schließt z. B. die auf Sozialmanagement/-wirtschaft nachgerade kaprizierte FH im DRK Göttingen schon wieder ihre Pforten, kaum dass die ersten Studierenden das Studium abgeschlossen haben). Insoweit verlangt das vorliegende Werk nach einer regelmäßigen Aktualisierung. Ob diese erfolgen wird, lassen die Autoren freilich offen.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
E-Mail Mailformular


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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 04.06.2008 zu: Karl-Heinz Boeßenecker, Andreas Markert: Sozialmanagement studieren. Studienangebote im Bereich Sozialmanagement und Sozialwirtschaft und Analysen veränderter Rahmenbedingungen. Hans-Böckler-Stiftung (Düsseldorf) 2007. Arbeitspapier Nr. 141. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6355.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


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