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Christian Baier: Fundraising (Stiftungen und Non-Profit-Bereich)

Christian Baier: Fundraising - ein Wegweiser für Stiftungen und den Non-Profit-Bereich. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2008. 93 Seiten. ISBN 978-3-939663-91-1. 40,80 EUR.
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Thema und Zielsetzung

Vor dem Hintergrund wachsender privater Vermögen sowie dem Wunsch nach aktiver und fördernder Teilhabe an der gesellschaftlichen Entwicklung setzt sich die Broschüre von Christian Baier mit dem Fundraising (für Stiftungen) auseinander, verstanden als „umfassende Mittelbeschaffung einer Nonprofit-Organisation (Finanz- und Sachmittel, Rechte und Informationen, Arbeits- und Dienstleistungen), wobei der Schwerpunkt auf der Einwerbung finanzieller Mittel liegt“. Mittelbeschaffung für gemeinnütziges Gestalten im Non-Profit-Bereich ist ein typischer Tätigkeitsbereich des Sozialmanagements. Durch die Fokussierung auf Stiftungen als Fundraising-Instrument greift Baier ein – allzu bekanntes – Thema unter neuem Vorzeichen wieder auf. In Zeiten ständig knapper werdender öffentlicher Mittel und angesichts der zunehmenden Konkurrenz um zusätzliche Ressourcen für soziale Projekte gewinnt dabei die Frage an Bedeutung, wie die Ziele von Non-Profit-Organisationen durch die Mobilisierung privater Gelder verstärkt und verlässlich unterstützt werden können. Die Stiftungsidee erlebt – gerade in einer solchen Zeit – als Möglichkeit der langfristigen Sicherung von Aufgaben und Projekten ein Comeback.

Autor

Christian Baier studierte Sozialpädagogik, Schwerpunkt Gemeinwesenarbeit und –entwicklung. Er arbeitet seit 2003 in der SOCIUS-Organisationsberatung gGmbH. Seit 2004 ist er Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin, Spezialgebiete Fundraising und Projektmanagement.

Aufbau und Inhalt

Die Broschüre ist in sechs Kapiteln gegliedert, die ersten vier befassen sich nach einer kurzen Einleitung mit den Einnahmearten des Fundraising, den Stiftungen sowie den gängigen Analysetools und Checklisten, gewonnen aus der Organisations- und Projektanalyse.

Im zweiten Kapitel vertieft Baier die zuvor in der Einleitung bereits skizzierten Einnahmefelder bei gemeinnützigen Organisationen und ergänzt sie um folgende, für die Mittelbeschaffung relevante Aspekte:

  • Projektantrag,
  • Kriterien der Antragsbewilligung,
  • Ablauf der Antragstellung sowie
  • Budgetgestaltung.

Weiterhin macht der Autor eine – für den Leser griffig formulierte – „Rundreise durch die Förderlandschaft“. Ferner behandelt er eingehend das Sponsoring unter rechtlichen und steuerlichen Erwägungen und stellt kenntnisreich dar, wie ein Träger ein Angebot für den Markt entwickelt und sich darstellt.

Im dritten Kapitel widmet er sich schließlich den Stiftungen; hierbei nehmen – ausgehend von der Stiftungsentwicklung in Deutschland – die Darstellung der Stiftungsgründung (siehe Checkliste zur Gründung einer Stiftung) und der wichtigsten Stiftungsarten unter Berücksichtigung steuerlicher und rechtlicher Aspekte breiten Raum ein.

In Kapitel vier beschreibt der Autor im Einzelnen die vorhandenen Analysetools, zu denen die SWOT-Analyse, die Bezugsgruppenanalyse, die Szenario-Analyse sowie die „Lesekurve eines Spendenbriefes“ gehören. Anschließend stellt er für den Leser eine Checkliste bereit, die auf die Win-Win Situation mit Sponsoren und gemeinnützigen Organisationen Bezug nimmt.

Kapitel fünf „Muster“ besteht aus einem ausformulierten Sponsoring-Vertrag; dem schließt sich in diesem Kapitel eine Mustersatzung für eine Stiftung an.

Kapitel sechs „Recherchetipps“ enthält elf Literaturquellen und elf Internetlinks. Es wäre übersichtlicher und klarer gewesen, wenn die beiden letztgenannten Kapitel einfach als Anlage beigefügt worden wären, anstatt sie wie einen Fliesstext zu behandeln. Im Text hätten stattdessen entsprechende inhaltliche Hinweise und Erläuterungen zur Anlage genügt.

Erfreuliche Auflockerung erfährt das Werk durch eingestreute, dunkel unterlegte Definitionen, Tipps, praktische Hinweise und Praxisbeispiele. Sparsam eingesetzte grafische Darstellungen runden die Broschüre ab. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der relativ umfangreichen Arbeit (93 Seiten insgesamt) fehlt.

Diskussion

Wenn eine Broschüre zu Fundraising als „Wegweiser zu Stiftungen“ erst auf Seite 40 (abzüglich der Kapitel fünf und sechs) von 75 „reinen“ Textseiten zum Thema kommt, besteht die Neigung, deren Gebrauchswert für Stiftungsinteressenten in Frage zu stellen. Dies gilt umso mehr, als Baier sich mehr allgemein mit Stiftungen beschäftigt und weniger (nur auf fünf Textseiten!) mit der Stiftung als Finanzierungsinstrument von Projekten auseinandersetzt. Wer sich mit Stiftungen befasst, benötigt sicher keine allgemein gehaltenen Ausführungen zur Stiftungsentwicklung und –gründung.

Das Einleitungskapitel erscheint überflüssig und kann übersprungen werden, zumal die Aufzählung der diversen Einnahmefelder im folgenden Kapitel fortgeführt und vertieft wird. Dagegen stört den stiftungsinteressierten Fundraiser, dass weder die Zielsetzung oder Problemstellung der Broschüre in der Einleitung thematisiert werden noch ein konkretes Erkenntnisinteresse des Autors dort zum Ausdruck kommt. Dadurch wird es für den aufmerksamen Leser schwierig, den „roten Faden“ des Gedankenganges des Autors im weiteren Verlauf der Darlegungen im Auge zu behalten und sich in der Broschüre zu recht zu finden. Eine Broschüre zum schnellen „Nachschlagen“ ist sie jedenfalls nicht. Dem Werk mangelt es auch daran, dass es keinerlei kapitelübergreifendes Fazit enthält, das dem umsetzungsorientierten Leser als „Leitfaden“ oder im Sinne von Empfehlungen nützlich sein könnte. Ferner fehlt letztlich eine Einordnung der Relevanz der einzelnen (Teil)-Aussagen für den gesellschaftlichen Zusammenhang, d. h. den beobachtbaren Zuwachs an privatem Vermögen einerseits und dem verstärkten Wunsch nach fördernder Teilhabe an der gesellschaftlichen Entwicklung andererseits.

Positiv zu bewerten sind demgegenüber das systematisch erstellte plakativ beschriebene Ablaufverfahren von Projektanträgen bei der öffentlichen Hand und bei Stiftungen. Hilfreich erscheint auch die illustrative Aufzählung der zahlreichen Analysetools und Checklisten, ohne dass dem interessierten Leser immer klar wird, in welchem Zusammenhang die detailgetreu beschriebenen Schritte mit dem Thema der Broschüre stehen. Vor allem bei den – für die praktische Anwendung sonst so wichtigen – Checklisten und den einfach als Textseiten angehängten Mustersatzungen wären entsprechende Erläuterungen wünschenswert gewesen.

Zielgruppe

An wen sich der Autor eigentlich wendet, wird an keiner Stelle deutlich. Das Werk spricht eher soziale Dienstleister als Zielgruppe an, die sich für neue Möglichkeiten des Fundraising interessieren und Näheres über das Instrument Stiftungen erfahren wollen.

Fazit

Das Werk zeigt an einigen Stellen seine Qualitäten als praktische Arbeitshilfe, Tipps und konkrete Beispiele erleichtern das Verständnis für die Vorschläge. Es ist insofern gut leserlich aufgemacht, die Texte sind eingängig. Das im Titel angekündigte Programm löst es dagegen nur teilweise ein.


Rezensent
Prof. Dr. Frank N. Loges
lehrt seit 2007 Sozialwirtschaft und Sozialmanagement an der Hochschule Darmstadt. Er war mehrere Jahre Geschäftsführer bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Bonn und Berlin und wirkte beim Aufbau der Freien Wohlfahrtspflege bei der Europäischen Union in Brüssel mit. Außerdem war er einige Jahre in der Beratung von sozialen Organisationen tätig.
Homepage www.h-da.de


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Zitiervorschlag
Frank N. Loges. Rezension vom 22.02.2009 zu: Christian Baier: Fundraising - ein Wegweiser für Stiftungen und den Non-Profit-Bereich. Verlag Dashöfer GmbH (Hamburg) 2008. ISBN 978-3-939663-91-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6361.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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