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Jutta Joormann, Suzan Unnewehr: Behandlung der sozialen Phobie bei Kindern und Jugendlichen

Rezensiert von Prof. Dr. Hans-Peter Michels, 10.12.2002

Cover Jutta Joormann, Suzan Unnewehr: Behandlung der sozialen Phobie bei Kindern und Jugendlichen ISBN 978-3-8017-1640-0

Jutta Joormann, Suzan Unnewehr: Behandlung der sozialen Phobie bei Kindern und Jugendlichen. Ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Gruppenprogramm. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2002. 99 Seiten. ISBN 978-3-8017-1640-0. 26,95 EUR. CH: 45,80 sFr.

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Einführung in die Themenstellung

Epidemiologische Studien verdeutlichen, dass es zu Beginn der Pubertät eine hohe Auftretenshäufigkeit für Soziale Phobien gibt. Diese Kulmination erklären manche Forscher damit, dass sich Mädchen wie Jungen in der Jugend besonderer Beachtung ausgesetzt sehen. Deren Verhalten wird in diesem Entwicklungsstadium besonders stark von Eltern, Lehrern und anderen Erwachsenen beobachtet bzw. kontrolliert. Zusätzlich bewerten sich die Jugendlichen wechselseitig hinsichtlich Attraktivität, Verhalten, Kleidung ,Musikgeschmack etc.

Aufbau und Inhalt

Joormann und Unnewehr haben ein störungsspezifisches Behandlungskonzept für Jugendliche mit Sozialer Phobie erarbeitet.

Im Buch berichten sie zunächst über die Symptome der Sozialen Phobie, die Klassifikation und die Epidemiologie. Die Autorinnen diskutieren Erklärungsansätze, wobei sie familiäre und soziale Umweltfaktoren (z.B. hohes Ausmaß an elterlicher Kritik, übertriebene Kontrolle, Ablehnung durch Gleichaltrige) berücksichtigen. Sie geben Hinweise für die diagnostische Abklärung dieser "Störung" und informieren über die pharmakologische und kognitiv-behaviorale Behandlung.

In Kapitel 6 "Die Therapiesitzungen" und Kapitel 7 "Materialien" stellen sie ihr verhaltenstherapeutisch orientiertes Manual für Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren vor. Es handelt sich um ein stark strukturiertes Programm für Gruppen von 6-8 Teilnehmern.

Wesentliche Bestandteile des Programms, so die Autorinnen, haben sie dem "Cognitive-Behavioral Group Treatment-Adolescents (CBGT-A)" der Gruppe um Albano und Heimberg entnommen. Dabei handelt es sich um keine genuine Entwicklung für Jugendliche mit Sozialphobie, sondern um eine "Abwärts-Adaptation" eines Programms von Heimberg für Erwachsene mit Sozialphobie.

Leider haben Joormann und Unnewehr ihr Therapieangebot gegenüber dem Original um ein wesentliches Element gekürzt: Vor der Gruppentherapie halten Albano und Mitarbeiterinnen mit jedem potentiellen Gruppenmitglied Einzelsitzungen ab. In dieser sogenannten Diagnosephase führen die Therapeuten Interviews und Verhaltenstests durch. Mit jedem Klienten arbeiten sie eine individuelle Angst- und Vermeidungshierarchie aus, und sie bereiten auf die therapiebegleitende Diagnostik vor. Infolgedessen können die Therapeuten eine erste Beziehungen zu ihren Klienten aufbauen sowie Ängste vor dem Gruppensetting abbauen, die ja für Sozialphobiker charakteristisch sind. Sie können darüber hinaus rechtzeitig entscheiden, ob für betreffenden Klienten zunächst eine Einzeltherapie angemessener ist.

Das Training von Joormann & Unnewehr ist in zwei Phasen gegliedert. Die ersten acht Sitzungen (eineinhalbstündig) sind psychoedukativ ausgerichtet: Die Teilnehmer werden ausführlich über soziale Ängste informiert und mit dem Dreifaktoren-Modell der Angst vertraut gemacht. Ängste lassen sich aufschlüsseln hinsichtlich kognitiver, physiologischer und behavioraler Aspekte. Weitere Schwerpunkte sind die kognitive Umstrukturierung, die Vermittlung allgemeiner Problemlösefertigkeiten sowie Selbstsicherheitsübungen (hier orientieren sie sich an dem Programm zur sozialen Kompetenz von Pfingsten).

Alle acht Einheiten bestehen aus einem dicht gedrängten Programm von Anweisungen für Therapeuten und Jugendliche. M.E. lassen sie sich in einem Zeitrahmen von eineinhalb Stunden nur selten realisieren; grundsätzlich wird ein gruppendynamisches Vorgehen erschwert.

In der zweiten Phase der Gruppentherapie, die wiederum acht Sitzungen umfaßt, stehen Expositionsübungen im Vordergrund, d.h. die Teilnehmer sollen sich angstbesetzten Situationen aussetzen und versuchen, selbstsicherer zu agieren. Diese Übungen werden sowohl als Rollenspiele im Gruppensetting geprobt, als auch in realen Situationen ausgeführt.

Fazit

Psychotherapeuten, die bisher wenig Erfahrung in der Arbeit mit Sozialphobikern haben, können dann von dem Manual profitieren, wenn sie es im Sinne eines "Werkzeugkastens" nutzen. Es sind sehr viele brauchbare Verfahren für kognitive Veränderungen und Verhaltensmodifikationen beschrieben, die kreativ für die eigene Therapiegestaltung adaptiert werden können.

Rezension von
Prof. Dr. Hans-Peter Michels
Dipl.-Psychol.

Es gibt 40 Rezensionen von Hans-Peter Michels.

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ISSN 2190-9245