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Steve DeShazer, Yvonne Dolan: Mehr als ein Wunder (Lösungsorientierte Kurzzeittherapie)

Rezensiert von Dr. Kirsten Oleimeulen, 10.01.2009

Cover Steve DeShazer, Yvonne Dolan: Mehr als ein Wunder (Lösungsorientierte Kurzzeittherapie) ISBN 978-3-89670-628-7

Steve DeShazer, Yvonne Dolan: Mehr als ein Wunder. Die Kunst der lösungsorientierten Kurzzeittherapie. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2008. 224 Seiten. ISBN 978-3-89670-628-7. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR.
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"Auch eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit einem ersten Schritt"

Lösungsfokussierte Beratung glaubt, dass Veränderungsprozesse unvermeidbar sind und sich fortwährend ereignen. Wesentliche Elemente der "Lösungsfokussierten Kurztherapie" entstammen der Kommunikationsforschung, den "Sprachspielen" von Wittgenstein, der Systemtheorie und Selbstorganisation, der Kybernetik zweiter Ordnung, dem Konstruktivismus und der Hypnotherapie eines Milton H. Erickson. Gestützt wird diese Therapieform durch aktuelle Forschungsergebnisse der Hirnforschung, insbesondere dem Konzept der Neuroplastizität.

Das formbare Gehirn

Die Erkenntnisse der Neuroplastizität zeigen, dass Lernen und Verhaltensänderungen durch die Verstärkung synaptischer Verbindungen zwischen Neuronen auf Basis gemachter Erfahrungen zu Stande kommen. Die lösungsfokussierte Kurztherapie unterstützt das, indem sie den Klienten Erfahrungen ermöglicht, die in die Richtung der Therapieziele der Klienten weisen. Steve de Shazer formuliert das so: ÇIf something works, do more of it and if something doesn„t work, do something elseÈ (etwa: "Wenn etwas funktioniert, tu mehr davon und wenn etwas nicht funktioniert, tu etwas anderes"). Klienten sollen also eingeladen werden, mehr von dem zu tun, was in Richtung ihrer Ziele weist. Dadurch machen ihre neuronalen ÇLösungsnetzwerkeÈ Erfahrungen, die zu ihrer Verstärkung führen und die ÇProblemnetzwerkeÈ verkümmern und verlieren an Einfluss.

Autor und  Autorin

Als Therapeut hat Steve de Shazer dem gesamten Feld der Psychotherapie gezeigt, wie einfach die therapeutische Praxis gestaltet werden kann, wenn auf die Lösungen und die Ressourcen der Klienten anstatt auf deren Probleme fokussiert wird. Er hat unterschiedliche Therapieschulen maßgeblich beeinflusst und sie ins neue Jahrtausend begleitet. Sein Credo lautete stets: "Keep it simple." Damit hat er die traditionelle psychotherapeutische Praxis radikal verkehrt: Anstatt mit den Klienten ihre Probleme verstehen zu wollen, fokussierte er mit ihnen auf einfache und elegante Art darauf, woran sie erkennen würden, wenn Lösungen gefunden wären und was sie dann anders machten als gegenwärtig. Er nutzte die Sogwirkung attraktiver Visionen, die im verborgenen Erwartungsraum der Klienten schlummern. Dabei war er ein unnachahmlicher Meister des Minimalismus: "Simple but not easy". Sein unvergessenes "May be" machte ihn zum größten Ermöglicher wundersamer Lösungsideen. Ein "OK" aus seinem Munde fasste alles Gesagte auf eine unausgesprochene Art zusammen und führte Klienten "step by step" würdevoll und mit viel Respekt an ihre Sehnsüchte und eigenen Stärken heran, um gemeinsam Lösungen zu erfinden.

Yvonne Dolan, M.A, arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Psychotherapeutin. Der im letzten Jahr verstorbene Steve de Shazer beschrieb sie als "eine der drei besten lösungsfokussierten Therapeutinnen der Welt." Sie ist Präsidentin der Solution-Focused Brief Therapy Association und leitet Seminare in lösungsfokussierter Therapie und Ericksonscher Hypnotherapie in den U.S.A., Kanada, Europa, Südamerika und im pazifischen Raum. Bisher hat sie zahlreiche Artikel in amerikanischen Fachzeitschriften und sechs Bücher geschrieben.

Aufbau

Das Buch "Mehr als ein Wunder" besteht aus 10 übergreifenden Kapiteln:

I Ein kurzer Überblick

In diesem Kapitel geben die beiden Autoren einen kurzen Abriss über die wesentlichen Lehrsätze, die Aufgabe des Therapierenden, über therapeutische Prinzipien und Techniken sowie über Anwendungsbereiche und Evaluationsstudien der lösungsfokussierten Kurztherapie.

II "Ich fühle mich richtig verunsichert"

"Ich fühle mich richtig verunsichert" ist die Mitschrift über eine lösungsfokussierte Kurztherapiesitzung einer drogenabhängigen jungen Frau mit Ivonne Dolan.

III Die Wunderfrage

In diesem Kapitel gibt es eine ausführliche Darstellung der Wunderfrage, die die facettenreichen Details, technische Feinheiten sowie die paradox wirkende "Einfachheit" dieser Intervention beschreibt.

IV Die Wunderskala

Die Wunderskala wird im Anschluss an das Wunderbild der Klienten/-innen eingesetzt und zerlegt das fertige Endprodukt quasi in seine Entstehungsschritte.

V Das magenfreundliche Gespräch

"Das magenfreundliche Gespräch" ist ein Fallbeispiel eines Jungen mit Schulschwierigkeiten und seiner Mutter in der Interaktion mit Steve de Shazer.

VI Hinschauen statt deuten

In diesem Kapitel arbeiten die Autoren/der Autor heraus, dass ihrer Therapierichtung keine universelle Begründung zugrunde liegt, dass eine Tatsache kontextgebunden ist und den Zusammenhang zwischen Sprache und Handlung.

VII "Mein wahres Ich"

Hierbei handelt es sich um ein Fallbeispiel von Insoo Kim Berg, die während einer Vorlesung einem Studenten begegnet.

VIII "Private Erlebnisse" und das Verb "sein"

Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht in Anlehnung an Wittgenstein die Bedeutung/Benutzung von Sprache und ihr Folgen am Beispiel des Wortes "sein".

IX Die SFBT und Emotionen

Emotionen sind so kontextgebunden, wie Tatsachen. Ein innerer Vorgang der Emotionen bedarf daher eines äußeren Kriteriums. Mit von Skalen werden die äußeren Elemente einer Veränderung im Gefühlsleben der Klientin entwickelt und beschrieben.

X Fragen und mögliche Missverständnisse

Dieses Abschlusskapitel beschäftigt sich u.a. mit den Fragen:

  • Weshalb ignoriert diese Therapierichtung die Probleme der Klienten? und
  • Wie können Sie jemandem helfen, wenn Sie mit ihm nicht über seine Probleme reden?

Zielgruppe

Das Buch richtet sich an systemisch arbeitende Therapeuten/-innen oder solche, die es gerne in der Richtung arbeiten würden.

Fazit

Während in der systemischen Therapieausbildung die Wunderfrage manchmal aus Zeitgründen nur am Rande abgehandelt wird, bietet dieses Buch einen autodidaktischen Weg sich der lösungsfokussierten Kurztherapie zu nähern. Alle diejenigen die an der Wunderfrage in der Praxis gescheitert sind, finden hier eigene therapeutische Fallen, in die sie getappt sind und Wege sowie Motivationsquellen es doch noch einmal zu probieren. Newcomer dieser Intervention werden so detailliert angeleitet, dass sie es sich zutrauen können loszugehen.

Rezension von
Dr. Kirsten Oleimeulen
Psychologin – Familienberaterin, akkreditierte Psychologin für Gesundheitspsychologie und Prävention (BDP), systemische Familientherapeutin und Supervisorin, online-Beraterin
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Es gibt 96 Rezensionen von Kirsten Oleimeulen.

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Zitiervorschlag
Kirsten Oleimeulen. Rezension vom 10.01.2009 zu: Steve DeShazer, Yvonne Dolan: Mehr als ein Wunder. Die Kunst der lösungsorientierten Kurzzeittherapie. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2008. ISBN 978-3-89670-628-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6396.php, Datum des Zugriffs 10.08.2022.


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