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Gabriele Haben, Anette Harms-Böttcher: In eigener Sache (Mobbing)

Cover Gabriele Haben, Anette Harms-Böttcher: In eigener Sache. Vom Festhalten zum Loslassen in Mobbing-Situationen. Orlanda Verlag (Berlin) 2002. 135 Seiten. ISBN 978-3-929823-91-2. D: 10,50 EUR, A: 10,30 EUR, CH: 17,80 sFr.
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Interesse am Buch

Als systemische Mediatorin für Organisationen beschäftigt mich das Thema Mobbing, denn es ist ein - oder auch kein - Umgang mit Konflikten am Arbeitsplatz. Kann Mediation prophylaktisch, und wenn möglich auch konfliktbearbeitend, in Mobbingprozessen eingesetzt werden? Darauf suche ich Antworten...

Die Autorinnen

Beide Autorinnen arbeiten seit langem als Mobbing- Beraterinnen und legen hiermit bereits das zweite Buch zum Thema vor (was m. E. zurecht auch für den Erfolg des ersten "Das Hamsterrad. Mobbing: Frauen steigen aus" spricht).

Aufbau und Inhalte

Nach einer Einführung in das Thema über die Begriffe "Krise" und "Lösungsfaktoren" erläutern 4 Fallbeispiele unterschiedliche Möglichkeiten, sich in Mobbingsituationen zu verhalten. Ausgehend von der Frage: wie steigen Betroffene aus? haben die Autorinnen vier Faktoren für mögliches Veränderungspotenzial gefunden:

  1. Wahrnehmung
  2. Überzeugung, Einstellung
  3. Konfliktverhalten und
  4. Ziel

Sie verpacken diese Faktoren in kurzweilige Erzählungen über Bettina Bleibtreu, Waltraud Wende, Tanja Trenner und Nancy Neuland. Im Anschluß beleuchten die Autorinnen das Verhalten dieser Protagonistinnen theoretisch und fragen nach dem systemischen Hintergrund der Situationen. Die genannten Faktoren werden exemplarisch zugespitzt, letztendlich gibt es eine Vielfalt von Kombinationsmöglichkeiten. Durch gedankliche Reflexion sollen eingefahrene Muster in Frage gestellt (hinterfragt) und andere Hypothesen aktiviert werden.

Die Theorie wird dadurch sehr praktisch nahegebracht, Verhaltensoptionen werden möglich.

Der Ansatz der Autorinnen besteht dabei in der Lenkung der Wahrnehmung von den äußeren Umständen auf die Betroffenen selbst, die ein eigenes Drehbuch nach ihren Spielregeln entwickeln. Wenn diese Verantwortung für sich selbst übernommen wird, gibt es letztendlich immer die für die Person richtige, weil angemessene Lösung. Für mich zeigt sich darin ein sehr wertschätzender Umgang mit den Betroffenen. (Diese Verantwortung der Betroffenen für sich selbst ist auch in der Mediation prozessleitend.)

Zielgruppen

Zielgruppen des Buches sind sowohl Betroffene, die ermutigt werden, das Heft in die Hand zu nehmen, wie auch Beraterinnen, Personalvertretungen u.ä., die mehr Kompetenz wollen, um ihrer Unterstützungsfunktion besser gerecht zu werden. So gesehen ist das Buch auch für Freundinnen und Kolleginnen hilfreich, denn wie auch in einem Fallbeispiel vorexerziert, können die Reaktionen des Umfeldes für Betroffene sowohl ressourcenfördernd als auch stressverstärkend sein. Übungen zur Reflexion runden das Angebot ab.

Dass die Darstellung beiden Zielgruppen gerecht wird, finde ich besonders gelungen. Daneben gefällt mir die Frauen benennende Sprache (davon hätte ich gerne viel mehr). So agieren die o.g. Frauen in einem überwiegend weiblichen Bezugsrahmen von Ärztin, Kolleginnen, Freundinnen, Familie. Wie dieser Rahmen ist, so wird er auch grammatikalisch gehandhabt.

Fazit

Insgesamt spricht aus dem Buch ein großer Erfahrungsschatz der Autorinnen. Die philosophischen Einwürfe, die Auszüge aus "Alice im Wunderland" sowie Interview-Auschnitte mit Betroffenen machen das Buch zu mehr als einer Fallsammlung. Ich kann allen mit der Thematik Konfrontierten dieses Buch wärmstens empfehlen.


Rezensentin
Dipl. Päd. Sabine Kamp-Decruppe
Mediatorin BM e.V., tätig u.a. im Psychosozialen Dienst der Friesenhörn GmbH
Homepage www.sabine-kamp.de
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Zitiervorschlag
Sabine Kamp-Decruppe. Rezension vom 03.12.2002 zu: Gabriele Haben, Anette Harms-Böttcher: In eigener Sache. Vom Festhalten zum Loslassen in Mobbing-Situationen. Orlanda Verlag (Berlin) 2002. ISBN 978-3-929823-91-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/640.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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