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Beatrice Hecht-El Minshawi: Interkulturelle Kompetenz (internationale Zusammenarbeit)

Cover Beatrice Hecht-El Minshawi: Interkulturelle Kompetenz - For a Better Understanding. Schlüsselfaktoren für internationale Zusammenarbeit. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2008. 157 Seiten. ISBN 978-3-407-36114-1. 14,90 EUR.
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Thema

Ohne Zweifel ist die Firmenlandschaft internationaler geworden, sowohl Mitarbeiter als auch Netzwerke und Firmenkontakte sind nahezu weltumspannend geworden. Insofern ist das Thema der interkulturellen Kompetenz hoch aktuell, weil Teamkonflikte oft auf interkulturelle Missverständnisse zurückzuführen sind, weil manchmal Geschäftsbeziehungen leiden und weil bisweilen viel versprechende Projekte scheitern.

Aufbau …

Das Buch von Beatrice Hecht-El Minshawi ist in drei Themen aufgeteilt: interkultureller Workshop, Kulturdimensionen, Konzepte und Empfehlungen. Manche Teile des Buches sind auch ins Englische übersetzt worden, wobei nicht ganz klar wird, warum nicht das ganze Buch zweisprachig konzipiert wurde. Oder besser: warum nicht auf die Übersetzung verzichtet wurde. Manchmal, das zeigen die einleitenden Kapitel sind die Aussagen so wahr bzw. schon so ausgelaugt, dass es etwas banal klingt. Natürlich hat sich in einigen Unternehmen viel getan, wenngleich dies nicht genug ist (S. 8), und die Forderung nach einer „neuen Lernkultur“ (S. 10) hört man zu oft.

… und Inhalt

Der erste Teil des Buches beschreibt eine Weiterbildung in Melbourne, an der zehn Mitarbeiter eines Unternehmens aus unterschiedlichsten Ländern teilnehmen. Zuerst werden diese Mitarbeiter mittels eines Steckbriefes beschrieben. Dass Alice McLoughlin (S. 17) aus Melbourne ein Motto der Schriftstellerin Ilse Aichinger wählt, die in Australien wenig bekannt sein dürfte, klingt sehr unwahrscheinlich. Manche persönlichen Daten hätten in der 2. Auflage aktualisiert werden sollen (z. B. Ralph Tunner, geb. 1937, S. 25).

Dann beginnt das Seminar, unter anderem mit einem Zitat von Marie Ebner-Eschenbach (S. 34). Leider kennen viele Studenten diese Schriftstellerin nicht, aber den Teilnehmern dieses Seminars ist sie sicherlich gänzlich unbekannt. „Kennen Sie den Spruch von Marie von Ebner Eschenbach?“ (S. 34) ist also eine sehr rhetorische Frage. Methodisch ist die Autorin sehr mutig. Nach einer ausführlichen Vorstellungsrunde, bei der Erwartungen und Wünsche festgehalten und zentrale Begriffe wie z. B. eigene und fremde Kultur diskutiert werden, eröffnet sie den Teilnehmern, dass am folgenden Tag die Teilnehmer in Spaziergängen Stadt, Land und Leute kennen lernen können. Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, was er mit diesem Tag unternimmt. Das ist eine ungewöhnliche Idee, es verbleibt jedoch ein Rest Skepsis. Wäre es nicht besser, diese Idee mit bestimmten Aufträgen zu verbinden, z. B. aus der Methodenkiste von City Bound (Crowther 2005) oder mit einer kleinen Projektidee? So jedenfalls muss das Unternehmen bzw. der CEO erst gefunden werden, der ein solches Weiterbildungskonzept genehmigt. Auch wären noch ein bis zwei Tage mehr notwendig gewesen, um die vielen Idee und Anregungen (S. 82 f) konkretisieren zu können. Sonst könnte es leicht bei netten Ideen und schönen Plänen bleiben.

Im nächsten Abschnitt geht es um kulturelle Dimensionen. Hier werden in aller Kürze, aber durchaus übersichtlich, einige Theorien vorgestellt. Die Charakteristika internationaler Kulturen nach Gesteland (S. 11f) hätten etwas ausführlicher erklärt werden sollen. Die Landes-Kulturprofile (S. 114) sind für Anfänger durchaus erhellend. Vielleicht wäre es noch eine gute Ergänzung gewesen, jedem Länderprofil die zehn „To Dos“ und die zehn „Not to dos“ zuzuordnen.

Der dritte Abschnitt bringt Konzepte und Empfehlungen. Die Hinweise auf sinnvolle Methoden interkultureller Seminare (S. 128) sind zu wenig zugeschnitten auf diese Thematik. Inputs, Referate, Gruppenarbeit, Fallbeispiele, Rollenspiele, Simulationen, Arbeit mit Texten – diese Hinweise gelten für alle Arten von Seminaren. Der letzte Teil dieses Kapitels geht auf die Schwierigkeiten ein, die für Fachleute und deren Partner bei einer Auslandstätigkeit entstehen. Es ist keine Neuigkeit, dass man durch Filme und Filmsequenzen dazu lernen kann (S. 143ff). So wie der Starnberger „Studienkreis für Tourismus und Entwicklung“ Broschüren zum Verstehen von Ländern entwickelte, so müsste auch das filmische Material aufbereitet werden, damit effizient gelernt wird. Insofern bleiben diese Ausführungen zu vage.

Nach dem Epilog folgen noch drei Seiten Werbung in eigener Sache. Das sind drei Seiten zu viel.

Fazit

Das Buch von Hecht-El Minshawi ist in vielen Teilen durchaus anregend, vor allem dann, wenn die Autorin aus ihrer eigenen Trainerinnenpraxis berichtet. Manchmal sind Zitate und Formulierungen etwas banal. Die Übersetzung ins Englische hätte man sich sparen können.


Rezensent
Prof. Dr. Werner Michl
Homepage www.wernermichl.de
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Zitiervorschlag
Werner Michl. Rezension vom 25.02.2009 zu: Beatrice Hecht-El Minshawi: Interkulturelle Kompetenz - For a Better Understanding. Schlüsselfaktoren für internationale Zusammenarbeit. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2008. ISBN 978-3-407-36114-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6460.php, Datum des Zugriffs 14.11.2019.


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