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Sue Johnson (Hrsg.): Interdisziplinäre Versorgungspfade

Cover Sue Johnson (Hrsg.): Interdisziplinäre Versorgungspfade. Pathways of care. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2002. 237 Seiten. ISBN 978-3-456-83315-6. 29,95 EUR, CH: 49,80 sFr.
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Hintergrund und Thema des Buches

Versorgungspfade mit der Beschreibung der spezifischen Leistungen unterschiedlicher Berufsgruppen zu verschiedenen Zeitpunkten im Behandlungsprozess eines Patienten sind ein zunehmend diskutiertes Thema in bundesdeutschen Krankenhäusern. Damit wird hierzulande eine Entwicklung aufgenommen, die im angloamerikanischen Raum und in England vor ungefähr 10 Jahren begonnen hat. Die Darstellung der Arbeitsprozesse, eine verbesserte Kostenberechnung und eine Erhöhung der qualitativen Versorgung stehen dabei im Zentrum der Entwicklung. Das Buch bietet einen Überblick über Entwicklung und Einsatz von Versorgungspfaden und beschreibt in einfacher Art und Weise ein aktuelles Thema.

Zur Autorin

Sue Johnson arbeitet für den National Health Service, dem zentralen Gesundheitsdienstleister und einem der größten Unternehmen in England. Sowohl Johnson als auch die Mitarbeiterinnen des Buches verfügen selbst über praktische Erfahrungen bei der Konstruktion und Umsetzung von Versorgungspfaden in unterschiedlichen klinischen Bereichen. Als Projektkoordinatoren haben sie daher umfassende Kenntnisse von den Anwendungsmöglichkeiten, aber auch von den Grenzen und möglichen Störungseinflüssen, die bei der Arbeit mit Versorgungspfaden auftreten können.

Aufbau und Inhalt des Buches

In einem ersten Teil werden grundsätzliche Ziele von Versorgungspfaden beschrieben. Vor allem die Bedeutung im Rahmen der Qualitätssicherung und der stetigen Verbesserung der Behandlungsprozesse werden thematisiert. Dabei stellt die Autorin heraus, dass die Entwicklungen immer wieder neu zu leisten sind und an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden müssen, wenn sich weiterführende Nutzungsmöglichkeiten ergeben sollen. Versorgungspfade werden als Werkzeug für die Umsetzung von Richtlinien aufgefasst und nicht selbst als starre Richtlinien.

Im folgenden Kapitel des Buches werden Schritt für Schritt die Prozesse der Vorarbeit zur Erstellung beschrieben und es wird verdeutlicht, aus welchen Bestandteilen ein vollständiger Versorgungspfad bestehen sollte. Hervorzuheben ist, dass Johnson sich der Analyse der Abweichungen in besonderer Art und Weise widmet. Abweichungen vom Versorgungspfad als zentraler Bestandteil der Auswertung und als Ausgangspunkt für eine Vervollständigung und Verbesserung werden hier als integraler Bestandteil der Arbeit mit Pfaden herausgestellt. Johnson beschreibt Wege der Auswertung und die daraus resultierenden Organisationsveränderungen.

Im zweiten Teil werden erfahrungsorientiert die Schritte der Umsetzung und der Anwendung der erzielten Ergebnisse in verschiedenen Bereichen der Akutpflege vorgestellt. Exemplarisch (Urologie, Kardiologie) gewähren die Autorinnen Einblick in erstellte Pfade mit den entsprechenden Formularen. Vor allem die Beschreibung der Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse und die veränderte Patientenversorgung wird beschrieben und veranschaulicht so den tatsächlichen Nutzen der Anwendung.

Im dritten Teil werden Versorgungspfade aus dem Bereich der Langzeitpflege vorgestellt, diskutiert und es wird aufgezeigt, wie Versorgungspfade für Überleitungsprozesse genutzt werden können. Auch hier werden Formulare vorgestellt. Die Autorinnen zeigen auf, dass Versorgungspfade auch in ambulanten und psychiatrischen Bereichen sinnvoll angewendet werden können. Trotz so viel erfolgsversprechender Berichte fehlt es nicht an Selbstkritik und an einer genauen Analyse von Problemen, die mit der Einführung von Versorgungspfaden verbunden sind.

Des weiteren werden in dem Buch Fragen diskutiert, wie und in welchem Maße Versorgungspfade für eine bessere Finanzierung und als Grundlage für evidenzbasierte Behandlungsverträge genutzt werden. Damit werden aktuelle Diskussionen aufgegriffen und vor dem Hintergrund der Versorgungspfade konkret fokussiert. Zuletzt wird auf die Konstruktion von EDV- basierter Erfassung eingegangen. Hier werden die Notwendigkeiten der Systemleistungen beschrieben und grundsätzliche Entwicklungsstrategien auch für die Zukunft angerissen.

Das Buch ist personenzentriert und in einer einfachen und klaren Sprache geschrieben. Zahlreiche Abbildungen und praktische Hinweise sowie Beispiele zentraler Dokumente runden dieses praxisorientierte ab und erhöhen die Freude beim Lesen.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Manager der Pflege, die sich mit der Thematik vertraut machen möchten und die die Implementationsprozesse steuern müssen. Dazu gibt das Buch viele Hinweise und es werden Hilfen zur Strukturierung eines Umsetzungsprozesses gegeben. Gleichermaßen richtet sich das Buch an Praktiker, die Versorgungspfade einsetzen sollen, bzw. die den Einsatz unterstützen. Vorgeschlagen wird, das Buch interdisziplinär zu diskutieren, da es sich bei den Versorgungspfaden um berufsübergreifende Entwicklungen handelt.

Fazit

Das Buch stellt mehr als einen theoretischen Überblick dar, da auch aus der praktischen Arbeit berichtet wird. Die Sprache ist einfach gehalten und somit ohne vorherige Beschäftigung mit dem Thema gut verständlich. Das letzte Kapitel über EDV- gestützte Dokumentation ist vor allem für all diejenigen interessant, die sich mit der Implementierung eines Kommunikations-Informations-Systems (KIS) beschäftigen und Anforderungen an die zukünftige Software formulieren müssen. Ein insgesamt gelungenes Buch für Manager und Praktiker. Offen bleiben jedoch Fragen aus Sicht der Pflegewissenschaft. Mit welchen Instrumenten begleitet man den Implementationsprozess und wie zeigt man die vielfältigen Veränderungen genauer auf, die sich aus einer Anwendung von Versorgungspfaden ergeben? Hier wären Hinweise zu Techniken und ausführlichere Beschreibungen sowie Ergebnispräsentationen eine sinnvolle Ergänzung gewesen. Begleitende Evaluation erscheint sinnvoll- vor allem deshalb, weil es sich bei der Erstellung von und Arbeit mit Versorgungspfaden um einen arbeits- und somit kostenintensiven Prozess handelt.

Dennoch ist das Buch eine Empfehlung wert.


Rezension von
Prof. Dr. Michael Isfort
Dipl. Pflegewiss.
Katholische Hochschule (KatHO) NRW, Köln


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Zitiervorschlag
Michael Isfort. Rezension vom 10.02.2003 zu: Sue Johnson (Hrsg.): Interdisziplinäre Versorgungspfade. Pathways of care. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2002. ISBN 978-3-456-83315-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/647.php, Datum des Zugriffs 25.05.2020.


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