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Michael Greiling: Prozesscontrolling im Krankenhaus

Rezensiert von Dipl.-Pflegewirt Andreas Draxinger, 22.11.2008

Michael Greiling: Prozesscontrolling im Krankenhaus. Steuerung von Abläufen mit Hilfe des Reportings. Baumann Fachverlag (Kulmbach) 2008. 172 Seiten. ISBN 978-3-938610-04-6. 21,50 EUR.
Ku-Profi-Reihe.

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Autor

Professor Michael Greiling aus Münster promovierte in Wirtschaftswissenschaften und erhielt eine Stiftungsprofessur an der Fachhochschule Gelsenkirchen zum Thema "Betriebswirtschaftslehre insbesondere Workflow-Management im Gesundheitswesen". Außerdem ist Greiling Geschäftsführer des an die Hochschule angebundenen "Instituts für Workflow-Management im Gesundheitswesen" (IWiG®) und der com2health GmbH.

Der Covertext als Überblick

Mit diesem Band, der sich wie die vier vorhergehenden Bände mit dem Management von Prozessen im Krankenhaus beschäftigt, "... soll dem Leser nun eine Orientierungshilfe für eine funktionsfähige Steuerung und Ausgestaltung des betrieblichen Informationssystems mithilfe eines optimierten Berichtswesens, auch Reporting genannt, an die Hand gegeben werden. [...]

Es gilt, relevante Informationen so zu kommunizieren, dass diese vom Empfänger wahrgenommen, korrekt verstanden und sinnvoll verwertet werden. Eine einheitliche Gestaltung von Berichten ist hierfür unabdingbar.

Der vorliegende Band erläutert die [zukünftigen] Anforderungen [eines Krankenhauses] an das Reporting und liefert konkrete Vorschläge für eine einheitliche Gestaltung von Berichten, die von der optimalen Gestaltung des Berichtskopfes bis hin zum gezielten Einsatz von Schaubildern und Tabellen reichen.

Das Buch kann somit als ein 'Bewertungsindex' [fungieren und] helfen, ein neues Informationssystem aufzubauen, Stärken und Schwächen eines bestehenden Berichtswesens aufzudecken und zur Verbesserung des Reportings im eigenen Unternehmen beizutragen."

Bei der Betrachtung des Covertexts, der Einleitung sowie der Zusammenfassung wird erkennbar, dass vor allem Führungskräfte des operativen und strategischen Managements oder Mitarbeiter einer Controlling-Abteilung in Krankenhäusern angesprochen werden.

Aufbau und Inhalt

Kapitel A: Einleitung und Kapitel B: Allgemeine Grundlagen. Die theoretischen Ausführungen des Autors basieren auf wissenschaftlicher Literatur zur Betriebswirtschaftslehre sowie zum Gesundheits- und Krankenhausmanagement (98 Quellenangaben im Literaturverzeichnis). Im Vorwort, in der Einleitung (Kapitel A) und im Kapitel B wird die praktische Problemstellung dargestellt, welche den Autor dazu veranlasste, einen Band als Bewertungsindex für bestehende Reportingsysteme oder als Hilfestellung zur Implementierung eines Berichtswesens zu schreiben. Kliniken benötigen seit der Einführung der neuen Vergütungsform (DRG) mehr denn je ein optimiertes Berichtswesen als Basis für eine exakte Kostentransparenz. Das Kapitel B schildert vor dem Hintergrund des ansteigenden Komplexitätsgrades bei Unternehmen kurz die Notwendigkeit einer Aufspaltung des Managementsystems in einzelne Teilsysteme. Greiling verweist darauf, dass die Koordinierung der einzelnen Subsysteme die Nutzung eines Controllingsystems erfordert. Das Führungssystem Controlling soll das Informationssystem mitgestalten bzw. nutzen, um die anderen Führungssysteme ausreichend mit wichtigen Informationen unterstützen zu können.

Der Band gliedert sich dann in weitere 3 Hauptkapitel, die im Folgenden zusammengefasst dargestellt werden.

Kapitel C: Das Informationssystem. In Kapitel C werden Grundlagen, theoretische Ansichten, Anforderungen und Aufgaben eines Informationssystems bzw. der Informationsverarbeitung strukturiert dargestellt. Die theoretischen Ansätze bilden den Bezugsrahmen für die weiteren Kapitel oder stellen eine Basis für Maßnahmenableitungen zur Entwicklung eines Reportingsystems dar. Der Autor konzentriert sich hier im Wesentlichen anhand eines Phasenmodells nach Horváth u. a. auf die Phase der Bestimmung des Informationsbedarfs. Diese Phase stellt eine Kernaufgabe dar, wenn es darum geht, ein Informationssystem als Teil des Führungssystems systematisch zu planen. Dabei werden Merkmale von Informationen, Formen, Verfahren oder Methoden der Informationsbedarfsermittlung systematisiert. Es werden unter anderem diejenigen Methoden der Informationsbedarfsermittlung kritisch beleuchtet, welche die operative oder strategische Ebene des Managements betreffen (z.B. S. 37).

Kapitel D: Berichtswesen/Reporting. Kapitel D befasst sich ausführlich mit der Informationsverarbeitungsphase "Informationsübermittlung". Die Ausführungen betonen, dass das Reporting ein wichtiges Teilsystem des Informationssystems bzw. ein Bindeglied zwischen den Führungssystemen darstellt, welches sich auf die Übermittlung bzw. Weiterleitung der Informationen konzentriert und letztendlich eine Kernaufgabe des Controllings darstellt. Es folgt eine Darstellung der historischen Entwicklung des Berichtswesens sowie von Definitionen, Gestaltungsmerkmalen, Zweck, Grundsätzen und Anforderungen an Berichte. Die relevanten Gestaltungsmerkmale (formale, inhaltlich, zeitlich, personal) werden vertiefend erläutert und stellen den Bewertungsindex für ein Reportingsystem dar. Formale Kriterien, welche die Visualisierung von Berichten betreffen, werden in Form von Abbildungs- und Tabellenbeispielen berücksichtigt. In Bezug auf die inhaltlichen Gestaltungsmerkmale geht es primär um den Aussagegehalt von Berichten bzw. die Relevanz von Tatbeständen. Der Autor verweist hier auch auf verhaltensorientierte Erkenntnisse, welche drei Hauptaspekte ansprechen, die den Adressaten betreffen: Redundanz, Eindeutigkeit und Informationsentlastung durch Verdichtung und Selektion. Unter Berücksichtigung bestimmter Übermittlungsphasen erfolgt des Weiteren eine Diskussion von Störungen, die Informationsverluste und die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger beeinträchtigen können. Der Autor führt dazu Lösungen und positive Aspekte (Glaubwürdigkeit, Attraktivität etc.), die bspw. die Akzeptanzphase des Empfängers betreffen, auf. Anschließend werden unterschiedliche Berichtsarten (Standard-, Abweichungs-, Bedarfsbericht) demonstriert. Aspekte wie Grundsätze, Zweck, Anforderungen an die jeweiligen Berichtsarten sowie deren Vor- und Nachteile werden ebenso eingehend beachtet. Der Autor veranschaulicht zu den einzelnen Berichtsarten beispielhaft einen Theorie-Praxis-Transfer in einem Krankenhaus mithilfe zahlreicher Abbildungen inkl. kritischer Erläuterungen hinsichtlich der Berücksichtigung von formalen Gestaltungsmerkmalen. Das Kapitel DVI beschäftigt sich mit unterschiedlichen Berichtssystemen und deren Anforderungen (z.B. Objektivität) bzw. Voraussetzungen (z.B. Standardisierung, Wirtschaftlichkeit) für deren Integration. Berichtssysteme dienen dazu, den Informationsbedarf geordnet zu strukturieren und sollen je nach Art der betrieblichen Entscheidungsvorgänge Anwendung finden. Zum Abschluss des Kapitels D werden weitere Komponenten eines Reportingsystems erläutert. Das EDV-Berichtssystem und deren Realisierung durch Data-Warehouse (Datenbankkonzept), Online Analytical Processing (Datenbank, Datenaufbereitungssoftware) und Data-Mining-Konzept (neueres Informationssystem, das relevante Daten automatisiert auswertet) werden nur kurz erwähnt. Ein Theorie-Praxis-Transfer anhand von Abbildungen wäre hier für den Leser wünschenswert, zumal immer noch viele Kliniken keine ganzheitlichen Datenbankkonzepte oder komplexe Softwarekomponenten zur Datenauswertung nutzen. Des Weiteren werden andere wichtige Komponenten wie Abweichungsanalysen, Prognoseinstrumente, Kennzahlen, strategierelevante (qualitative) Informationen vorgestellt.

Kapitel E: Spezielle Prozesskostenrechnungs-Berichte. In Kapitel E geht es um die Darstellung der Prozesskostenrechnung (PKR), die einen sehr wichtigen Ansatz für das (Krankenhaus-) Management darstellt, um Transparenz bezüglich der Gemeinkostenbereiche zu erreichen. Der Autor leitet das Kapitel mit einer knappen Entwicklungsgeschichte der Prozesskostenrechnung ein. Anschließend werden die Zielsetzung, der Aufbau und Voraussetzungen der PKR erläutert. Im Rahmen der Erläuterungen werden unter anderem Prozessgrößen, die Ermittlung der Prozesskosten, Prozesskostenmengen oder Prozesskostensätze diskutiert. In den nächsten Unterkapiteln geht es um die Wirkungsweise und weitere Nutzungsmöglichkeiten der PKR. Eine praktische Umsetzung der Ist-Analyse einer PKR und der anschließenden Konzeption eines Berichtes im Krankenhausbereich wird anhand einer laparoskopischen Cholezystektomie (Gallenblasenentfernung) ausführlich beschrieben bzw. durch viele Tabellen und Abbildungen demonstriert. Auch bezüglich formaler oder inhaltlicher Kriterien werden bei den Abbildungen zu den Berichten wiederum kritische Kommentare und Erklärungen aufgeführt. Um eine Kontrolle über die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Prozesse zu ermöglichen, werden weitere Ausführungen zum Plan-Ist-Vergleich, zu Abweichungsanalysen und zur Nachsteuerung (Korrekturhandlungen), die als Steuerungskomponenten eines Prozessmanagements relevant bzw. Bestandteile des Reportings sind, vorgenommen. Zum Abschluss des Kapitels E wird ein beispielhafter Theorie-Praxis-Transfer eines Krankenhaus-Reportingkonzepts demonstriert. Eine Prozessanalyse und eine anschließende Erstellung eines prozessorientierten Krankenhaus-Reports mit Ausführungen zur Unternehmenssteuerung finden wiederum am Beispiel des Krankheitsbildes "Laparoskopische Cholezystektomie" Anwendung.

Diskussion

Inhaltlich bietet der Band eine umfangreiche und zweckdienliche Wissensbasis für die Thematik der Informationswirtschaft und des Berichtswesens. Die Darstellung der Theorie und die anschließende Umsetzung in die Praxis bieten den Akteuren im Krankenhausbereich eine fundierte Orientierungs-, Anreiz- und Bewertungshilfe zur Bildung oder Weiterentwicklung eines Informationssystems bzw. eines Berichtswesens.

Der Band ist ebenso für Studenten geeignet, die sich Grundlagen über ein Informationssystem, die Informationsverarbeitung, die Prozesskostenrechnung aneignen, bzw. sich letztendlich mit der Thematik "Krankenhaus-Controlling", im Speziellen mit der praktischen Umsetzung eines systematischen Reportings im Krankenhaus, befassen wollen.

Der Autor führt einen wissenschaftlich fundierten Begründungszusammenhang auf. Es wird ein konsequentes methodisches Vorgehen angewendet, wenn es darum geht, eine geeignete Reflexions-Basis mithilfe von Methoden und Kriterien – oder anders ausgedrückt eine "Bewertungsindexbasis" – für die Implementierung bzw. (Weiter-) Entwicklung eines Informations- bzw. Reportingsystems zu erstellen.

Der Aufbau des Bandes ist gut gegliedert. Die Aufbereitung der theoretischen Grundlagen zu den Informationssystemen, den Informationsverarbeitungsphasen oder anderen Aspekten wie die Kriterien zur Bewertung eines Berichtswesens erfolgt auf eine schlüssige und systematische Weise. Die jeweiligen Verweise und Kapiteleinleitungen erweisen sich für den Leser als hilfreich.

Insgesamt weist das Buch einen treffenden bzw. unmissverständlichen Schreibstil auf. Die aufgezeigten Sachverhalte werden meist verständlich und in sich schlüssig verfasst. Allerdings werden verwendete Begriffe nicht immer erläutert (z.B. Clusteranalysen S. 36). Auch formale Fehler, u. a. in Form von Rechtschreib- und Grammatikfehlern (z.B. S. 14, 21, 24, 46, 54, 55) oder falscher Seitenangaben (z.B. Kap. 2.3 Bestimmungsgrößen des Informationsbedarfs) sind in einer weiteren Auflage zu vermeiden.

Die zahlreichen Abbildungen und Tabellen dienen dem Verständnis oder der Veranschaulichung der aufgeführten Theorien.

Fazit

Reflexivität ist eine der (Kern-) Kompetenzen bei Führungskräften. Diese Kompetenz kann durch ein systematisches Reporting entsprechend entfaltet werden. Insofern greift der Autor eine derzeit für Kliniken wichtige Problemstellung auf und entwickelt demzufolge einen zweckdienlichen Bewertungsindex für ein systematisches Informationssystem bzw. ein praktikables (Prozess-) Reportingkonzept, das in Zeiten eines verschärften Krankenhauswettbewerbs sicherlich immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Rezension von
Dipl.-Pflegewirt Andreas Draxinger
Gesundheits- und Krankenpfleger im OP

Es gibt 3 Rezensionen von Andreas Draxinger.

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Zitiervorschlag
Andreas Draxinger. Rezension vom 22.11.2008 zu: Michael Greiling: Prozesscontrolling im Krankenhaus. Steuerung von Abläufen mit Hilfe des Reportings. Baumann Fachverlag (Kulmbach) 2008. ISBN 978-3-938610-04-6. Ku-Profi-Reihe. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6499.php, Datum des Zugriffs 27.01.2023.


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