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Birgit Herz (Hrsg.): Lernbrücken für Jugendliche in Straßenszenen

Cover Birgit Herz (Hrsg.): Lernbrücken für Jugendliche in Straßenszenen. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2007. 131 Seiten. ISBN 978-3-8309-1926-1. 19,90 EUR.

Reihe: Studien zur Jugendhilfe - Band 5.
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Thema

Jugendliche, die ihren Alltag in einem problematischen Umfeld gestalten müssen, stehen zumeist vor einer schwierigen schulischen Situation. Sie suchen den Ort „Schule“ nicht oder teilweise nicht mehr auf und laufen somit Gefahr aus dem Bildungssystem herauszufallen. In einer Welt, in der Bildungszertifizierungen bedeutsam für die Biografiegestaltung sind, ist das eine Säule für anknüpfende Nicht-Inklusionsproblematiken. Das Buch beschäftigt sich ausgehend von der Einrichtung KIDS (Kinder in der Szene) aus Hamburg, das durch sein Lernprojekt „Hirntoaster“ eine entsprechende Anschlussfähigkeit erhalten bzw. wiederherstellen möchte, mit den entsprechenden theoretischen und praktischen Kontexten. Die niederschwellige und alltagsorientierte Herangehensweise des Projekts knüpft an den Erfahrungswelten der Jugendlichen an und versucht durch diese Inszenierung einen Lernraum zu schaffen, der die Lust am Lernen wieder fördern kann. Das Projekt wird sehr stark von StudentInnen mit dem Schwerpunkt Förderung bei Verhaltensauffälligkeiten getragen, die durch die entsprechende professionelle Begleitung einen optimalen Praxis - Theorietransfer erfahren. Genau dieser Theorie - Praxiskontext spiegelt sich in dem Buch wider. Es handelt sich um den Band 5 der Studien zur Jugendhilfe.

AutorInnen

Herausgeberin ist Dr. Birgit Herz, Professorin für Verhaltensgestörtenpädagogik an der Universität Hamburg, Co-AutorInnen sind: Jaquline Gebhardt, Marcus Hußmann, Lutz Lappe, Katherina Bauer, Chaterina Brüning, Maike Rautenberg und Kristina Krumes.

Aufbau und Inhalte

Die acht Kapitel erkunden an der Praxis des Projekts „Hirntoaster“ das Thema Schulverweigerung nicht-inkludierter Jugendlicher. Dabei werden in jedem Kapitel, die von unterschiedlichen AutorInnen geschrieben sind, verschiedene praxisbezogene und/oder theoretische Schwerpunkte zum Thema gesetzt:

Im Kapitel 1 gibt Birgit Herz eine grundlegende Einführung in das Anliegen des Buches und die damit verbundenen Inhalte.

Kapitel 2, geschrieben von Jaquline Gebhard, gibt Einblick in die Konzeption der Einrichtung KIDS und stellt die Eckpfeiler des Projekts „Hirntoaster“ vor.

Marcus Hußmann betrachtet in Kapitel 3 den Forschungs- und Erkenntnistand der letzen 30 Jahre zum Thema Jugendliche in der Szene und reflektiert über eine sozialräumliche Sichtweise.

Die AutorInnen Lutz Lappe/Katherina Bauer/Catherina Brüning veranschaulichen in Kapitel 4 die Chancen und Grenzen des Projekts an einem konkreten Fallbeispiel.

Geleitet durch ihre Erfahrungen im Lernprojekt diskutiert Catherina Brüning in Kapitel 5, entlang der kritischen Psychologie, die Profession und Wissenschaftsdisziplin der Sonderpädagogik.

Kapitel 6 widmet sich, unter der Autorinnenschaft von Maike Rautenberg und Carola Sahlmann, dem Stellenwert und verschiedenen Aspekten von Beziehungen, die im niederschwelligen Kontext von Bedeutung sind.

Kristina Krumes beleuchtet in Kapitel 7 arbeitsmarktpolitische Entwicklungen und diskutiert diese an Hand der Dialoggruppe „benachteiligte Jugendliche“.

Abschließend führt Birgit Herz in Kapitel 8 Erkenntnisse der Bindungstheorie und der Neurowissenschaften zusammen. Diese „Fusion“ wird in den Kontexten von Stress und Trauma, der sozial-emotionalen Entwicklung und dem Lernen unter erschwerten Bedingungen bearbeitet.

Zielgruppe

Das Buch bietet einen zumeist praktischen aber auch theoretisch geleiteten Einblick in niederschwellige Konstruktionen der Sonderpädagogik. Es ist ein interessanter Einstieg in diese Welt und bietet entlang der Praxis auch einige grundlegende Überlegungen zu den Themenkomplexen „Benachteiligte Jugendliche, Bildung und Lernen“. Es bietet daher besonders für StudentInnen der Sozialpädagogik sowie deren angrenzenden Disziplinen einen anregenden Einblick in die Verschränkung von Theorie und Praxis.

Fazit

Die AutorInnen haben ein Buch verfasst, das einen anregenden Einblick in niederschwellige Welten unter dem Fokus von Bildung gibt. Sie knüpfen damit ganz sicher an eine entstandene Lücke in der Jugendhilfe an, deren Bedeutung sicher noch zunehmen wird. „Lernbrücken“ haben aus professioneller Sicht ein großes Potential. Allerdings gelingt es den AutorInnen nicht vertiefend zu diskutieren. Die einzelnen Kapitel bringen für den/die Professionelle/n wenig bis gar keine neuen bzw. genügend ausdifferenzierte Aspekte niederschwelligen Arbeitens. In wenigen Kapiteln muss der Kontext zum Thema selber hergestellt werden. Daher wirkt das Buch manchmal ein wenig zerrissen. Dennoch kann das Werk als anregende Literatur empfohlen werden - es fordert den/die Leser/in heraus den Inhalt durch eigene Erfahrungen und Gedanken zu ergänzen.


Rezension von
DSA Alexander Bernardis MAS
Coaching, Supervision und Organisationsberatung


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Zitiervorschlag
Alexander Bernardis MAS. Rezension vom 26.08.2009 zu: Birgit Herz (Hrsg.): Lernbrücken für Jugendliche in Straßenszenen. Waxmann Verlag (Münster/New York/München/Berlin) 2007. ISBN 978-3-8309-1926-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6521.php, Datum des Zugriffs 15.07.2020.


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