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Pestalozzi-Fröbel-Haus (Hrsg.): Evaluation der Erzieherinnenausbildung [...]

Pestalozzi-Fröbel-Haus (Hrsg.): Evaluation der Erzieherinnenausbildung - auf dem Weg zum Bachelor. Dohrmann Verlag (Berlin) 2008. 52 Seiten. ISBN 978-3-938620-11-3. 6,00 EUR.

Reihe: Beiträge zur pädagogischen Arbeit des Pestalozzi-Fröbel-Hauses - Band 12.
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Entstehungshintergrund

Das Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin gehört zu den ersten Fachschulen, in denen Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet wurden. Heute hat sich das Pestalozzi-Fröbel-Haus auf den Weg gemacht die Ausbildung zum Beispiel durch Modularisierung und Internationalisierung so zu gestalten, dass sie einem Fachhochschulstudium entspricht. Unter der Fragestellung: "Ist die dreijährige Ausbildung der Erzieherinnen am Pestalozzi-Fröbel-Haus vergleichbar mit einem sechssemestrigem Bachelorstudium an einer Hochschule – sowohl von den Lerninhalten und dem Qualifikationsniveau als auch von den Rahmenbedingungen für eine wissenschaftliche Ausbildung?" hat das Pestalozzi-Fröbel-Haus bei der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover (ZEvA) eine Evaluation seiner Arbeit in Auftrag gegeben.

Aufbau und Inhalt

Der veröffentlichte Evaluationsbericht beinhaltet einen Selbstreport des Pestalozzi-Fröbel-Haus, das Gutachten der ZEvA und eine Stellungnahme des Pestalozzi-Fröbel-Hauses hierzu.

  • In seinem Selbstreport geht das Pestalozzi-Fröbel-Haus zunächst auf seine bisherigen Maßnahmen zur Qualitätssicherung und –verbesserung in Lehre und Studium ein.
  • Im nächsten Abschnitt geht es um die Rahmenbedingungen der ErzieherInnenausbildung am Pestalozzi-Fröbel-Haus. Neben der Fachschule für Sozialpädagogik integriert das Pestalozzi-Fröbel-Haus eine Fachoberschule für Gesundheit und Soziales sowie verschiedene sozialpädagogische Einrichtungen. Darüber hinaus ist das Pestalozzi-Fröbel-Haus eng mit der Alice-Salomon-Fachhochschule verbunden.
  • Der Bezugsrahmen für die Ausbildung an der Fachschule ist die Ausbildungsordnung für die Fachschulen für Sozialpädagogik von Berlin von 2003, die dem Pestalozzi-Fröbel-Haus die Möglichkeit gibt neue Akzente zu setzen und sich an den Maßstäben einer wissenschaftlich fundierten Ausbildung zu orientieren.
  • Im dritten Abschnitt wird dargestellt, wie die Ausbildung für ErzieherInnen im Pestalozzi-Fröbel-Haus strukturiert ist. Besonderes Kennzeichen des Pestalozzi-Fröbel-Haus ist die Modularisierung des Studiums und damit eine Annäherung an die Struktur von Fachhochschulen. Hierdurch wird auch ein internationaler Austausch erleichtert.
  • Im vierten Abschnitt wird die Lehr-, Studien- und Prüfungspraxis aus der Sicht von Lehrenden und Studierenden bewertet. Dabei werden die Ziele der Ausbildung, die Lehre, die Studierbarkeit, die kritischen Phasen im Ausbildungsverlauf, Beratung und Betreuung und die Räumlichkeiten in den Blick genommen.
  • Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit dem Verbleib der AbsolventInnen nach der Ausbildung und dem ihnen zur Verfügung stehenden Arbeitsmarkt.
  • Im letzten Abschnitt des Selbstreports wird ein Stärken- und Schwächenprofil der Fachschule erstellt und daraus Optionen für die Weiterarbeit entwickelt.
  • Im Gutachten des ZEvA wird zunächst der Evaluationsprozess beurteilt. Neben dem Aufbau und Profil des Pestalozzi-Fröbel-Haus geht er auf Lehre und Studium, Forschung, Rahmenbedingungen und die Qualitätssicherung im Pestalozzi-Fröbel-Haus ein. Als Fazit wird ebenfalls ein Stärken- und Schwächenprofil erstellt und Empfehlungen für die Weiterarbeit gegeben.
  • Zum Abschluss gibt das Pestalozzi-Fröbel-Haus eine Stellungnahme zu dem Gutachten der externen Evaluatorinnen ab.

Diskussion

Für wen kann ein solcher Evaluationsbericht interessant sein? Er ist wahrlich keine spannende Fachlektüre, die man sich mit Genuss zu Gemüte führt. Nein, der Bericht hat vielmehr politische Brisanz im Zusammenhang mit der Diskussion um die Aufwertung der ErzieherInnenausbildung in Deutschland. In fast allen europäischen Ländern werden ErzieherInnen auf Fachhochschulniveau ausgebildet. In Deutschland gibt es keinen klaren Weg. Die Ausbildung an den Fachschulen wurde aufgewertet, indem die Zugangsvoraussetzungen erhöht wurden. Die Studierenden, wie sie nun heißen, müssen entweder die Fachhochschulreife oder eine einschlägige Ausbildung vorweisen können. Daneben richten immer mehr Fachhochschulen Studiengänge und Aufbaustudiengänge für den Elementarbereich ein. Dies hat zur Folge, dass die SchülerInnen, die eine gute Fachhochschulreifeprüfung abgelegt haben, zur Fachhochschule streben. An den Fachschulen verbleiben häufig diejenigen, denen die Prüfung schwer gefallen ist oder die eine Ausbildung haben. Bei der Ausbildung handelt es sich häufig um schulische Ausbildungen wie z. B. Kinderpflege (in NRW) , die diejenigen absolvieren, die in der Sekundarstufe I entweder nur den Hauptschlussabschluss oder eine schlechte Fachoberschulreife erworben haben, was die Ausgangsniveau der Ausbildung eben nicht verbessert.

Das Pestalozzi-Fröbel-Haus hat mit dem Standort der Großstadt Berlin die Möglichkeit über entsprechende individuelle Aufnahmeverfahren ein anderes Klientel anzusprechen und eine studienförmigere Ausbildung anzubieten. Der Evaluationsbericht zeigt, dass das Pestalozzi-Fröbel-Haus grundsätzlich in der Lage ist eine Ausbildung auf hohem Niveau anzubieten, was aber durch die Struktur einer herkömmlichen Fachschule, die z. B. kein Deputat für Forschung hat und wenig wirklichem Freiraum für das Selbststudium lässt, eingeschränkt wird. Das Pestalozzi-Fröbel-Haus strebt ein Pilotprojekt an, das die Vergabe eines Bachelor of Education an der Fachschule zum Ziel hat. Über mögliche Auswirkungen auf andere Fachschulen für Sozialpädagogik lässt sich nur spekulieren.


Rezensentin
Dr. Anke Meyer
Fachschule für Sozialpädagogik, Fachoberschule für Sozial- und Gesundheitswesen
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Zitiervorschlag
Anke Meyer. Rezension vom 05.11.2008 zu: Pestalozzi-Fröbel-Haus (Hrsg.): Evaluation der Erzieherinnenausbildung - auf dem Weg zum Bachelor. Dohrmann Verlag (Berlin) 2008. ISBN 978-3-938620-11-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6523.php, Datum des Zugriffs 18.09.2019.


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