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Peter Kaiser: Mehrgenerationenfamilie und neuropsychische Schemata

Cover Peter Kaiser: Mehrgenerationenfamilie und neuropsychische Schemata. Therapeutische Wirkfaktoren und Wirkdimensionen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2008. 228 Seiten. ISBN 978-3-8017-2131-2. 26,95 EUR, CH: 44,90 sFr.

Reihe: Praxis der Paar- und Familientherapie - Band 6.
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Thema

Das hier zu rezensierende Buch, publiziert als Band 6 der Reihe "Praxis der Paar- und Familientherapie" und aus der Feder eines Autors, der durch mehrere seine Arbeiten zur Familienpsychologie wie zur Gesundheitsförderung und Psychotherapie von Einzelnen, Paaren und Familien bekannt ist, mag zunächst Verwunderung wegen seines Titels hervorrufen. Und in der Tat: Der Titel markiert den Spannungsbogen eines kühnen Vorhabens, das der Autor im Vorwort so charakterisiert: "Ich möchte daher versuchen, wichtige Perspektiven und Befunde aus Familienpsychologie, Neurophysiologie und anderen Bereichen der Psychologie sowie der Therapieforschung überschaubar zu machen, miteinander in Verbindung bringen und für die Praxis aufzubereiten." (S. 1) In der Einleitung, die man nicht einfach überschlagen sollte, findet sich eine nähere Standortbestimmung und ein informativer Überblick.

Aufbau und Inhalt

  • In Teil I Psychologie neuropsychischer Schemata werden in gut verständlicher Sprache neuere Ansätze und Befunde zur Psychologie neuropsychischer Schemata dargestellt, die Folgendes verdeutlichen: Am Umgang mit kindlichen Grundbedürfnissen in der Familie entscheidet sich sehr früh, welche Schemata und sodann Lebenskonzepte und Modellvorstellungen ein Individuum entwickelt; das sind alles Größen, die Auswirkungen haben auf die Persönlichkeits- und Kompetenzentwicklung und somit auch darauf, wie ein solcher Mensch später (Ehe-)Partner und Elternteil sein wird.
  • Teil II Die Mehrgenerationenfamilie und ihre Subsysteme widmet sich in den Kapiteln 2 – 7 den Interaktionen zwischen den Generationen. Dazu werden – unter Berücksichtigung verschiedener Familientypen – Ansätze und Befunde zur Psychologie der Familie und den komplexen Wechselwirkungen sowohl zwischen sowohl deren Subsystemen als auch zwischen Angehörigen verschiedener Generationen in sehr profunder Weise aufbereitet.
  • Analyse und Optimierung familialer Interaktionen ist Teil III überschrieben. Hier werden psychologische Verfahren – darunter die von Peter Kaiser entwickelte "Systemische und genographische Mehrebenenanalyse" – beschrieben (Kap. 8) sowie im 9. Kapitel der Stand der Psychotherapieforschung komprimiert und kompetent nach seiner methodischen wie seiner Ergebnisseite hin dargestellt.
  • In Teil IV Praktisches Vorgehen werden bewährte Strategien und Arrangements, die für die praktische Arbeit von Nutzen sind, beschrieben. Auf eine durch keinerlei "schulische Bindung" eingeengte Darstellung verschiedener psychologischer Strategien und Methoden, werden praktische Fragen (darunter auch ethische und rechtliche) sowie Rahmenbedingungen wie Zeitgestaltung oder Co-Therapie erörtert. Wurde in den ersten drei Teilen des Buches der umsichtige Wissenschaftler sichtbar, so hier der erfahrene Therapeut.
  • Im Epilog weist Peter Kaiser auf praktisch bedeutsame Konsequenzen, die es beim momentanen Wissenstand auf dem Gebiet der Familienpsychologie und –therapie zu realisieren gälte, hin; zugleich macht er darauf aufmerksam, dass unsere Wissen auf dem beschriebenen Feld noch gering ist, was zu Bescheidenheit wie weiterer Anstrengung gemahnt. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis weist auf die Fülle des verarbeiteten Materials hin und regt zugleich zu vertiefter Lektüre an diesem oder jenem Punkte an. Ein detailliertes Stichwortverzeichnis hilft bei der Orientierung des dichten Werkes.

Zielgruppe und Fazit

Wem ist das Buch zu empfehlen? Allen, die sich aus theoretischen und/oder praktischen Gründen für Familienpsychologie und –therapie interessieren, seien sie nun in Aus- und Weiterbildung oder bereits berufstätig. In BA-Studiengängen, die sich mit Schwerpunkten in Pädagogik, Sozialarbeit/Sozialpädagogik oder Psychologie der Familienpsychologie widmen, könnte das Buch mit zur Grundlagenliteratur gehören; für spezialisierte MA-Studiengänge in Familienpsychologie ist es Muss. Und das gilt auch für die theoretische Weiterbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (und mit Abstrichen zum Psychologischen Psychotherapeuten), wo auch immer diese künftig stattfinden mag. Ansonsten gehört es in die Hausbibliothek jeder Institution, die familientherapeutisch arbeitet. Und wer als einzelne(r) Familientherapeut(in) nach anspruchsvollerer Kost verlangt, als es viele "Handreichungen" zur Familientherapie zu bieten haben, ist hier gut bedient.


Rezensent
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 07.08.2008 zu: Peter Kaiser: Mehrgenerationenfamilie und neuropsychische Schemata. Therapeutische Wirkfaktoren und Wirkdimensionen. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2008. ISBN 978-3-8017-2131-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6540.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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