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Udo Wohnhas-Baggerd: ADHS und Psychomotorik

Rezensiert von Vicki Richter, 01.12.2009

Cover Udo Wohnhas-Baggerd: ADHS und Psychomotorik ISBN 978-3-7780-7029-1

Udo Wohnhas-Baggerd: ADHS und Psychomotorik. Systemische Entwicklungsbegleitung als therapeutische Intervention. Hofmann-Verlag (Schorndorf) 2008. 216 Seiten. ISBN 978-3-7780-7029-1. 21,90 EUR.
Reihe: Motorik - Band 29.

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Thema

Wie der Titel „ADHS und Psychomotorik“ schon andeutet geht es in dem Buch um ein psychomotorisches Modell im Sinne eines ganzheitlichen Therapieansatzes des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms.

Autor

Dr. phil. Dipl. Päd. Dipl. Soz.Päd. Udo Wohnhas-Baggerd ist langjähriger Lehrbeauftragter an der Universität Bielefeld sowie an der Fachhochschule für Sozialwesen Bielefeld. Er arbeitet hauptberuflich als psychomotorischer Kindertherapeut an der Psychomotorischen Förderstelle Bielefeld. Studium der Philosophie, Soziologie, Sozialwissenschaft und Psychologie. Promotion im Fach Kultur- und Erziehungswissenschaft an der Universität Osnabrück bei Frau Prof. Dr. Zimmer. Seine Arbeitsschwerpunkte in der Sonderpädagogik sind insbesondere Theorien der Persönlichkeitsentwicklung und therapeutische Interventionen.

Entstehungshintergrund

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher, zum Teil konträrer Sichtweisen des Aufmerksamkeits-Defizit-Syndroms (ADHS) in der wissenschaftlichen Diskussion kommt es zu unterschiedlichen Therapieansätzen und -formen. Die traditionellen therapeutischen Interventionen liegen in den Händen von Ärzten und Psychologen. Nach Einschätzung des Autors zeigen die unterschiedlichen Behandlungsansätze häufig schwache Effekte, zum Teil bewirken einzelne Methoden und die Kombination unterschiedlicher Therapieansätze in zeitlich versetzten Abschnitten sogar eine Verschärfung der Problematik durch Entwicklung von Sekundärproblematiken. Als Möglichkeit zur Lösung dieser Problematik nennt der Autor eine Veränderung des Fokusses. Er diskutiert in der vorliegenden Arbeit, inwieweit eine Sichtweise, die weniger die Auffälligkeit, als vielmehr das Kind in seiner gesamten Entwicklung in den Mittelpunkt der Betrachtung stellt, zu einer kindgerechteren und effektiveren Entwicklungsbegleitung führen kann.

Aufbau und Inhalt

I. In einer kurzen Einleitung (S. 11-14) umreißt der Autor die Fragestellung bzw. Intention seiner vorliegenden Arbeit und skizziert den Aufbau des Buches.

II. Stand der Forschung zum ADHS-Syndrom (S. 15-88): Hier stellt der Autor zunächst das Syndrom ADHS in allen relevanten Aspekten dar, also Symptomatik, Diagnostik und Differentialdiagnostik, Prävalenz, Prognose und komorbide Störungen. In Bezug auf die Ursachenhypothesen nennt er biologische Ursachen, psychologische Modelle und psychosoziale Faktoren. Er stellt weiterhin ausführlich die verschiedensten therapeutischen Interventionsversuche dar, wobei er medizinische, psychologische – mit Berücksichtigung der unterschiedlichen Berufsgruppen und Therapieschulen – pädagogische, bewegungszentrierte, heilpädagogische und ergotherapeutische Konzepte berücksichtigt. Er geht dabei auch auf Entspannungsmethoden und Psychomotorik ein und stellt interdisziplinäre Modelle dar.

III. Bedingungen der Persönlichkeitsentwicklung (S.89-103): In diesem relativ kurzen Abschnitt geht er vor allem auf die Identität als Faktor der Persönlichkeitsentwicklung ein, stellt die Bedeutung des Spiels bei derselben dar. Die daraus gezogenen Schlussfolgerungen münden in entsprechende Forderungen an eine ganzheitlich-systemische Intervention.

IV. Modell einer ganzheitlich-systemischen Entwicklungsbegleitung (S 107-198): Im umfangreichsten Abschnitt beschreibt der Autor eben jenes Modell mit den aus seiner Sicht erforderlichen Rahmenbedingungen. Er geht weiterhin auf praxisorientierte Bedingungen für die Entwicklungsförderung ein, dabei beschreibt er beispielsweise die Voraussetzungen an die Person des Therapeuten und gibt einen Überblick über den Therapieverlauf. Er beschreibt die Therapieplanung und vergleicht hierbei die Unterschiede zwischen offenem und verdecktem Therapieplan und vor allem zwischen defizitorientierter und ganzheitlicher Therapie. Er beschreibt die konkrete Therapiestunde und flankierende Maßnahmen. Abgerundet wird der Abschnitt und damit das ganze Buch mit 4 umfangreichen Fallbeispielen, die mit Fokus auf Symptomatik, Diagnose, Therapieplanung und Verlauf beschrieben und reflektiert werden.
In der abschließenden Diskussion erläutert und begründet er anhand der Fallbeispiele seine Forderungen nach einer Entwicklungsförderung dieser Kinder in einer ganzheitlichen und systemischen Sichtweise.

V. Ausblick und Literaturverzeichnis

Diskussion

Die zitierten Arbeiten aus medizinisch-psychiatrischen Blickwinkel sind zum großen Teil 15-20 Jahre alt und damit überaltert, aktuelle (und wesentliche) Entwicklungen der letzten 5 Jahre in der medikamentösen Behandlung bleiben dabei beispielsweise unberücksichtigt. Daher wird das Kapitel „Stand der Forschung zum ADHS-Syndrom“ trotz der umfassenden Darstellung seinem Titel nicht ganz gerecht.

Auf der anderen Seite bietet sich das Bild einer breit angelegten Recherche in allen genannten pädagogischen und therapeutischen Bereichen in Bezug auf das ausführlich und in vielen Aspekten beschriebene Störungsbild. Die Beobachtungen und sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen des als psychomotorischer Kindertherapeut tätigen Autors werden anhand therapeutischer und pädagogischer Grundüberlegungen erläutert und letztlich durch 4 ausführliche Fallbeispiele quasi illustriert.

Die grundsätzlichen und zunächst eher theoretischen Überlegungen münden in relativ konkrete Beschreibungen von Therapieplanung und Umsetzung.

Die einzelnen Kapitel beginnen jeweils mit einer kurzen Einleitung und werden in einer abschließenden Diskussion zusammengefasst und bewertet, was das Rekapitulieren nach dem Studium der teilweise umfangreichen Kapitel deutlich erleichtert.

Zielgruppe und Fazit

Dieses Buch gibt einen guten Überblick über das beschriebene Störungsbild und den vom Autor beschriebenen ganzheitlichen und systemischen Therapieansatz. Es richtet sich an im Bereich der Psychomotorik tätige Therapeuten, die dabei sicherlich nicht nur theoretischen, sondern auch praxisbezogenen Erkenntnisgewinn ziehen können.

Rezension von
Vicki Richter
Oberärztin
Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
Psychiatrische Klinik Lüneburg gGmbH
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
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Es gibt 6 Rezensionen von Vicki Richter.

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ISSN 2190-9245