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Carsten Weyand: Internet in der Altenpflege

Cover Carsten Weyand: Internet in der Altenpflege. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2003. 150 Seiten. ISBN 978-3-437-47440-8. 19,95 EUR.

Reihe: Altenpflege professionell.
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Thema

Das Internet hat sich innerhalb von rund 10 Jahren zu einem sehr vielseitigen, allgegenwärtigen und mittlerweile selbstverständlich genutztem Medium entwickelt. Weyand untersucht die Nutzungspotentiale sowohl für Senioren, als auch für die Altenhilfeeinrichtungen.

Die Nutzung durch Senioren nimmt gerade in den letzten Jahren zu. Das überproportionale Wachstum dieser Nutzergruppe ist aus dem Nachholbedarf zu erklären. Mittelfristig wird die Altersverteilung der Internetnutzer sich noch weiter an die Altersstruktur der Bevölkerung annähern. In Verbindung mit der demographischen Entwicklung könnten Senioren die größte Gruppe der Surfer werden. Auch wenn es bis dahin noch ein längerer Weg ist, nimmt die Nutzung der "Silver Surfer" deutlich zu. Abgesehen von der privaten Nutzung entstehen mit öffentlicher Förderung zahlreiche Senioren-Internet-Cafés als öffentliche Nutzungsräume.

Gliederung und Inhalte

Das Buch richtet sich an zwei grundverschiedene Zielgruppen: Senioren und Einrichtungen. Die Senioren werden in dem umfangreichsten Kapitel 2 angesprochen, die übrigen Kapitel richten sich an die beruflichen NutzerInnen. Hier werden Möglichkeiten für MitarbeiterInnen, Möglichkeiten für das Management, die Homepage, Gefahren und E-Learning angesprochen.

Abgerundet wird das Informationsangebot durch eine kurze Einführung in das Internet, ein Glossar, Literaturhinweise und einen Index.

Literatur zum Internet gibt es in unüberschaubarer Fülle. Und so manche Publikation richtet sich an bestimmte Zielgruppen, ohne nennenswert die spezifischen Aspekte für diese Zielgruppe herauszuarbeiten. Hier stellt der Ratgeber von Weyand eine sehr positive Ausnahme dar. Durchgängig orientieren sich die Inhalte an den beiden Zielgruppen. Die Lebens- und Berufswelt wird immer in die Wahl der Themen, Fallbeispiele und Praxistipps einbezogen. Bei Senioren nennt er als Anwendung z.B. der Kontakt zu Kindern und Enkeln per E-Mail und bei MitarbeiterInnen oder dem Management die Jobsuche oder Beschaffung von Fachinformationen.

Durchgängig ist der Ansatz, Nutzungspotentiale aufzuzeigen. Dies gilt gleichermaßen für die Senioren wie die professionellen NutzerInnen. Dabei wird das Medium nicht zum Selbstzweck, sondern vom Autor eine realistische Zusammenstellung von Anwendungen und ihre kritische Bewertung geliefert. Differenziert werden Kommunikation, Informationsbeschaffung und Einkauf behandelt. Dabei werden auch für die meisten Einrichtungen der Altenhilfe eher Rande stehende Themen, wie Fundraising und E-Learning behandelt.

Die Inhalte werden sehr gut gegliedert durch Zwischenüberschriften, Auflistungen, Tabellen und Textkästen. Dazu ist der Sprachstil leicht verständlich und vermeidet - soweit sinnvoll - technisches Fachvokabular.

Wem nutzt es?

Das Internet bietet sowohl Senioren wie Einrichtungen der Altenhilfe viele Anwendungsmöglichkeiten. Nach der Lektüre dürften daran keine Zweifel mehr bestehen.

Aber wem nützt das Buch und was leistet es für die beiden Zielgruppen? Auch wenn es mit einer einfachen Einführung in das Internet beginnt, ersetzt es keinen Einführungskurs oder eine Anleitung zum Surfen. Der Untertitel lautet schließlich nicht "Wie surfe ich erfolgreich?" sondern "Nutzungsmöglichkeiten". Die Darstellung von Nutzungspotentialen für Senioren dürfte weniger die Senioren selbst ansprechen, als vielmehr Pflegekräfte, SozialarbeiterInnen und PädagogInnen in der Altenhilfe, die Senioren an das Internet heranführen und deren Kommunikationskompetenzen stärken wollen. Dafür bietet das Kapitel 2 eine gute Hilfestellung. Auch die übrigen Kapitel helfen Management und Team in Pflegeeinrichtungen, ihr Nutzungsverhalten zu überprüfen und zu optimieren.

Der weit gespannte Bogen der Zielgruppen und die Gestaltung als kleinformatiger Ratgeber haben zur Folge, dass gelegentlich Fragen offen bleiben und etwas mehr Tiefe wünschenswert wäre. Auch wenn an einigen Stellen hilfreiche, weiterführende Links genannt werden, fehlen sie z.B. bei Jobsuche im Internet oder Computersicherheit. An Stelle einer allgemeinen Einführung "Was ist das Internet und wie kommt man rein" wären bei den spezifischen Themen noch weitere Aspekte wünschenswert. So könnte in der nächsten Auflage unter der Überschrift "Hompage" z.B. auf das rechtlich erforderliche Webimpressum und die barrierefreie Gestaltung (das ist mehr als eine große Schrift, wie sie in dem Band empfohlen wird) eingegangen werden. Aber bei einem so breit angelegten und schnelllebigem Thema wird es zwangsweise immer kleinere Lücken geben. Dies soll dem insgesamt positiven Eindruck keinen Abbruch tun.

Fazit

Für LeserInnen, die beruflich in der Altenhilfe tätig sind, bietet der kleine Ratgeber eine Fülle von Anregungen für die Nutzung des Internet. Sehr anschaulich wird auch vermittelt, wie SeniorInnen Nutzen aus dem Internet ziehen können. Da praktisch keine Vorkenntnisse vorausgesetzt werden, eignet sich das Buch vor allem für Personen, die bisher noch wenig Internetkenntnisse haben. Ihnen werden die Potentiale des Internet umfassend und vor allem sehr anschaulich vermittelt.

Der "Power-Surfer" oder Internet-Profi wird zwar wenig Neues finden, aber dafür die systematische Zusammenstellung oder die Perspektive der SeniorInnen als Bereicherung empfingen können. Diesem Leser wäre mit einer noch systematischeren Einarbeitung vertiefender Links in der nächsten Auflage sehr geholfen. Aber auch schon jetzt sind einige Checklisten für ihn von Wert, z.B. die Zusammenstellung möglicher Inhalte der Homepage einer Altenhilfeeinrichtung.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
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Zitiervorschlag
Christian Koch. Rezension vom 18.11.2003 zu: Carsten Weyand: Internet in der Altenpflege. Elsevier GmbH, Urban & Fischer (München, Jena) 2003. ISBN 978-3-437-47440-8. Reihe: Altenpflege professionell. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/658.php, Datum des Zugriffs 23.11.2017.


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