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René A. Bostelaar u.a. (Hrsg.): Case-Management im Krankenhaus

Cover René A. Bostelaar u.a. (Hrsg.): Case-Management im Krankenhaus. Aufsätze zum Kölner Modell in Theorie und Praxis. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2008. 158 Seiten. ISBN 978-3-89993-199-0. 26,90 EUR.

Reihe: Pflege.
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Case Management im Krankenhaus

Besonders durch die Einführung des DRG-Systems zur Krankenhausfinanzierung hat das Case Management im Krankenhaus an Bedeutung gewonnen. Die weitgehend funktionale Organisationsstruktur in Krankenhäusern behindert die Prozessabläufe und erhöht dadurch die Verweildauer. Ziel des Case Managements im Krankenhaus ist es, die Prozesse trotz funktionaler Organisation reibungslos fließen zu lassen. Dies könnte grundsätzlich auch eine prozessorientierte Organisationsstruktur leisten. Auf Grund der starken Abgrenzung der Berufsgruppen im Gesundheitswesen ist dies kurzfristig nicht denkbar. Eine Verbindung der Schnittstellen über ein Case Management bedeutet ebenfalls ein Umdenken aller am Behandlungsprozess Beteiligten, ist aber realistischer. In vielen Krankenhäusern gibt es bereits ein Case Management. Die Art und Weise der Umsetzung ist jedoch sehr unterschiedlich. Das in Köln entwickelte Konzept ist sehr umfassend und kann dadurch vielen Praktikern Anregungen für die Umsetzung oder Weiterentwicklung im eigenen Haus bieten.

Autoren

Neben dem Herausgeber sind 15 weitere AutorInnen am Verfassen des Buches beteiligt. Diese sind überwiegend am Universitätsklinikum Köln oder einer dem Universitätsklinikum Köln angegliederten Gesellschaft beschäftigt. Indem der Herausgeber die Praktiker selbst zu Wort kommen lässt und diese aus Ihrer jeweiligen Perspektive berichten wird die AutorInnenauswahl dem Anspruch des Buches gerecht, vorrangig eine Handreichung für Praktiker zu erstellen.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel. In den ersten drei Kapiteln werden theoretische Grundlagen kurz dargestellt. Der Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzung in den Kapiteln vier bis zehn. Abschließend wird in Kapitel elf auf Evaluation und Forschung eingegangen und in Kapitel zwölf ein Ausblick gegeben.

Kapitel 1 - 3: Theoretische Grundlagen

Nach allgemeinen Definitionen im Kontext von Case Management wird auf das Case Management im Gesundheitswesen eingegangen. Dies umfasst im Wesentlichen:

  • gesetzliche Grundlagen im Zusammenhang mit Case Management,
  • Kernaussagen des Sachverständigenrates im Gesundheitswesen und der Arbeitsgruppe Case Management im Handlungsfeld von Gesundheit und Pflege und
  • Umsetzungsbeispiele verschiedener Sektoren des Gesundheitswesens.

Nach dieser Einordnung in den übergeordneten Rahmen wird aus den momentanen Anforderungen an Krankenhäuser das Spektrum des Einsatzes von Case Management im Krankenhaus dargestellt.

Kapitel 4: Case Management als Organisationsentwicklung

Im Anschluss an eine kurze Begründung für Case Management als Strategie eines Krankenhauses steht die Implementierung von Case Management im Krankenhaus im Mittelpunkt. Dabei wird deutlich darauf hingewiesen, wie gravierend der mit dem Case Management verbundene Wandel ist und welche Bedeutung deshalb eine bewusste Entscheidung für Case Management als Organisationsentwicklung auf oberster Ebene für den Erfolg ist. Für das Vorgehen werden Implementierungsschritte vorgeschlagen und wichtige Punkte kurz erläutert.

Kapitel 5: Flankierende Maßnahmen

Auf die Bedeutung flankierender Maßnahmen für ein erfolgreiches Case Management im Krankenhaus wird hingewiesen. Beispielhaft werden das zentrale Wund- und Schmerzmanagement und eine veränderte pflegerische Organisationsverantwortung kurz benannt und das Überleitungsmanagement der Uniklinik Köln ausführlich dargestellt. Dies verdeutlicht die umfassenden Veränderungen eines abgestimmten Case Managements.

Kapitel 6: Das Kölner Case Management Modell

Kernstück dieses Buches ist das eigentliche Kölner Case Management Modell. Durch die Darstellung der Entstehungsgeschichte und des Konzeptes wird praxisnah beschrieben, was in Köln konkret gemacht wurde und was allgemein bei der Einführung von Case Management im Krankenhaus zu berücksichtigen ist. Die anschließenden Fallbeispiele aus der Kardiologie, Orthopädie, Psychiatrie und Palliativmedizin verdeutlichen die konzeptionellen Gedanken und füllen Sie mit Leben.

Kapitel 7: Einbindung des Case Managements in andere Berufsgruppen

Thema dieses Kapitels ist das Case Management in seiner Verbindung zu Pflege, Ärztlichem Dienst und Sozialdienst. Bzgl. der Pflege steht die Abgrenzung zu primary nurse und ein Plädoyer für berufsgruppenübergreifende Neugestaltung von Aufgaben und Verantwortung im Mittelpunkt. Für den Ärztlichen Dienst und den Sozialdienst werden Aufgaben und organisatorische Gestaltung an den jeweiligen Schnittstellen zum Case Management dargestellt.

Kapitel 8: Qualifizierung von Case Managern

Nach einer Einführung in Blended Learning als sinnvolles Konzept für die Ausbildung von Case Managern wird das Kölner Curriculum dargestellt.

Kapitel 9: Prozess- und Leistungstransparenz im Case Management

Um eine professionelle Einführung von Care und Case Management nachzuweisen, wird die Entwicklung eines Systems vorgestellt, das sich an den Fallgruppen der Sozialarbeit FdS® und dem Brühl-Index © orientiert. Ziel ist es, den Beratungsbedarf verschiedener Patienten zu ermitteln, um festzustellen, ob der tatsächliche Beratungsumfang durch das Case Management dem durch den Patienten induzierten entspricht. Nur wenn dies der Fall ist, ist die Investition für das Case Management gerechtfertigt.

Kapitel 10: Assessment-Instrument KAI-BI®

Ziel des KAI-BI®s ist es, den zu erwartenden Pflegeaufwand abzuschätzen, um auf dieser Basis eine Patienten- bzw. Personalsteuerung vorzunehmen und Risiken bzgl. Dekubitus, Sturz und Schmerz abzuschätzen. Beschrieben sind die Zusammensetzung der Datenbasis KAI (Kölner Assesment-Instrument) und der darauf aufbauende BI (Bostelaar-Index). Hinter dem BI verbirgt sich eine Gruppierungssystematik bzgl. des zu erwartenden Pflegeaufwands. Der Vorteil, dass tagesaktuelle Daten bzgl. benötigter Ressourcen vorliegen ist mit dem Nachteil gekoppelt, dass diese auch tagesaktuell ermittelt werden müssen.

Kapitel 11 und 12: Evaluation, Forschung und Ausblick

Sehr konkret wird das Vorgehen zur Evaluation und Verbesserung während der Einführung und im langfristigen Einsatz beschrieben. Da die tatsächlichen Erfolge bisher nicht eindeutig dem Case Management zugeordnet werden können, wird hieraus ein Forschungsbedarf abgeleitet. Dieser bezieht sich neben der Effizienz auch auf die Patientenperspektive. Abschließend wird die Prozessorientierung im Hinblick auf Patientenbedürfnisse als zukünftige Organisationsgestaltung betont, mit der Folge, dass sich die Berufsorientierung zu Gunsten der Prozessorientierung auflösen muss.

Zielgruppen

Der Herausgeber möchte mit diesem Buch vorrangig eine Handreichung für Praktiker zur Verfügung stellen. Angesprochen sind alle Berufsgruppen im Krankenhaus, die mit der Einführung und Durchführung von Case Management zu tun haben. Dies sind vor allem die Berufsgruppen, die am Patienten tätig sind, da sie über den Patienten alle mit dem Case Management in Berührung kommen. Auch wenn sie selbst keine Case Management-Funktionen übernehmen, ist für eine gute Zusammenarbeit das Verständnis für das Gesamtkonzept wichtig.

Diskussion

Die allgemeine Theorie des Case Managements wird sehr knapp dargestellt und auf das Umfeld und die Situation des Krankenhauses kurz eingegangen. Dies ist eine sinnvolle Hinführung zum eigentlichen Thema des Buches: Die Umsetzung des Case Managements im Universitätsklinikum Köln.

Die Umsetzung wird aus verschiedenen Blickwinkeln (Fachrichtungen, Berufsgruppen) betrachtet. Dies fördert das Gesamtverständnis des Modells und weist auf Besonderheiten hin, die bei der Umsetzung zu beachten sind. Gleichzeitig führt es zu einigen Wiederholungen, wodurch das Buch zeitweise langatmig erscheint. Teilweise sind die Beiträge zu wenig zielgerichtet. Insgesamt werden aber sehr viele Anregungen und Hinweise für die konkrete praktische Umsetzung eines sehr umfassend konzipierten Case Managements gegeben.

Die Qualifizierung von Case Managern spricht im Umfang und Aufbau Personen an, die selbst Ausbildungen zum Case Management konzipieren. Dies gilt für Praktiker im Krankenhaus nur in Ausnahmefällen. Zielgerichtet erscheint eher eine kurze Darstellung der notwendigen Ausbildungsinhalte.

Mit dem Assessment-Instrument wird ein Instrument vorgestellt, dass das Case Management sinnvoll unterstützen kann. Gleichzeitig wird nochmals deutlich, dass eine umfassende Einführung auch eine sinnvolle Unterstützung braucht, die sehr aufwändig sein kann.

Fazit

Das Buch enthält viele wertvolle Anregungen und Hinweise für die praktische Umsetzung von Case Management im Krankenhaus. Deshalb ist das Buch, auch wenn es manchmal etwas langatmig ist, sehr lesenswert.


Rezension von
Prof. Dr. Christine Güse
Professorin an der Fakultät für Gesundheit und Pflege der Evangelischen Hochschule Nürnberg, verantwortliche für den Studienschwerpunkt Krankenhausmanagement
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Zitiervorschlag
Christine Güse. Rezension vom 24.02.2009 zu: René A. Bostelaar u.a. (Hrsg.): Case-Management im Krankenhaus. Aufsätze zum Kölner Modell in Theorie und Praxis. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2008. ISBN 978-3-89993-199-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6583.php, Datum des Zugriffs 02.07.2020.


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