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Frank Früchtel, Wolfgang Budde u.a.: Sozialer Raum und Soziale Arbeit

Cover Frank Früchtel, Wolfgang Budde, Gudrun Cyprian: Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Fieldbook: Methoden und Techniken. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. 335 Seiten. ISBN 978-3-531-15144-1. 19,90 EUR.

Reihe: Lehrbuch.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-531-18433-3 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
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Thematischer Rahmen

Sozialraumorientierung stellt sich als ein gegenwärtig oft diskutierter Handlungsansatz in der Sozialen Arbeit dar: es geht um die unmittelbare Gestaltung des Lebensumfeldes und die Klärung und Bearbeitung sozialer Problemstellungen unter Aktivierung des Ressourcen des sozialen Nahumfeldes. Mit ihrem sog. „Textbook“ (vgl. die Rezension) haben Frank Früchtel, Wolfgang Budde und Gudrun Cyprian die theoretische Grundlegung einer auf den Sozialraum orientierten Sozialen Arbeit aufbereitet. Im vorliegenden zweiten Band dieses Lehrbuches werden ausgewählte Methoden und Techniken der Sozialen Arbeit im sozialen Raum vorgestellt.

Autorin und Autoren

Dr. Frank Früchtel ist als Professor für Ethik, Theorie und Praxisentwicklung der Sozialen Arbeit ist am Fachbereich Soziale Arbeit an der Universität Bamberg tätig, Wolfgang Budde lehrt dort als Dozent und Dr. Gudrun Cyprian nimmt an gleicher Stelle eine Professur für Soziologie wahr.

Inhalt

Die Präsentation des „Fieldbooks“ folgt den im „Textbook“ ausgebreiteten Maximen der Sozialraumorientierung nach dem SONI-Schema: Sozialstruktur (Strukturbezug statt Individualisierung von sozialen Problemen), Organisation (regionale Flexibilisierung und Inklusion statt funktionale Differenzierung und Standardisierung), Netzwerk (Feldbezug statt Verengung auf den „Fall“) und Individuum (Stärkemodell der Aneignung statt Bedarfsmodell des Hilfeempfängers). So werden zum Beispiel im Handlungsbereich „Netzwerk“ Methoden und Techniken fallunspezifischer Arbeit und der stärkenorientierte Fallarbeit mit Individuen, Gruppen, Familien und Haushalten, aber auch sozialraumerkundende Verfahren (z. B. Nadelmethode, Cliquenkataster/-raster bzw. -portrait, subjektive Landkarten) dargestellt. Finanzierung, Controlling und Organisationsentwicklung stehen im Fokus des Abschnitts zu „Organisation“, lokale Aktionsformen und Beteiligungsformen stehen im Mittelpunkt der Verfahren im Handlungsbereich „Sozialstruktur“, während zum Beispiel Genogrammarbeit oder der sog. „Verwandschaftsrat“ in Bezug auf den Handlungsbereich „Individuum“ präsentiert werden. Dabei könnten kritische (bzw. hemmende) Aspekte des aktivierenden Engagements im Sozialen Raum (z. B. die faktische Aushöhlung bzw. Knebelung kommunaler Aktivierungsoptionen in Folge neoliberaler „Reformpolitik“ von oben) noch etwas deutlicher herausgearbeitet werden.

Fallbeispiele illustrieren die Methoden und Techniken, zahlreiche Schaubilder, Abbildungen und Checklisten unterstreichen den starken Anwendungscharakter dieser Publikation.

Zielgruppen

Der VS Verlag für Sozialwissenschaften nennt Studierende und Lehrkräfte der Sozialen Arbeit, Erziehungswissenschaft und Soziologie, Geographie und Architektur, Praktikerinnen und Praktiker der Sozialen Arbeit, Stadtplanung, Sozialgeographie und Architektur als Zielgruppen der Publikation. Für das „Fieldbook“ noch mehr als den ersten Band des Lehrbuches gilt, dass der Band vor allem Studierenden und Berufseinsteigerinnen und –einsteigern nützlich sein wird.

Fazit

Mit dem „Fieldbook“ liegt eine systematische Darstellung der Methoden und Techniken vor, wie sie insbesondere in der Sozialen Arbeit und der Stadt- bzw. Raumplanung in Gemeinwesen Anwendung finden könn(t)en und soll(t)en. Der Band an sich hat Relevanz ganz unabhängig von der Frage, aus welcher dieser Perspektiven heraus man/frau sozialräumlich tätig sein will: der gekonnte Überblick über eine Vielzahl von Methoden, Verfahren und Techniken ist für alle hilfreich. In der Beschreibung von Fall- und Projektbeispielen wird ein Kompetenzprofil von Fachkräften des Sozialen konturiert, das Studierenden durchaus eine konkrete Orientierung bei der Herausbildung von Schwerpunkten künftiger beruflicher Tätigkeit im Sozialraum geben kann. Die eingeschlossenen Materialien (Checklisten, Fragebögen und Ablaufschemata) stellen Hilfen dar, die es vor allem dem (Praxis-) Nachwuchs weiter ermöglichen können, für sich eine Art System in die unterschiedlichen Ansätze zu bringen; dies alles unterstreicht den starken Anwendungscharakter dieses Bandes.

Kurz: Mit diesem zweiten Band des Lehrbuchs liegt eine systematische Darstellung der Methoden und Techniken vor, wie sie in der praktischen Sozialen Arbeit Anwendung finden können. Beide Bände stellen für Novizen und Studierende der Sozialen Arbeit eine gut gegliederte und flüssig formulierte Einführung dar und vermitteln einen Überblick über relevante Fragestellungen der Sozialraumorientierung, die bei Bedarf um spezialisierende und handlungsfeldspezifische Darstellungen ergänzt werden können (vgl. z. B. Ulrich Deinet [Hrsg.]: Methodenbuch Sozialraum, Wiesbaden 2009 , vgl. die Rezension). Auch berufserfahrene Kräfte können Nutzen und Impulse für eine Aktualisierung ihrer Arbeit im sozialen Raum finden, wenn sie das „Fieldbook“ zur Hand nehmen.


Rezensent
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Hochschule Magdeburg/Stendal
Homepage www.PUWendt.de
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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 07.07.2009 zu: Frank Früchtel, Wolfgang Budde, Gudrun Cyprian: Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Fieldbook: Methoden und Techniken. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2007. ISBN 978-3-531-15144-1. Reihe: Lehrbuch.

Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-531-18433-3 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/6629.php, Datum des Zugriffs 21.07.2017.


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